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Dienstag, 10. Juli 2012

Thomas Schuler: BIG BUSINESS - DER BILDUNGSMARKT IST ZUM ELDORADO PRIVATER UNTERNEHMEN GEWORDEN – ABER VORSICHT IST GEBOTEN

Die GEW beschreibt die Bertelsmann Stiftung als Sphinx mit zwei Gesichtern: als „Dienerin der Gesellschaft und als trojanisches Pferd der neoliberalen Privatisierer“. Die Gewerkschaft hat 2009 beschlossen, nicht mehr mit der Stiftung zu kooperieren, weil die Ziele der Stiftung „nicht mit denen der GEW vereinbar“ seien. Während die GEW von Staatlichkeit, Steuerfinanzierung und Demokratie geprägt sei, gehe es Bertelsmann um Wettbewerb, Markt, Effizienz und Effektivität. In Deutschland würde die Bertelsmann Stiftung gerne den Beamtenstatus der Lehrer abschaffen und ihre Arbeitsverträge flexibler gestalten. Damit stünde Bertelsmann und anderen Unternehmen auf einen Schlag ein neues Geschäftsfeld offen: Mit Billiglehrern könnten sie Schulen betreiben und Gewinn erwirtschaften. Bislang ist ihnen das mit allgemeinen Schulen noch nicht gelungen, weil die Personalkosten zu hoch sind. Zunächst in NRW, dann in anderen Bundesländern hat sie das Modell der selbstständigen Schule etabliert. Dabei soll ein Schulleiter selbst entscheiden, ob er seinen Etat lieber für ein Chemielabor oder eine zusätzliche Lehrkraft einsetzen will. Die GEW warnt davor, dass Schulleiter so verleitet würden, Aushilfskräfte und Billiglehrer einzustellen. Mit viel Geld und zahlreichen Konferenzen, mit langem Atem und einem ausgesuchten Netzwerk von Wissenschaftlern, Politikern und Meinungsführern haben die Stiftung und ihr Centrum für Hochschulentwicklung die Hochschulpolitik reformiert. In das Hochschulfreiheitsgesetz in NRW wurden Anregungen der Stiftung direkt aufgenommen, und dort und in anderen Bundesländern hat das CHE ihr Modell der „entfesselten Hochschule“ durchgesetzt, die in sogenannten Hochschulräten von Wirtschaftsmanagern beraten wird und für deren Bedürfnisse am Markt ausbildet. Sie verändern die Ausrichtung, indem sie Studenten nicht mehr allgemein für einen Beruf bilden, sondern ausbilden.