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Freitag, 20. Juli 2012

Götz Eisenberg: Das Kind als Bio-Aktie

Einer großen deutschen Tageszeitung entnehme ich, dass das für den Schweizer Schauspieler Robert Hunger-Bühler nicht zutrifft. Als dieser unlängst in Shakespeares Stück Der Kaufmann von Venedig in Zürich auf der Bühne stand und gerade zu Shylocks berühmten Monolog anheben wollte, fiel ihm auf, dass im Parkett lauter Handys flimmerten. Dem Schauspieler ist in diesem Moment vieles durch den Kopf geschossen, etwa die Frage, ob er überhaupt weiterspielen solle. Aber dann ist er, ohne groß zu überlegen, in den Zuschauerraum gestiegen und hat nach den Handyleuten gesucht. Ungefähr in der zehnten Reihe hat er „das Nest“ ausgemacht und zwei von den „Burschen“ auf die Bühne geholt. Dort sprach Hunger-Bühler den ganzen Monolog mit Shylocks bösen rhetorischen Fragen „Wenn ihr uns stecht, bluten wir nicht? Wenn ihr uns kitzelt, lachen wir nicht? Wenn ihr uns vergiftet, sterben wir nicht?“ noch einmal – den Jungen direkt ins Gesicht, als seien sie Quizshow-Kandidaten. Ganz still sei es da plötzlich im Theater gewesen, stiller als sonst. Bevor er sie wieder entließ, trieb Hunger-Bühler das Spiel auf die Spitze und nahm das Handy eines der Jugendlichen – und machte ein Foto.

Mein Blog befasst sich in einem umfassenden Sinn mit dem Verhältnis von Wissen, Wissenschaft und Gesellschaft. Ein besonderes Augenmerk richte ich dabei auf die Aktivitäten des Medien- und Dienstleistungskonzern Bertelsmann und der Bertelsmann Stiftung.