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Freitag, 5. Oktober 2012

Deutsche Gesellschaft für Erziehungswissenschaft: DGfE empfiehlt - keine Beteiligung am CHE-Ranking

Sondernewsletter DGfE Kommission für Sozialpädagogik

Liebe Kolleginnen und Kollegen,


nachdem bereits die Vorstände der Deutschen Gesellschaften für Soziologie und Geschichte einen Aufruf zum Ausstieg aus dem CHE-Ranking veröffentlicht haben, ruft auch unser DGfE-Vorstand dazu auf. Die
entsprechende Stellungnahme finden Sie anbei.

Der Vorstand der DGfE-Kommission Sozialpädagogik unterstützt diesen Aufruf ausdrücklich, denn er bestätigt unsere kritisch-ablehende Haltung den Rankings und der damit verbundenen Umverteilungspolitik gegenüber - die sich ja bereits in entsprechenden Erklärungen einzelner Institute oder Fakultäten in den vergangenen Jahren in der Sozialpädagogik gezeigt hat.

In diesem Sinne bitten wir Sie, die Stellungnahme in ihren Hochschulen und Fakultäten bekannt zu geben und darauf zu drängen, entsprechende Beschlüsse herbeizuführen.

Mit kollegialen Grüßen,
Fabian Kessl


Die Deutsche Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) hat die Diskussionen um die Seriosität und Bedeutung des CHE-Rankings schon länger verfolgt und fühlt sich in ihrer Skepsis durch die Stellungnahmen anderer Fachgesellschaften und Universitäten, insbesondere der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, bestärkt.  


Neben der Kritik an dem methodischen Vorgehen zur Gewinnung der Daten für das CHE-Ranking erachten wir als hochproblematisch, Verallgemeinerungen auf der Grundlage der gewonnenen Daten so einfach mit einem Ampelsystem durchzuführen und diese Art von Rankings als eine ausreichende Grundlage für Entscheidungen von jungen Menschen für ein bestimmtes Studienfach zu verstehen. Darüber hinaus sieht die DGfE fachspezifische Probleme. Zum einem ist die hohe Lehrbelastung in den erziehungswissenschaftlichen Studiengängen zu berücksichtigen; die Lehrerbildung verlangt einen hohen Betreuungsaufwand. Dies belastet 
fast alle Lehrenden der Erziehungswissenschaft zeitlich sehr stark und erschwert daher das Engagement für die Forschung. Zum anderen wird in dem CHE-Ranking nicht zwischen den erziehungswissenschaftlichen Hauptfachstudiengängen mit ihren jeweiligen Schwerpunkten und dem Lehramtsstudium unterschieden. An 
vielen Hochschulen wird entgegen den Empfehlungen der DGfE die Lehrerbildung weniger forschungsorientiert betrieben. Nicht zu Letzt wird das CHE-Ranking der spezifischen Personalstruktur an vielen erziehungswissenschaftlichen Instituten bzw. Fachbereichen nicht gerecht, indem einerseits nicht dezidiert unterschieden wird zwischen Stellen, die in Forschung und Lehre angesiedelt sind und jenen, die 
reine Lehraufgaben haben, wie letzteres bei vielen  Stellen aus dem Hochschulpakt der Fall ist, und andererseits zwischen befristeten und unbefristeten Personen, denen jeweils ganz unterschiedliche Aufgaben in Forschung, Lehre und Wissenschaftsmanagement aufgetragen sind. Eine differenzierte Sichtweise würde 
deutlich machen, dass das Studienfach komplexer ist als dies in Rankings mit ausgewählten Daten präsentiert wird.  


Die DGfE empfiehlt aus den genannten Gründen den erziehungswissenschaftlichen Instituten bzw. Fachbereichen in Deutschland einen Ausstieg aus dem CHE-Ranking, ähnlich wie dies auch andere Fachgesellschaften getan haben. Zugleich ist der Vorstand der DGfE bereit, an einer Verbesserung des CHE-Rankings mitzuwirken, wird aber zugleich an einer verbesserten und der Situation des Faches 
angemessenen Repräsentation der verschiedenen Hochschulstandorte arbeiten, um den an der Erziehungswissenschaft und ihren unterschiedlichen Teildisziplinen sowie an einem Lehramtsstudium interessierten jungen Menschen eine qualifizierte Entscheidungsgrundlage zu geben.  

Anprechpartner_in: 
Prof. Dr. Stefan Aufenanger (aufenang@uni-main.de) 
Prof. Dr. Sabine Reh (sabine.reh@tu-berlin.de) 
Prof. Dr. Werner Thole (wthole@uni-kassel.de)

Mein Blog befasst sich in einem umfassenden Sinn mit dem Verhältnis von Wissen, Wissenschaft und Gesellschaft. Ein besonderes Augenmerk richte ich dabei auf die Aktivitäten des Medien- und Dienstleistungskonzern Bertelsmann und der Bertelsmann Stiftung.