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Donnerstag, 20. September 2012

Die Zeit: Interview mit OECD-Vize Aart de Geus - "Vollbeschäftigung in Deutschland ist möglich"

"Wir müssen den Unternehmen mehr Anreize bieten, unbefristete Verträge anzubieten. Das geht nur, wenn wir den Schutz für diese Gruppe der Beschäftigten senken. Ich rede hier nicht von großen Veränderungen, sondern von gezielten Maßnahmen, die reguläre Beschäftigung wieder attraktiver machen. Das mag in Ihren Ohren paradox klingen: Warum sollten wir mit weniger Arbeitnehmerrechten zu weniger prekären Jobs kommen? Die Antwort lautet: Weil wir die Risiken senken müssen, die ein Unternehmen eingeht, wenn es unbefristete Verträge an Arbeitnehmer vergibt. Das hilft am Ende auch den Jungen, weil sie leichter Zugang bekommen zu festen Beschäftigungsverhältnissen, der ihnen heute noch zu oft versperrt ist. "

Kommentar von Alexander Brabandt: In einem Interview vom 15.12.2010 in der ZEIT fordert De Geus den Abbau von Arbeitnehmerrechten (wie z. B. den  Kündigungsschutz) wegen der "Zwei-Klassen-Gesellschaft am Arbeitsmarkt" in der BRD. Das Problem de Zweiteilung sei nach De Geus nicht an sich das Problem, sondern nur die fehlende Durchlässigkeit beider Bereiche. Durch Rückbau von Arbeitnehmerrechten bei den Kernbelegschaften soll laut De Geus angeblich alle Arbeitnehmer profitieren, da sie bei Verlust ihres Arbeitsplatzes leichter eine unbefristete Anstellung finden könnten. Außerdem würden Arbeitnehmer davon profitieren, bei Aufgabe von Arbeitsschutzrechten höhere Lohnforderungen durchsetzen zu können.

Ziemlich Absurde Argumentation von diesem De Geus. Wir wissen jetzt, wo die Reise hingeht: Nach dem Bertelsmann den prekären Arbeitsmarkt (Hartz IV und Zeitarbeitsmarkt) den Weg bereitet hat, sind also jetzt die regulären Arbeitsverhältnisse Ziel der Stiftungsarbeit.


Kommentar von Steffen Roski: Art de Geus ist seit kurzem Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung. Im Gewande der Gemeinnützigkeit treibt die Konzernstiftung in ihrer Rolle als Think Tank weiter eine neoliberale Arbeitsmarktpolitik voran. Die Bertelsmann Stiftung tritt als eine Art intellektueller Gesamtverwalter der kollektiven Interessen des Großkapitals auf. Es ist dasselbe Großkapital, das in den Bertelsmann-Medien (Zeitschriften, RTL usw.) Werbung schaltet und somit die Plattformen der Bertelsmann AG nutzt, um die Wertschöpfung voranzutreiben.

Mein Blog befasst sich in einem umfassenden Sinn mit dem Verhältnis von Wissen, Wissenschaft und Gesellschaft. Ein besonderes Augenmerk richte ich dabei auf die Aktivitäten des Medien- und Dienstleistungskonzern Bertelsmann und der Bertelsmann Stiftung.