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Montag, 2. September 2013

Steffen Roski: Meine Erfahrungen beim Jobcenter Hamburg-Mitte

Die Situation im Einlass-Bereich war ja schon einmal skurril. Ich klingele, die Sicherheitsfrau zieht sich aus dem Einlass-Bereich zurück, es dauert einige Zeit, bis sie wieder da ist und Zugang gewährt. Damit aber nicht genug. In wohliger Überlaune fragt sie mich, wer denn da mal wieder als Begleitperson mitgekommen sei. Letztesmal sei das so ein "dunkelhäutiger Herr mit Bart gewesen" (Herr Loch) - und heute: Horst Schneider, beschirmt und überhaupt seriös erscheinend. Nach einiger Wartezeit dann der Aufruf: Auf zu Frau M. ins Büro der Erstaufnahme, die telefonierend, den Hörer an der Ohrmuschel, ohne ein Wort der Begrüßung sofort mich danach fragt, wo denn das Kündigungsschreiben des Arbeitgebers sei. Wie sollte ich auf diese Frage reagieren, wenn doch die Mitarbeiterin des Jobcenters noch in Telefonat verstrickt gewesen war? Dann das Übliche. Fragen über Fragen. OK. Waren ja zu klären. Als dann jedoch eine Mitarbeiterin des Security-Personals das Büro der Frau M. betrat, um in irgendeiner anderen Angelegenheit Fragen zu stellen, wurde es doch schon komisch. Die Dame bewegte sich so nah an den Schreibtisch der Jobcenter-Mitarbeiterin, dass sie ohne Probleme alle auf dem Bildschirm erkennbaren Daten einsehen konnte. Kumpanei im Dienst, nenne ich das mal! Erst als mein Beistand, Horst Schneider, auf diesen Missstand aufmerksam machte, reagierte Frau M. Sie beorderte eine andere Mitarbeiterin des Security-Personals in ihr Büro und ermahnte sie, fortan Sorge dafür zu tragen, dass sich solches nicht noch einmal abspielen könne. Interessant dann auch das Gespräch mit dem Jobcenter-Mitarbeiter, Herrn V. Ein freundlicher, korrekter Behördenmitarbeiter, so muss ich sagen. Doch auch er verfiel in den typischen Kundenberatungsduktus, als er mir "Strafen" androhte. Mein Rechtsbeistand wies ihn daraufhin auf den grundlegenden Unterschied zwischen Exekutive auf der einen und Judikative auf der anderen Seite hin. Ergebnis: Es gibt keine Sanktionen auf meinen ALG-II-Antrag. Bleibt nur noch eine Frage: Wie viel Menschen gibt es, die tagtäglich ohne Rechtsbeistand einer unbarmherzigen Behördenwillkür ausgesetzt sind? Eine letztendlich unmenschliche Praxis, die immerfort und täglich Usance in den Jobcentern dieser so genannten Republik ist.

Mein Blog befasst sich in einem umfassenden Sinn mit dem Verhältnis von Wissen, Wissenschaft und Gesellschaft. Ein besonderes Augenmerk richte ich dabei auf die Aktivitäten des Medien- und Dienstleistungskonzern Bertelsmann und der Bertelsmann Stiftung.