Manchmal allerdings ist Sloterdijk unschuldig. Dann sind es seine Gesprächspartner, die ihn geradezu zwingen dummes Zeug zu erzählen. So Arno Frank für die "taz", wenn er zum Euro und der "Wohlstandssphäre Europa" fragt als gäbe es kein Hartz Vier, keine Banlieues, keinen Hunger in Portugal oder Irland. Alles ist ihm wohlständig. Dann muss der Philosoph einfach von der singulären, europäischen Großstruktur schwärmen, Hauptsache groß, Inhalt beliebig. Oder wenn Mattussek für den SPIEGEL, eine Assistenzfrage nach der anderen stellend, fragt: "Bringt nicht Schröder jetzt jene Reformen auf dem Weg, die eigentlich die CDU in den achtziger Jahren hätte betreiben müssen?" Da reicht für Sloterdijk kein einfaches JAWOLL, da muss er schnell noch die "Einheitspartei des Wohlstands" beschwören und hat mit der Einheitspartei nicht mal unrecht. Auch wenn vom Wohlstand nur in den höheren Regionen die Rede sein kann. Schöner Höhepunkt bleibt Thomas Macho, der dem Slotedijk das "Haus der Sprache" als "geheimnisvollen Ort" zuschiebt, damit der dann erzählen kann, dass die "Menschwerdung der Nebeneffekt einer einzigartigen Verwöhnung" sei und die Menschen deshalb ins Haus der Sprache eingezogen sind. Da ist selbst das biblische Märchenbuch genauer wenn es den Schöpfer zitiert, der den Menschen zuruft, dass sie ihr Brot mit Schweiß bezahlen müssen. Und bei Friedrich Engels hätte Sloterdijk nachlesen dürfen, dass die Sprache als erstes Handwerkzeugs der Menschen entstanden ist.
Mein Blog befasst sich in einem umfassenden Sinn mit dem Verhältnis von Wissen, Wissenschaft und Gesellschaft. Ein besonderes Augenmerk richte ich dabei auf die Aktivitäten des Medien- und Dienstleistungskonzern Bertelsmann und der Bertelsmann Stiftung.
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Freitag, 12. Juli 2013
Donnerstag, 11. Juli 2013
Gerd R. Rueger: Apple und Bertelsmann bei e-Book-Kartell erwischt
Die EU hat trotz Prism Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit den USA aufgenommen: TTIP. Mit der geplanten Handels- und Investitionspartnerschaft (Transatlantic Trade and Investment Partnership) soll die weltweit größte Freihandelszone mit gut 800 Millionen Einwohnern geschaffen werden. Damit verbunden sind zwei weitere Abkommen, die gerade verhandelt werden: Das Canada EU Trade Agreement (CETA) und die Trans-Atlantic Free Trade Association (TAFTA). Urheber-, Patent- und Markenrecht sind bei laufenden Freihandelsabkommen Gegenstand heftiger Diskussionen, so beim Canada-EU Trade Agreement (CETA) oder bei den Verhandlungen zwischen der EU und Indien. Die Lobbymacht der Rechteinhaberindustrie hat die Politik oft im korruptiven Würgegriff. Experten warnen davor, übertrieben scharfe Schutzmaßnahmen mittels internationaler Verträge einzuführen, weil das die dringend nötige Reform des Urheberrechts erschwere. Wegen Einfluss von Hollywood & Co wird dabei US-Unterhändlern nachgesagt, dass sie stets für Maximalforderungen im Urheberrecht eintreten -Raubkoopierer werden nicht mehr nur als “Verbrecher” diffamiert, sondern womöglich bald als “Terroristen”, auf die Obamas “war on terror” dann ausgedehnt werden kann.
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Arte: GASLAND
Überall in den USA wird intensiv nach Schiefergas gesucht. Das Ziel besteht darin, durch die Gasgewinnung unabhängig von Erdölimporten zu werden und somit die Energieautonomie des Kontinents zu gewährleisten. Halliburton, das marktführende Unternehmen für Gasförderung in den USA, hat das Fracking entwickelt. Dabei wird nach Tiefbohrungen Wasser, zumeist mit Quarzsand vermischt, in das Gestein gepresst, um dort Risse zu erzeugen und offen zu halten. Dadurch wird die Durchlässigkeit der Gesteinsschicht erhöht, und Fluide wie Erdgas, Erdöl oder Wasser können leichter zur Bohrung fließen und an die Oberfläche gefördert werden. Dank dieser Fördertechnik wollen die USA zum "Saudi-Arabien des Schiefergases" werden. Aber welche Gefahren birgt diese Methode? Als der Filmemacher Josh Fox ein Schreiben erhielt, in dem er aufgefordert wurde, seinen Boden für Bohrungen zu vermieten, beschloss er, durchs Land zu fahren und den wohl gehüteten Geheimnissen, Lügen und Giften auf die Spur zu kommen. In den Staaten Colorado, Wyoming, Utah und Texas suchte der Regisseur vom neuen Gasboom betroffene Landsleute auf und sprach mit Wissenschaftlern, Politikern und Vertretern der Gasindustrie. Das Ergebnis seiner Untersuchung lautet: Das Fracking ist eine Umweltkatastrophe von nie gekanntem Ausmaß. Verschmutzung der Luft, der Wasserwege, des Grundwassers, chronische Gesundheitsprobleme, Tiersterben und brennbares Trinkwasser sind Folgen dieser umstrittenen Technik der Rohstoffgewinnung. Der Dokumentarfilm von Josh Fox ist eine aufregende Untersuchung, die die Welt vor einer Katastrophe warnt, die durch das Fracking drohen könnte. (USA, 2010, 103mn) ARTE F
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Donnerstag, 4. Juli 2013
Albrecht Müller: Dass Deutschland kein souveräner Staat ist, ist nichts Neues
Jetzt wird angesichts der sichtbaren Tätigkeit ausländischer Geheimdienste in unserem Land und angesichts der Überwachung von Internet und Telekommunikation empört darüber gerätselt, was sich US-Amerikaner und die Briten bei uns und in Europa erlauben. Das musste man erwarten, nachdem auch bei den Verträgen zur Deutschen Einheit nicht dafür gesorgt worden ist, dass wir ein souveränes Land werden. Ich habe die Einschränkung der Souveränität als Bundestagsabgeordneter Ende der achtziger Jahre und Anfang der Neunzigerjahre handfest erlebt.
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JAMES RISEN: Lawmakers Question White House Account of an Internet Surveillance Program
The Internet surveillance program was originally part of a Bush administration program that included the warrantless wiretapping of the phone calls of Americans. But in 2004, the legality of the Internet data collection program so concerned top Justice Department officials that it led to a showdown between the department and White House officials in the hospital room of ailing Attorney General John Ashcroft. After the confrontation the program was briefly stopped, then resumed under a new legal framework. It continued into the Obama administration.
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Dienstag, 2. Juli 2013
WZB: Entscheidungsträger in Deutschland - Werte und Einstellungen
Im Mittelpunkt der Befragung standen die Werte und Einstellungen der gesellschaftlichen Elite. Als Motiv für die Ausübung der jeweiligen Spitzenfunktionen nannten fast alle Befragten den Wunsch, die Gesellschaft mitgestalten zu wollen (92 Prozent). Gesellschaftliche Verantwortung nennen zwei Drittel der Befragten als wichtigsten persönlichen Antrieb. Ehrgeiz dagegen spielt für 31 Prozent der Männer und 23 Prozent der befragten Frauen eine zentrale Rolle. Während die positiv besetzten Motive Gestaltungswille und Verantwortung häufig für sich selbst als Werte genannt werden, gelten den Spitzenkräften die anderen Entscheidungsträger als weniger gemeinwohlorientiert. Nur 22 Prozent der Befragten glauben, dass der Wunsch „Verantwortung zu übernehmen“ das wichtigste oder zweitwichtigste Motiv für andere Führungskräfte ist.
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Sonntag, 26. Mai 2013
sozialkonflikt.de: Aufruf für ein egalitäres Europa
Ein alleiniger Austritt aus der Euro-Zone wäre eine „Schocktherapie von links“: Er würde aufgrund der internationalen Isolierung innerhalb kürzester Zeit zum ökonomischen Kollaps, zu Hungerkatastrophen und zum Rückfall in die Gruppe der Entwicklungsländer führen.
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Elisabeth Raether: KINDERMARKETING - Süße Geschäfte
Ein Tag eines Grundschulkindes in Deutschland kann so aussehen: Zum Frühstück isst es Cini-Mini-Frühstücksflocken von Nestlé und einen Micky-Maus-Joghurt von Danone. In der ersten Schulstunde verteilt die Lehrerin ein Arbeitsblatt zum Thema Zoo, entwickelt von Dr. Oetker. In der zweiten Stunde sieht das Kind ein Video zum Thema Verkehrssicherheit, zur Verfügung gestellt von Capri-Sonne. Vielleicht ist an der Schule aber auch Projekttag, und das Kind darf in der "Mobilen Schokowerkstatt" von Ritter Sport sein eigenes Schokoquadrat herstellen. Nachmittags, im Fußballverein, trainiert das Kind für das DFB-Abzeichen, gesponsert von Mc Donald’s. Danach trägt es sich für die Verlosung eines Platzes in der Fußball-Eskorte ein, ebenfalls ein Einfall von McDonald’s: Falls es gewinnt, darf es Hand in Hand mit einem Spieler der Nationalelf aufs Feld laufen. Wieder daheim, guckt das Kind fern. Es hat Super RTL eingeschaltet und bleibt, wenn es ein Durchschnittskind ist, 91 Minuten lang vor dem Fernseher sitzen. 18 Minuten davon sind Werbung. Auf Super RTL sieht es auch einen Hinweis auf toggo.de, die größte deutsche Spieleseite, die zu Super RTL gehört. Dort gibt es Cini-Mini-Frühstücksflocken zu gewinnen – der nächste Tag kann beginnen.
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Freitag, 17. Mai 2013
Donnerstag, 16. Mai 2013
Mike Nagler: Der Spiegel vermarktet die Bertelsmann Stiftung – „Deutscher Lernatlas“ stellt den Zusammenhang von Bildung und Wohlstand auf den Kopf
Die Bertelsmann AG hat 74,9 Prozent der Anteile am größten europäischen Magazinhaus Gruner + Jahr und G+J hat wiederum eine Sperrminorität von 25,25 Prozent beim Spiegel-Verlag. So wäscht eben eine Hand die andere, der Spiegel erhält eine reißerische und auflagensteigernde Exklusiv-Meldung und die Bertelsmann Stiftung kann ihr Image als Bildungsförderer aufpolieren. Dass diese „Bildungs-Studie“ steuerbegünstigt aus den Gewinnen des Bertelsmann Konzerns finanziert wurde, ist dem Spiegel natürlich nicht einmal einen Nebensatz wert. Selbstverständlich gibt es auch keinen Hinweis darauf, dass die Bertelsmann-TV-Tochter, RTL, mit rund 300 Millionen Euro drei Viertel zu den Mehreinnahmen und damit den Löwenanteil zum Gewinn des Mutter-Konzerns von 665 Millionen Euro beitrug. Doch gerade dieser Hintergrund hätte für ein kritisches Nachrichtenmagazin die eigentliche Story sein müssen. Der Spiegel hätte den Zynismus, der hinter der Studie versteckt ist, für jedermann offenkundig machen müssen. Stattdessen vermarktet er noch das Doppelspiel von Bertelsmann-Konzern und Bertelsmann Stiftung.
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THOMAS MAYER: EU-Ländermatch mit der Schweiz - Kommission darf Bankdatentransfer verhandeln, aber Spielmacher sind USA
Wie die mehr als traurige Praxis aussieht, ließ sich beim jüngsten Treffen der EU-Finanzminister trefflich beobachten: Sie verschoben zum x-ten Mal die Vorschläge zur Eindämmung des Mehrwertsteuerbetruges, Machenschaften mit Vorsteuerabzug quer durch die EU, bei denen Kriminelle Milliarden scheffeln. Und sie konnten sich - nach Jahren des Streits - wieder einmal nicht darauf einigen, eine geltende EU-Zinsrichtlinie deutlich auszuweiten, wie das die Kommission will. Das wäre dringend nötig, denn es ist lächerlich, dass in der EU seit zehn Jahren nur Steuervermeidung bei Zinsgewinnen natürlicher Personen mittels Datenaustauschs quer über die Grenzen hinweg verfolgt wird, viele andere Kapitalgewinne (auch in den europäischen Drittländern) aber davon völlig unberührt bleiben. So wie es auch nicht gelingt, die lange angekündigte Finanztransaktionssteuer endlich umzusetzen.
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ANDREAS WHITTAM SMITH: Who’s the odd one out in Europe? Not us - France has left Germany's side and the public mood is heading South
There is one more important change that the opinion polls highlight. In terms of public attitudes, France is becoming more Mediterranean. Take the table that shows changes in the proportion of respondents who believe their economy is in good shape. In 2007, there was a lot of good cheer. In fact, the British were the most optimistic, with 69 per cent saying economic conditions were good. Then came Spain at 65 per cent (which was also enjoying a residential property boom) and Germany at 63 per cent. The score for the habitually morose French was 30 per cent. But since then, except in Germany, deep pessimism has taken over. The proportions now thinking that economic conditions are acceptable have fallen to 15 per cent in Britain, 9 per cent in France, 4 per cent in Spain and 1 per cent in Greece. But 75 per cent of Germans still think things are pretty good. In other words, as Pew’s commentary on its results notes: “The French public mood is now looking less like that in Germany and more like that in the southern peripheral nations of Spain, Italy and Greece.”
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Alan Posener: Europa braucht weniger Sparsamkeit - Neoliberale hassen ihn wie den Gottseibeiuns: Der britische Ökonom John Maynard Keynes lehrte, dass der Staat in Krisenzeiten Geld ausgeben müsse. Bush und Obama haben genau das getan. Mit Erfolg.
So gründlich aber ist die Verteufelung des Keynesianismus gelungen, dass die Kontinentaleuropäer – im Gegensatz zu den Briten und Amerikanern - auch in der schlimmsten Krise der Nachkriegszeit nicht auf die Idee kommen, seinen Ideen zu trauen. Der neuesten Umfrage des Pew Institutes zufolge sehen 81 Prozent der Franzosen, 67 Prozent der Deutschen und Spanier und 59 Prozent der Italiener Ausgabenkürzungen als Weg zur Überwindung der Krise an; nur 18 Prozent der Franzosen, 26 Prozent der Deutschen, 28 Prozent der Spanier und 29 Prozent der Italiener sind dafür, mehr auszugeben, um die Wirtschaft anzukurbeln. Na denn, viel Spaß weiterhin.
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Seumas Milne: A Tory-led exit from Europe would unleash a carnival of reaction - The nationalist right has long set the agenda. Labour should back a referendum and make the progressive case for change
But public opinion remains overwhelmingly in favour of a referendum. And, as elsewhere in Europe, the only reason the political elite continues to resist giving people a vote on such a fundamental and changed constitutional relationship is because it fears it may not get the right result. That's clearly an unsustainable anti-democratic nonsense, which will poison the political water until it's corrected. Unlike in other parts of Europe, where opposition to the EU or its policies has straddled the political spectrum, in Britain it has been dominated since the late 80s by the fake patriots of the Tory right and their cheerleading press. While claiming to champion national and democratic sovereignty against an unaccountable Europe, they're more than happy to swallow subordination to the United States and the City of London. So if Cameron and the Tories are able to monopolise the campaign to change the EU relationship, it's clear what the negotiation will be all about.
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Paul Krugman: How the Case for Austerity Has Crumbled
Keynesian economics rests fundamentally on the proposition that macroeconomics isn’t a morality play—that depressions are essentially a technical malfunction. As the Great Depression deepened, Keynes famously declared that “we have magneto trouble”—i.e., the economy’s troubles were like those of a car with a small but critical problem in its electrical system, and the job of the economist is to figure out how to repair that technical problem. Keynes’s masterwork, The General Theory of Employment, Interest and Money, is noteworthy—and revolutionary—for saying almost nothing about what happens in economic booms. Pre-Keynesian business cycle theorists loved to dwell on the lurid excesses that take place in good times, while having relatively little to say about exactly why these give rise to bad times or what you should do when they do. Keynes reversed this priority; almost all his focus was on how economies stay depressed, and what can be done to make them less depressed.
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Alma Guillermoprieto: Chavismo After Chávez
In any event, the new epithet for Capriles and his followers is “murderers,” a serious charge and a political mistake, considering that they represent half of the electorate. Last week, Iris Varela, a long-time Chávez protégé known for her flame-red hair and fiery temper (she is called “Little Match”) went on television to denounce Capriles. She called him an inciter to riot, a murderer, and a drug addict whose “pokey-outy eyes full of hate” (ojos puyuos llenos de odio) were the result of hallucinogen intake. Capriles has not been accused of any crime, but Varela told him that she had a jail-cell waiting for him. “And I assure you that nothing will happen to you in that cell…not like those jails we inherited from the bourgeoisie.” This, from a woman who supervises a notorious jail system in which hundreds of prisoners were killed in the course of vendettas, riots, and fires last year.
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Bundeszentrale für politische Bildung: Datenbank - Deutschland-Chronik
Die Chronik vermittelt Daten, Zusammenhänge und Entwicklungen zur Zeitgeschichte und Politik in Deutschland über die letzten fünfeinhalb Jahrzehnte. Sie beginnt mit der bedingungslosen Kapitulation nach dem Zweiten Weltkrieg am 8. Mai 1945, und sie endet 55 Jahre später Ende Mai 2000. Redaktionsschluss war daher am 1. Juni 2000.
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Andreas Pankratz: STADT SPECKT AB - DAS PHÄNOMEN DER "SCHRUMPFENDEN STÄDTE"
Lorz sieht in dem Schrumpfungsprozess sogar Vorteile. "Vor zweihundert Jahren war Duisburg noch eine Kleinstadt", sagt der Stadtplaner. Während der Industrialisierung ist sie wie die meisten Ruhrgebietsstädte schnell gewachsen. Der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg verlief ebenfalls auf Kosten eines ausgewogenen Stadtbildes. "Die Schrumpfung bietet uns nun die Möglichkeit, die zu dichte Bebauung etwa durch Grünflächen zu ersetzen", sagt Lorz. Duisburg will sich als günstige Alternative zu Boomstädten wie Düsseldorf und Köln anbieten, wo die Mieten immer teurer werden.
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Inga Rahmsdorf: DER IRRTUM DER PARALLELGESELLSCHAFT - MEIN UNBEKANNTER NACHBAR
"Räumliche Konzentration wird nur dann als Problem betrachtet, wenn es sich um die Absonderung von Gruppen handelt, deren Andersartigkeit von der Mehrheit als fremd und bedrohlich definiert wird", schreiben Häußermann und Siebel in ihrem Buch "Stadtsoziologie". Wer in wohlhabenden Stadtvierteln lebt, der wohnt dort, weil es gute Schulen, Cafés und Geschäfte in der Nähe gibt. Weil man sich sicher fühlt oder weil Freunde dort leben. Das Umfeld entspricht einem bestimmten Lebensstil. Es ist eine Form der sozialen Segregation, die freiwillig gewählt ist.
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Bundeszentrale für politische Bildung: Geheimsache Ghettofilm
Im Mai 1942 dreht ein NS-Filmteam im Warschauer Ghetto – wenige Wochen bevor dort die Deportationen und der Massenmord an der jüdischen Bevölkerung begannen. Aus dem Filmmaterial entsteht ein erster Rohschnitt, der das Leben im Ghetto abzubilden scheint. Doch die Szenen sind gestellt, die Bilder Propaganda. Das Filmfragment – 60 Minuten Schwarz-Weiß-Aufnahmen ohne Ton – wurde in den 1950er Jahren im Staatlichen Filmarchiv der DDR gefunden. In den 1990er Jahren tauchte in den USA Restmaterial aus den Aufnahmen aus, das die Inszenierung belegt. Die israelische Regisseurin Yael Hersonski hat die Propaganda-Aufnahmen aus dem Warschauer Ghetto zum Gegenstand ihres Films "Geheimsache Ghettofilm" gemacht. Darin erzählt sie von den Verbrechen an der jüdischen Bevölkerung im Ghetto und den propagandistischen Zielen des NS-Regimes. Dabei berührt sie auch die Frage nach der Authentizität der Bilder der Täter. Wie sollte NS-Filmmaterial heute genutzt werden? Die bpb veröffentlicht im Rahmen dieses Dossier den Film "Geheimsache Ghettofilm" ergänzt um Informationen zur Geschichte des Filmmaterials von 1942 und zum Warschauer Ghetto, darunter Kommentare und Analysen von Historikern, Filmexperten und Archivaren sowie Bildergalerien und Zeitzeugenberichte.
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