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Donnerstag, 19. Juli 2012

Andrea Baier: Selbermachen statt Konsumieren - Zur überraschenden Wiederkehr der Subsistenz

Es breitet sich ein Unbehagen gegen Massenware, Fremdbestimmung und Kommerzialisierung aus. Man findet es alarmierend, dass man nicht mehr weiß, wie die Dinge des alltäglichen Lebens eigentlich hergestellt werden, und wie man sie zur Not auch selber herstellen könnte. Man will nicht mehr hinnehmen, dass international agierende Unternehmen längst weitgehend bestimmen, was wir essen, wie wir uns kleiden, wo wir unser Geld anlegen etc. Man empfindet es als Skandal, im Leben womöglich keine "Bamberger Hörnchen" mehr zu essen zu bekommen, sondern bei Kartoffeln nur noch zwischen "festkochend", "mittelfest" und "mehlig" wählen zu können. Man erlebt es als Gängelung und Verweigerung eines elementaren Zugangsrechts, wenn man nichts mehr reparieren können soll. Immer mehr Leute fühlen sich herausgefordert, verloren gegangenes Wissen zurückzuerobern, um wieder mehr Autonomie über das eigene Leben zu gewinnen. Die Reduzierung auf den Konsumentenstatus wird als Zumutung empfunden. Man ist es leid, fremdversorgt zu werden, nicht mehr durchzublicken, Dinge anderen zu überlassen, die man auch selber machen könnte. Man will sich auch nicht mehr an der Ressourcenverschwendung beteiligen oder sich mit vorgefertigten Produkten zufrieden geben. Stattdessen wollen sich viele wieder in regionalen Bezügen verorten und nicht länger Kriegsgewinnler der internationalen Arbeitsteilung sein.

Mein Blog befasst sich in einem umfassenden Sinn mit dem Verhältnis von Wissen, Wissenschaft und Gesellschaft. Ein besonderes Augenmerk richte ich dabei auf die Aktivitäten des Medien- und Dienstleistungskonzern Bertelsmann und der Bertelsmann Stiftung.