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Mittwoch, 25. Februar 2015

Kathrin Passig & Ira Strübel: Im Umgang mit Trollen

"In letzter Zeit ist häufiger zu lesen, Trolle seien soziopathische Gestalten, Narzissten, Sadisten, durch wissenschaftliche Tests eindeutig zu identifizieren. Es gebe quasi hier den Menschen und da den Troll. Jedoch existieren im Netz nicht allzu viele hauptberufliche Trolle. Die meisten unter ihnen trollen lediglich hie und da, quasi in Teilzeit, und sind sonst recht sympathische oder sogar empathiefähige Personen. Sie haben vielleicht einen recht eigenwilligen Sinn für Humor, sie schätzen die Provokation als Strategie, und manchmal sind sie der Meinung, dass die anderen Diskussionsteilnehmer einer kollektiven Illusion erliegen, an der jemand einmal kräftig rütteln muss. Der Aufruhr wegen eines Trollkommentars bedeutet häufig, dass sich an dieser Stelle ein heikler Punkt der Debatte befindet und die getrollte Seite die Sachlage etwas zu einfach dargestellt hat. Überprüfen sie nach gebührender (stiller) Empörung über die Form der Trollerei, ob an den Vorwürfen nicht doch im Kern etwas dran sein könnte."

Quelle: http://www.nzz.ch/meinung/kolumnen/im-umgang-mit-trollen-1.18489737