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Mittwoch, 3. April 2013

Martine Bulard, Alain Gresh, Philippe Rekacewicz, Catherine Samary, Olivier Zajec: Der lange Abschied vom Wachstum

Die große Wende der 1980er Jahre führte zu einer Reihe von Veränderungen. Der Charakter der gesamten Entwicklung lässt sich in vier Dimensionen des Umbruchs zusammenfassen:

ERSTER UMBRUCH: Die Profitrate (ihr Anteil am Nationaleinkommen) steigt.

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ZWEITER UMBRUCH: Die Finanzialisierung setzt sich durch.

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DRITTER UMBRUCH: Die Arbeitsproduktivität wächst langsamer.

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VIERTER UMBRUCH: Der Machtzuwachs der Schwellenländer verändert die Welt.

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Man muss ... darüber nachdenken, welche Bedingungen erfüllt werden müssen, um zu einer "entfinanzialisierten", nach sozialen Maßstäben regulierten Wirtschaft zurückkehren zu können. Es gilt also die wirtschaftlichen und politischen Zwänge zu identifizieren, die seit den 1980er Jahren den Keim zur gegenwärtigen Krise gelegt haben.

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Die Staatsausgaben, die im neoliberalen Modell als "unproduktive" Kosten gelten, sollen reduziert werden, um das Feld der gewinnbringenden Privatinvestitionen zu erweitern. Die sozialen Folgen sind bekannt: Prekarisierung und wachsende soziale Unsicherheit.

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(Eine) entscheidende Frage heute (heißt): Wer soll die Schulden bezahlen, die der Staat in der Finanzkrise durch seine Rettungsaktionen vom Privatsektor in seine Bücher übernommen hat, die aber deshalb nicht verschwunden sind? Das ist weniger eine ökonomische als vielmehr eine politische und soziale Frage. Da es kein Ersatzmodell gibt, sind die Regierungen versucht, die Gelegenheit zu nutzen, um mit einer Schocktherapie die neoliberalen Reformen zu vertiefen und die Sonderziehungsrechte des Finanzkapitals auf den "Reichtum der Nationen" zu wahren.

Aus: Martine Bulard, Alain Gresh, Philippe Rekacewicz, Catherine Samary, Olivier Zajec (Hrsg.), Le Monde diplomatique. Atlas der Globalisierung. Die Welt von morgen, Berlin, S. 10 - 12