Samstag, 3. April 2021

Steffen Roski: Was jetzt für den BvB wichtig ist







Gerade steht es in der Halbzeitpause des wichtigen Spiels gegen Eintracht Frankfurt 1:1. Mats Hummels hat den psychologisch wichtigen Ausgleichstreffer kurz vor dem Pausenpfiff erzielt.

Ausnahmsweise einmal auf meinem Blog etwas zum Thema Fußball. Dass mein Herz Schwarz-Gelb schlägt, ist damit hier auch klargestellt!

Der Grund meiner kommentierenden Kurzintervention indes steht in Zusammenhang mit: Corona. 

Wahrscheinlich wird es im Sommer zum Transfer des norwegischen Goalgetters Erling Haaland kommen. Wohin auch immer, die Ablösesumme dürfte mehr als 150 Millionen Euro betragen.

Angesichts coronabedingt entgangener Zuschauereinnahmen wird dieser Transfer für den Verein wirtschaftlich notwendig werden. 

Für mich ist der entscheidende "Transfer" sowieso dieser: "Aki" Watzke bleibt in seiner Chef-Funktion dem BvB bis 2025 erhalten! 

Bitte nicht falsch verstehen: von der politischen Einstellung her trennen mich wahrlich Welten von Hans-Joachim Watzke. Jedoch bewundere ich eines an ihm: Die bedingungslose Hingabe an sein Lebenswerk Borussia Dortmund!

Der Blick ins westliche Herne lehrt: nichts ist jetzt wichtiger als Vereinstreue, wirtschaftlicher Sachverstand und die Bereitschaft, Opfer für die Nummer Eins im Revier zu bringen. All das vereint sich in der Person Aki Watzke.

Aus Fan-Sicht heißt das dann: ökonomisch notwendige Entscheidungen zu akzeptieren, den langen Weg des Aufbaus einer Meistermannschaft mitzugehen und nicht zu verzagen, wenn es zwischendurch mal nicht so laufen sollte!

Vom neuen Coach Marco Rose erhoffe ich mir Power-Fußball und eine aggressiv-offensive Spielweise mit jungen, hungrigen Angreifern.

Auf denn, Borussia, kämpfen und siegen!

Freitag, 27. November 2020

Steffen Roski: Digitalisierung, Digitalität, Digitalismus. Digitale Bildung in der Corona-Krise - ein Trend-Report



Schule und Bildung sind derzeit in den Brennpunkt der Aufmerksamkeit gerückt. Insgesamt stellt der Bund in den nächsten fünf Jahren 5 Mrd. Euro für die Digitalisierung von Schulen zur Verfügung. Die Länder tragen weitere 500 Millionen Euro bei. Der "Digitalpakt Schule" soll den Aufbau digitaler Lerninfrastrukturen fördern, Schulen sollen also mit leistungsfähigen Netzen und moderner Präsentationstechnik ausgestattet werden. Förderungsschwerpunkte sind dabei u.a. die Einrichtung von Lernplattformen, Cloud-Angeboten und WLAN-Netzen, die Anschaffung von interaktiven Tafeln und anderen digitalen Arbeitsgeräten, wie beispielsweise Laptops und Tablets, sowie die Kosten für die Administration und Wartung der Systeme. Für landesweite ebenso wie für länderübergreifende Vorhaben seien jeweils fünf Prozent der Fördermittel vorgesehen. Im Gegenzug haben die Länder sich verpflichtet, die Aus- und Fortbildung von Lehrerinnen und Lehrern, sowie ihre Lehrpläne weiterzuentwickeln. Besonders im Vordergrund stehen soll dabei auch das Verstehen der digitalen Welt. Auf Grundlage der Lehrpläne soll dann die entsprechende digitale Infrastruktur eingerichtet werden.


Die Corona-Krise hat jenen Auftrieb gegeben, die sich bereits seit vielen Jahren für eine "Digitalisierung" der Bildung aussprechen und einsetzen. Dass es in den Gemeinschaften professioneller Pädagogen über dies Thema eine ebenso lange Debatte über die Vor- und Nachteile dieses Prozesses gibt, liegt auf der Hand. Wirklich wahrheitsfähig sind Ergebnisse pädagogischer Forschung eher selten. So ist das Gesamtbild entsprechend uneinheitlich. Es gibt Schulen sowie Fachbereiche von Hochschulen, die auch unabhängig von den Entwicklungen in der Corona-Krise bereits seit Langem praktizieren, was geschulte Lehrkräfte mit dem Begriff "Digitalität" bezeichnen würden: eine eingeübte Unterrichtspraxis nämlich, die im Grunde bereits vorweggenommen hat, was die Bundesregierung mit dem "Digitalpakt Schule" nun flächendeckend anzustoßen gedenkt. 


Ich möchte vorschlagen, das Begriffspaar "Digitalisierung" / "Digitalität" zu einer Trias zu erweitern und mich für eine Anknüpfung dieser beiden Begriffe an Entwicklungen in der Ökonomie stark zu machen. Mit "Digitalismus" möchte ich die strukturelle Kopplung technologischer Entwicklungen an Profitinteressen von Unternehmen, die in der Digitalwirtschaft operieren, bezeichnen. Über Digitalisierung und Digitalität zu sprechen, heißt dann immer auch: diese strukturelle Kopplung mitzudenken. Vor diesem Hintergrund möchte ich im Folgenden aufzeigen, wie Digitalismus vorangetrieben wird, welche Organisationen und Netzwerke bestehen und die eine oder andere Überlegung darüber anfügen, welche gesellschaftlichen Folgen aus Digitalismusstrategien resultieren mögen.


US-Aktivitäten


Mit einem Volumen von fünf Billionen US-Dollar ist der Bildungssektor der zweitgrößte der Weltwirtschaft. Dies jedenfalls lehrt ein Blick auf die Seite der Bertelsmann Education Group (1). Mit dieser 2015 gegründeten Unternehmensgruppe nutzt Bertelsmann langjährige Branchenkenntnisse sowie stabile, weit gefächerte internationale Netzwerke und stellt Kapital dafür bereit, Bildungsunternehmen zu kreieren. Mit den vorwiegend im US-amerikanischen Markt aktiven Bildungsanbietern Udacity, Relias und HotChalk sind bislang derer drei Bestandteil der Education Group.


Das US-Engagement der Bertelsmann-Tochter ist vor dem Hintergrund des sehr ausgeprägt privatwirtschaftlichen Bildungssektors in den Vereinigten Staaten verständlich, wo sich, Kevin Carey (2) zufolge, eine schleichende Übernahme des Systems der höheren Bildung ereignet hat. Online erworbene Hochschulabschlüsse sind an vielen US-Hochschulen genauso teuer wie jene, die im Präsenzbetrieb erlangt werden können. So kosten beispielsweise die Online- als auch die Campus-Master-Abschlüsse im Bereich Soziale Arbeit an der University of Southern California jeweils exakt 107.484 Dollar. Carey beobachtet einen harten Konkurrenzkampf sogenannter Online Program Managers (OPMs), zu denen auch die Bertelsmann-Übernahme HotChalk zählt: "(P)ublishing giants such as Wiley, Pearson and Bertelsmann have snapped up OPMs for hundreds of millions of dollars. One analyst describes the current state of the industry as 'a scene out of "Mad Max," a chase through these dystopian hinterlands with obstacles in the way and people attacking each other.'" Der relativ offene, kaum regulierte US-Bildungsmarkt bietet OPMs lukrative Aussichten. Wer sich einmal durchgesetzt hat, steht vor profitablen Liaisons mit anerkannten, vertrauenswürdigen, reputierlichen akademischen Organisationen - und es wird dann zunehmend schwierig zu entscheiden, wo jeweils im Strange Loop akademisches Prestige und kapitalistischer Profit beginnt oder endet.


Der Bertelsmann-Konzern ist seit langem global aufgestellt: bereits zu Beginn der 2000er Jahre betrug der Auslandsanteil am Gesamtumsatz 69 Prozent (3). Die erst neu gegründete Education Group ist einer von heute acht Unternehmensbereichen. Für den Bildungsbereich bedeutsam sind darüber hinaus die RTL Group (Fernsehen und Radio), Gruner + Jahr (Zeitschriften) sowie Penguin Random House, der weltweit größte Publikumsverlag für Bücher. Bertelsmann kontrolliert damit mindestens ein Viertel der weltweiten Buchproduktion. Unter dem Vorsitz der Gruner + Jahr-CEO Julia Jäkel steuert die Bertelsmann Content Alliance seit Februar 2019 die Zusammenarbeit aller Inhaltegeschäfte von Bertelsmann. Somit ist z.B. für die Education Group der Zugriff auf alle bildungsbezogenen Contents aus der riesigen Schatzkammer des Medienriesens aus dem ost-westfälischen Gütersloh sichergestellt. 


Weltweit differieren Bildungssysteme enorm, dasjenige der USA unterscheidet sich etwa vom deutschen mit seinem Staatsbezug und der sprichwörtlichen Bildungshoheit der Länder in vielerlei Hinsichten, die "dystopian hinterlands" durch die die Bertelsmann Education Group in den Vereinigten Staaten Jagd auf Konkurrenten macht, sind für die gegenwärtige Bildungslandschaft der Bundesrepublik nicht bestimmend und typisch. So beklagt etwa der Leiter für Bildungsforschung am mmb-Institut, einer "Denkwerkstatt und Impulsgeber für die Innovation von Bildung und Lernen", Lutz Goertz (4), dass von einem Aufblühen der E-Learning-Branche in der Corona-Krise, auch angesichts des mit dem "Digitalpakt Schule" angestoßenen "Digital Turns" keine Rede sein könne: "Vielmehr spaltet die Krise die digitale Bildungswirtschaft in nahezu gleich viele Gewinner und Verlierer – wobei für die meisten derzeit noch keine nennenswerte Veränderung wahrnehmbar ist." 


Digitale Bildung - ein "Muss"!


Der Digitalisierungsprozess dürfte schwerlich in Gang kommen, wenn den meisten Kindern die notwendige Basisausstattung fehlt. In einem kürzlich gesendeten Interview mit dem Deutschlandfunk sieht der Direktor für Bildung bei der OECD, Andreas Schleicher (5), Deutschland schlecht aufgestellt: "Die Digitalisierung bietet uns ja Möglichkeiten, wirklich auch ganz anders zu lernen. Lernen ist kein Ort, Lernen ist eine Aktivität und die Digitalisierung kann das in vielerlei Hinsicht unterstützen, und ich denke, da ist noch sehr viel zu tun. Bei der technischen Ausstattung hat der Digitalpakt jetzt einen ersten Anfang gemacht, aber da braucht man wirklich gute Plattformen, da braucht man Unterrichtsmaterialien, die auch wirklich in die Lehrpläne voll integriert sind." Für Bundesbildungsministerin Anja Karliczek stellt sich kein Abwägungsproblem, ganz im Gegenteil: "Denn digitale Bildung sei 'kein Nice-to-have, sondern ein Must-have'." (6) Margaritis Schinas (EU-Kommissionsvize), Mariya Gabriel (Kommissarin für Innovation und Jugend) und die für Digitales zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager lassen sich ganz ähnlich vernehmen und betonen, die Corona-Krise hätte den Fernunterricht über das Internet ins Zentrum der Bildungspraxis gerückt, es gebe daher den „dringenden Bedarf“, die digitale Bildung zu verbessern – auch in „strategischer und langfristiger“ Hinsicht. (7) Zivilgesellschaftliche Akteure haben den Ball längst aufgenommen. So fordert die Gründerin des Vereins Digitale Bildung für alle e.V., Verena Pausder (8), aktuell in einem Interview mit dem Deutschlandfunk Positivlisten für jene Lernplattformen, die an den Schulen im Fern- oder Hybridunterricht genutzt werden dürfen: "Jetzt zu sagen, was braucht jede Schule, und sie kriegt ein Budget, eine Art Corona-Budget, um jetzt mobile Hotspots, Geräte, Inhalte, Plattformen bezahlen zu können, die sie jetzt besonders in diesen nächsten Monaten braucht, das ist, glaube ich, der Weg nach vorne."


Im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM-Bildungsmonitor 2020) hat das Institut der deutschen Wirtschaft Köln im August 2020 eine Studie mit dem Titel "Schulische Bildung in Zeiten der Corona-Krise" (9) verfasst. Für die Digitalisierung der schulischen Bildung wird das Ingangsetzen eines "Change-Prozesses" gefordert: Erstens sei die Dringlichkeit des Wandels anzuerkennen, was konkret heißen würde, Bund, Länder und Kommunen davon zu überzeugen, künftig nicht einfach zur Präsenzlehre zurückzukehren, sondern über den "Digitalpakt Schule" hinaus die Digitalisierung der Bildung voranzutreiben. Dies bedeute im Weiteren, zweitens, Koalitionen zu schmieden sowie Visionen zu entwickeln und zu kommunizieren: "Wichtig ist es dabei, die Erwartungen und Zielsetzungen auch während der Pandemie­-Zeit durch Schulbehörden und Ministerien transparent und unterstützend zu kommunizieren." In einem dritten Schritt gelte es Hindernisse aus dem Weg zu räumen und retardierende Kräfte zu verringern. So wird in der Studie z.B. vorgeschlagen, die Lernmittelfreiheit auf digitale Endgeräte auszuweiten. Viertens sollten kurzfristige Erfolge im Change-Prozess durch Best-Practice-Beispiele sichtbar gemacht werden: "Beispiele finden sich bereits heute durch die Auszeichnungen von MINT­Schulen, MINT­EC­Schulen, smart schools oder digitale Schulen durch verschiedene zivilgesellschaftliche Akteure." In einem fünften Schritt seien weitere Veränderungen einzuleiten. Dies wird von den Autoren der Studie in einer klaren digitalwirtschaftlichen, eben digitalistischen Diktion dargestellt: "Wichtig ist es darüber hinaus, die Potenziale der Digitalisierung in einem nächsten Schritt zu nutzen. So ergeben sich bei einer mit hohen Fixkosten verbundenen Entwicklung von digitalen interaktiven Lerntools oder Lernplattformen gewaltige Potenziale der Skalierung, da die Grenzkosten der Einbeziehung eines weiteren Nutzers nahe Null sind." Schließlich gelte es, sechstens, die Kultur dauerhaft im Sinne gelebter und geübter Digitalität zu ändern. 


Die Bertelsmann Stiftung


"Der politische Wille ist erfreulich ... Die Umsetzung ist allerdings mangelhaft, denn Länderproporz schlägt einmal mehr Bedürftigkeit", rügt Jörg Dräger (10) in einem Gastbeitrag zum zwd-Politikmagazin, wiedergegeben auf der Projektseite "Digitalisierung der Bildung" der Bertelsmann Stiftung. Dräger, einst Senator für Wissenschaft und Forschung sowie zeitweise auch Senator für Gesundheit und Verbraucherschutz der Freien und Hansestadt Hamburg, ist Mitglied des Vorstands der Bertelsmann Stiftung sowie Geschäftsführer des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE), an dem die Bertelsmann Stiftung laut dem im Bundesanzeiger geführten Unternehmensregister 90 Prozent der Anteile hält. 


Laut Wikipedia (11) lässt sich summarisch über die Bertelsmann Stiftung festhalten: Die Bertelsmann Stiftung ist eine selbständige Stiftung des privaten Rechts mit Sitz in Gütersloh, hält seit 1993 die Mehrheit der Anteile des Bertelsmannkonzerns, untersteht der Aufsicht durch die Bezirksregierung Detmold und verfolgt ausschließlich und unmittelbar steuerbegünstigte Zwecke im Sinne der Abgabenordnung. Derzeit ist der Vorstand der Bertelsmann Stiftung mit Ralph Heck (Vorsitzender), Liz Mohn (stellvertretende Vorsitzende), Brigitte Mohn und Jörg Dräger besetzt. 


Seit ihrer Gründung 1977 hat die Bertelsmann Stiftung mehr als 1,5 Milliarden Euro für gemeinnützige Arbeit zur Verfügung gestellt. Im Geschäftsjahr 2019 beliefen sich die Ausgaben auf rund 90,5 Millionen Euro. Die Bertelsmann Stiftung arbeitet rein operativ und vergibt keine Stipendien. Sie investiert ihre Mittel in Projekte, die sie selbst initiiert, konzipiert und umsetzt. Beispielsweise erstellt die Bertelsmann Stiftung Studien und Rankings, organisiert Modellprojekte, vermittelt Wissen und Kompetenzen, veranstaltet Kongresse und vergibt Preise. Wichtige Arbeitsfelder sind die Bereiche Bildung, Demokratie, Europa, Gesundheit, Werte und Wirtschaft, sowie Megatrends wie beispielsweise der demografische Wandel. Aufmerksamkeit erregte die Gründung des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE GmbH) durch die Bertelsmann Stiftung und die Stiftung zur Förderung der Hochschulrektorenkonferenz im Jahr 1994. Die Einrichtung versteht sich als „Reformwerkstatt“ für das deutsche Hochschulwesen. Die Bertelsmann Stiftung ist parteipolitisch neutral. Sie arbeitet regional, national und international. Auch digitales Lernen ist bis heute ein wichtiges Thema, da es als Lösung für verschiedene strukturelle Probleme im Bildungsbereich angesehen wird. Einen Überblick bietet ein gemeinsam mit dem CHE betriebenes Blog "Digitalisierung der Bildung", auf dem die Bertelsmann Stiftung die Aktivitäten von der Schule bis hin zum Lebenslangen Lernen bündelt. (12)


Im Jahr 2017, längst vor der Corona-Krise, beklagte der Verband der Bildungsmedien (VBM) (13), an dem alle in Deutschland einschlägigen Schulbuchverlage beteiligt sind, den Mangel einer konkreten, bedarfsgerechten Umsetzung der digitalen Bildung und bezog sich dabei auf dem im selben Jahr von der Bertelsmann Stiftung veröffentlichten "Forderungskatalog für ein digitales Deutschland". (14) Diese Forderungen richten sich nach außen - an eine interessierte Öffentlichkeit, die Zivilgesellschaft, Politik und Ministerialbürokratie. Zugleich fügen sie sich ein in die strategischen Planungen des Bertelsmann-Konzerns sowie in die Interessenkonstellationen der Digitalwirtschaft insgesamt. So verkündete 2015 Bertelsmann-Vorstand Thomas Rabe gegenüber der Wochenzeitung Freitag: "Wir wollen den Bildungsbereich zu einer tragenden Säule des 'neuen Bertelsmann' entwickeln." (15) Seitdem hat die Bertelsmann Stiftung ihre konkreten Forderungen vermittelt über weitere Projekte, vielerlei Projektpartnerschaften sowie Publikationen an Politik und Öffentlichkeit adressiert. 


Der gemeinsam mit dem Projektpartner mmb-Institut - Gesellschaft für Medien- und Kompetenzforschung entwickelte "Monitor Digitale Bildung" (16) soll der Bertelsmann Stiftung die "empirische Datenbasis über alle Bereiche des digitalen Lernens hinweg" liefern, von der Primarstufe, über die berufliche Bildung bis hin zu den Hochschulen. (17) Expertisen des unabhängigen und privaten mmb-Instituts werden beauftragt von öffentlichen Institutionen wie Ministerien, die NRW-Staatskanzlei, Kommunen oder Bundesinstitute, Verbände, Vereine und Stiftungen, darunter auch die Bertelsmann Stiftung und das CHE, Bildungseinrichtungen und Akademien sowie privatwirtschaftliche Unternehmen. Diese Projektpartnerschaft hält bereits über einen längeren Zeitraum: bereits 2014 beauftragte die Bertelsmann Stiftung mmb mit der Studie "Digitales Lernen adaptiv. Technische und didaktische Potenziale für die Weiterbildung der Zukunft". Als Mitherausgeberin tritt die Bertelsmann Stiftung zudem bei den jährlichen Lagebildern zur digitalen Gesellschaft, dem "Digital-Index" der Initiative D21, in Erscheinung, wo denn auch im aktuellen Bericht 2020 die versäumte Digitalisierung des Schulbetriebs beklagt wird. (18)


Leitkonferenz ist das "Forum Bildung Digitalisierung" mit seinen Jahrestreffen. Dabei handelt es sich um eine Initiative der Bertelsmann Stiftung, an der zudem mit der Deutsche Telekom Stiftung, Dieter Schwarz Stiftung, Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft, Robert Bosch Stiftung, Siemens Stiftung, Stiftung Mercator und Joachim Herz Stiftung sieben weitere philanthropische Akteure beteiligt sind. Das Forum tritt zugleich als eingetragener Verein mit ca. 40 Mitgliedsschulen bundesweit in Erscheinung. Der auf den Seiten des Forums vorzufindende Appell lässt an Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig: "Lasst uns Lehrkräfte durch eigene Kooperation, Risikobereitschaft, offene Fehlerkultur und Eigenverantwortung ein Vorbild sein in dieser Zeit, probieren wir Neues aus und vertrauen wir unseren Schülerinnen und Schülern! Dann sehen wir am Ende möglicherweise auf diese Zeit und die flächendeckenden Schulschließungen als eine Zeit des digitalen Wandels und der pragmatischen Innovation zurück." (19)


Während über Forderungskataloge und Projektpartnerschaften mit Bildungsinstituten politisch-administrative Entscheider beeinflusst werden sollen, geht die Bertelsmann Stiftung z.B. mit dem "Forum Bildung Digitalisierung" den Weg gleichsam "von unten" an und versucht, zivilgesellschaftliche Akteure, Einzelschulen sowie Lehrerinnen und Lehrer einzubinden. Dies erscheint vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen in der Corona-Krise viel versprechend, sind eben doch individuelle Bildungseinrichtungen von möglichen Schließungen konkret betroffen, muss doch an jeder einzelnen Schule ausgelotet werden, inwieweit Fern- und Hybridunterricht technisch und organisatorisch ermöglicht werden können. Auch nach den Erfahrungen des ersten, "harten" Lockdowns dürfte auch jetzt, im November 2020 gelten: Probleme und Unsicherheiten mit dem Thema Digitalisierung bestehen auch gegenwärtig an den Schulen weiter!


Die Bildung zivilgesellschaftlicher Netzwerke erscheint insbesondere vor dem Hintergrund der föderalen Struktur des bundesdeutschen Bildungssektors ein nachhaltiger strategischer Ansatz zu sein, denn es bedarf eines langen Atems. Die Bertelsmann Stiftung ist sich vollkommen darüber im Klaren, dass ein Top-Down-Ansatz allein nicht ausreichen wird, in jedem Bundesland aufs Neue Ministerien zu überzeugen und Ansätze wie eben jene zur Digitalisierung der Bildung jeweils immer wieder neu zu verhandeln. Mit dem aus den USA übernommenen Bildungsprogramm Teach First hat sich die Bertelsmann Stiftung "auf den Weg gemacht und erobert Bundesland für Bundesland". (20) Der Ansatz ist so einfach wie pragmatisch: "Das Programm schickt gut ausgebildete Uni-Absolventen an sogenannte Brennpunktschulen. Dort unterstützen sie die Lehrer im Unterricht, fördern individuell am Nachmittag, holen spannende Projekte an die Schulen." Wer sich einmal für Teach First Deutschland eingesetzt hat, erhält die Möglichkeit, sich in einem "Alumni-Netzwerk" für bessere Bildungschancen stark zu machen. Am Rande sei erwähnt, dass mit Elke Büdenbender die Frau des amtierenden Bundespräsidenten als "Schirmherrin" gewonnen werden konnte. Das deutsche Programm ist gleichzeitig Bestandteil des globalen Netzwerks "Teach For All" mit weltweit über 50 Länderorganisationen.


Digitalismus


Welche gesellschaftlichen Folgen lassen sich aus dieser Aufstellung ableiten? Zunächst einmal ist es wichtig festzuhalten, dass nicht allein der Bertelsmann Konzern und die Bertelsmann Stiftung bestrebt sind, Digitalisierungsprozesse im Bildungsbereich voranzutreiben. Als ein weiteres Beispiel wären etwa die Deutsche Telekom oder Vodafone anzufügen. Die Deutsche Telekom Stiftung und die Vodafone Stiftung beteiligen sich wie andere Konzerne und Plattformen der Digitalwirtschaft auch, Google und Facebook etwa, an diversen Foren, Konferenzen und Initiativen. Ich habe den Fokus deshalb auf Bertelsmann und die Bertelsmann Stiftung gerichtet, weil das Gütersloher Unternehmen seit langem bereits mit besonderer Ausdauer, Weitsicht und durch erheblichen Kapitaleinsatz sowohl gemeinnützige als auch kommerzielle Interessen verfolgt. Konzern (etwa über die Zeitschriftensparte Gruner + Jahr, die Fernsehkanäle der RTL Group wie RTL, Vox und n-tv) und Stiftung (Einbindung in vielfältige Netzwerke politisch-administrativer Entscheider und der Zivilgesellschaft, Publikation von Expertisen und wissenschaftlichen Studien und Empfehlungen) verfügen über ein beachtliches Potential der Beeinflussung der öffentlichen Meinung, was in dieser Konstellation in der Bundesrepublik seines Gleichen sucht. Es ist der sprichwörtliche lange Atem des Medienriesen, sich seit jeher in zuweilen mühevoller und zäher Detailarbeit dem Gebiet der digitalen Bildung gewidmet zu haben, der jetzt angesichts der aus der Corona-Krise abgeleiteten Notwendigkeiten heraus beginnt, sich für den Konzern sowie die Digitalwirtschaft insgesamt bezahlt zu machen. Eines ist gewiss nicht zu erwarten: ein Lockerlassen dieser Bemühungen nämlich!


Wohin die Entwicklung steuern könnte, ist zu erahnen, wenn man ein Interview liest, das die F.A.Z. mit dem Lehrer Gottfried Böhme (21) geführt hat. Böhme zitiert dort eine Forderung des Bertelsmann Stiftungsvorstands Jörg Dräger. Dieser propagiere in seinem Buch "Die digitale Bildungsrevolution" eine "School of one", "in der Lernprogramme auf den einzelnen Schüler zugeschnitten werden, was den Klassenverband zerstört." Das Poröswerden der Institution Schulklasse ist nun tatsächlich vor dem Hintergrund der Corona-Krise ein beobachtbares Phänomen. Julia Reda (22) berichtet von Überlegungen der Deutschen Telekom, einen speziellen niedrigen, von den Schulträgern zu übernehmenden Bildungstarif vorzusehen, um Schülern aus finanzarmen Haushalten die Teilnahme am Fernunterricht zu ermöglichen. Dabei soll der Zugang auf eine Handvoll vom Schulträger vorkonfigurierter Lernangebote limitiert sein. Reda befürchtet die Heraufkunft eines "Zwei-Klassen-Internets", sozusagen eines optional begrenzten Bildungs-Intranets für die weniger Begüterten. Ähnlich wie dies für den Nachhilfeunterricht in der Vergangenheit galt könnte sich künftig ein neuer Markt für entsprechend exklusive Online-Tools und -Plattformen entwickeln, der letztlich das Habenwollen von mehr und besserer Digitalbildung über das Medium Geld regelt. Sowohl Lehrer Böhme als auch Netzaktivistin Reda haben zudem erhebliche Datenschutzbedenken was Schulclouds (im F.A.Z.-Interview wird jene der Hasso-Plattner-Stiftung erwähnt) und Sonder-Bildungstarife angeht. So fasst Reda für das geplante Telekom-Angebot ihre Bedenken so zusammen: "Gerade bei Kindern und Jugendlichen ist der Datenschutz besonders wichtig, es ist also unvorstellbar, dass die Telekom mittels Deep Packet Inspection deren Surfverhalten überwachen können soll, nur um sicherzustellen, dass sie ausschließlich Bildungsangebote aufsuchen. Auch wenn ein Schulträger die Telekom anweist, welche Inhalte gesperrt und welche durchgeleitet werden sollen, wäre eine solche Überwachung des Datenverkehrs durch die Telekom ohne explizite Gesetzesgrundlage europarechtswidrig."


Wie die digitale Bildungslandschaft in zehn Jahren aussehen wird, lässt sich natürlich nicht sagen. Erste Konturen des Digitalismus jedenfalls sind bereits heute erkennbar!


(P.S. Mit dem Kauf der Verlagsgruppe Simon&Schuster verkauft Bertelsmann jetzt in den USA jedes dritte Buch!) (23)




  1. https://www.bertelsmann.de/bereiche/bertelsmann-education-group/#st-1, entnommen am: 16.11.2020, 13:18 Uhr MEZ

  2. https://www.huffpost.com/highline/article/capitalist-takeover-college/?guccounter=1&guce_referrer=aHR0cHM6Ly93d3cuZ29vZ2xlLmNvbS8&guce_referrer_sig=AQAAAKQRjN1dpVPoOKZuwxJx8cXASV2tnT-52knPa1MeaRQjtliZt0uF6m043KBmFTIkkmgbldqOZOl49VA7fOrgpIhiBekO5HyEhC1uHLiNvlLdojzYIzgmUS8OXKLh3pVauXOqXIEy6qJqLXqnvOV2KJDEPuItO9dsF-qpYtI2kQrg, entnommen am: 16.11.2020, 13:51 MEZ

  3. Insa Sjurts, "Think global, act local - Internationalisierungsstrategien deutscher Medienkonzerne", in: APuZ B 12-13/2004, S. 22-29 (S. 22)

  4. https://www.wb-web.de/aktuelles/die-digitale-bildungswirtschaft-in-zeiten-von-corona-profiteur-oder-opfer.html, entnommen am: 17.11.2020, 14:06 MEZ

  5. https://www.deutschlandfunk.de/schule-in-coronazeiten-fuer-den-hybriden-unterricht-ist.694.de.html?dram:article_id=487458, entnommen am: 17.11.2020, 18:01 MEZ10:29 MEZ

  6. https://www.bmbf.de/de/karliczek-mahnt-laender-zur-umsetzung-der-corona-schulkonzepte-12308.html, entnommen am: 18.11.2020, 10:39 MEZ

  7. https://www.stol.it/artikel/kultur/eu-kommission-will-digitale-bildung-nach-corona-krise-anschieben, entnommen am: 18.11.2020, 10:44 MEZ

  8. https://www.deutschlandfunk.de/digitaler-unterricht-in-der-coronakrise-bildungsexpertin.694.de.html?dram:article_id=487699, entnommen am: 18.11.2020, 12:06 MEZ

  9. Christina Anger & Axel Plünnecke: "INSM-Bildungsmonitor 2020. Schulische Bildung in Zeiten der Corona-Krise (Studie des Instituts für deutsche Wirtschaft Köln im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft)", PDF (Köln, 14.08.2020), S. 118-120

  10. https://www.digitalisierung-bildung.de/2020/10/26/chancengerechtigkeit-statt-foederaler-verteilungskaempfe/, entnommen am: 17.11.2020, 15:11 MEZ

  11. https://de.m.wikipedia.org/wiki/Bertelsmann_Stiftung, entnommen am: 17.11.2020, 15:37 MEZ

  12. https://www.digitalisierung-bildung.de/, entnommen am: 18.11.2020, 13:33 MEZ

  13. https://bildungsklick.de/schule/detail/professionelle-bildungsmedien-fuer-die-digitale-welt, entnommen am: 18.11.2020, 11:09 MEZ

  14. Bertelsmann Stiftung (Kirstin Witte & Carsten Große Starmann): "Smart Country - Vernetzt. Intelligent. Digital. Forderungskatalog für ein digitales Deutschland", PDF (Gütersloh, 2017)

  15. https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/vorsicht-stiftung, entnommen am: 18.11.2020, 11:39 MEZ

  16. https://www.mmb-institut.de/aktuelles/neuer-monitor-zur-digitalisierung-in-der-weiterbildung/, entnommen am: 18.11.2020, 13:03 MEZ

  17. https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/unsere-projekte/teilhabe-in-einer-digitalisierten-welt/projektthemen/projektthemen-monitor/, entnommen am: 18.11.2020, 12:25 MEZ

  18. https://initiatived21.de/bildung-in-zeiten-von-corona-zwischen-videokonferenz-und-brief/, entnommen am: 18.11.2020, 13:19 MEZ

  19. https://www.forumbd.de/blog/die-corona-krise-eine-chance-fuer-zeitgemaesses-lernen/, entnommen am: 18.11.2020, 13:05 MEZ

  20. https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/mediathek/medien/mid/teachfirst-ein-amerikanisches-bildungsprogramm-fuer-deutschland, entnommen am: 18.11.2020, 14:15 MEZ

  21. https://m.faz.net/aktuell/karriere-hochschule/klassenzimmer/corona-und-bildungsoffensive-diese-digitalisierung-macht-den-unterricht-nicht-besser-16924879.html, entnommen am: 18.11.2020, 15:18 MEZ

  22. https://www.heise.de/newsticker/meldung/Edit-Policy-Mit-dem-Bildungstarif-in-die-digitale-Zwei-Klassen-Gesellschaft-4882169.html?seite=all, entnommen am: 18.11.2020, 15:31 MEZ

  23. https://amp-n--tv-de.cdn.ampproject.org/v/s/amp.n-tv.de/wirtschaft/Bertelsmann-kauft-US-Verlagsgruppe-article22192993.html?amp_js_v=a6&amp_gsa=1&usqp=mq331AQFKAGwASA%3D#aoh=16063203882046&csi=1&referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com&amp_tf=Von%20%251%24s&ampshare=https%3A%2F%2Fwww.n-tv.de%2Fwirtschaft%2FBertelsmann-kauft-US-Verlagsgruppe-article22192993.html, entnommen am: 25.11.2020, 18:08 MEZ





Mein Blog befasst sich in einem umfassenden Sinn mit dem Verhältnis von Wissen, Wissenschaft und Gesellschaft. Ein besonderes Augenmerk richte ich dabei auf die Aktivitäten des Medien- und Dienstleistungskonzern Bertelsmann und der Bertelsmann Stiftung.

Montag, 1. Juni 2020

Steffen Roski: Corona crisis and peer support work



This paper owes a lot to the weekly video conferences of UPSIDES peer support workers from Hamburg during the Corona crisis, which Rebecca Nixdorf initiated. I would like to expressly thank her for that!


The Corona crisis makes something fundamental clear: what individual life crises and risks represent for peer support workers and the people they accompany has collectivized and socialized in the shadow of the pandemic. Those affected know very well what terms such as stigma, exclusion, trauma, irritation, isolation, fear, depression or exclusion mean, because they have already perceived and experienced these conditions in their own everyday life, regardless of the pandemic. Just four months ago, it was unimaginable that society as a whole, whose self-image was expressed in the triad of growth, success and increasing options, could suddenly find itself in a fundamental crisis of this magnitude.


For me, recovery and empowerment are the core concepts from which I would like to view this fundamental crisis from the perspective of peer support. Recovery and empowerment are interdependent, recovery always includes empowerment, and the same applies: empowerment strengthens recovery. As I understand it, peer support work means: dealing with one's own life crisis in a way that is ready to learn and using this process of self-reflection to develop potential and capacities in order to be able to empower people who are in acute life crises. Anyone who has ever had a depressive episode - and I know what I'm talking about! - may have experienced the Corona crisis in perhaps two ways, an alternating mix of the two being possible.


First, it is obvious to assume that existing life crises will deepen. Restrictions on contacts and closed or only partially open psycho-social meeting places further thin out the already limited possibilities of social interaction. Cinemas, theaters, museums and public libraries are only slowly starting to reopen, but for example the opportunity to watch a film will only be granted to the few who can secure a ticket from the then very limited contingents. Anyone who does not want to move about in public space as a matter of course will have to overcome even more hurdles in order to enable a minimum level of social participation. The pandemic restrictions of everyday life reinforce the tendency to withdraw, which consequently means isolation - with the few exceptions to essential purchases and other errands. In extreme cases, this state of poor contact and loneliness can be life-threatening: no important doctor visits, the dependence on material and non-material addictive substances (alcohol, drugs, medication, social media, online gambling, etc.) increases, domestic violence, suicidal and self-destructive thoughts are circling in the head.


There is - secondly - a completely different experience of the Corona crisis. When I think about myself, I come to the following interim conclusion: Yes, I do miss some things from the pre-Corona period: simply going to a café, visiting cultural events, being able to meet people spontaneously - all of those things that I would seldom have given my thoughts to before the pandemic. But I was also able to see positive sides of the pandemic and come to terms with myself. In fact, social contacts have diminished, but I experience them all the more intensely when they come about. I inform myself thoroughly, read a lot, listen to music, give a lot of myself to people I love and at the same time receive at least as much good from them. This also includes the weekly video conferences with colleagues from UPSIDES, which I am always looking forward to. I would like to generalize the following context as a hypothesis: Precisely because people with crisis experiences prior to the pandemic must have painfully learned to somehow manage to cope with themselves and their life history, to value their individual potentials and not to raise efficiency and success as the sole maxim, it could be that from crisis experience something like a crisis resilience emerge. The requirement to keep your distance physically has not only negative sides: Sophrosyne in pandemic times.


I often read the request:》 Let us see the crisis as an opportunity!《It seems important to me to be precise here. The Corona crisis may actually offer opportunities for each and every one of us and for society as a whole. Still, I have to warn against such imperatives from the perspective of peer support. They can be overwhelming. Crisis-experienced people know very well how stressful it is to be accused of not having done one's own life what corresponds to conventional societal norms. An example: On Facebook, a good friend expressed her pride at having used the Corona time to clean up the apartment. I think that's good and I also wrote to her that I am delighted. At the same time, I know all too well about myself and my own intrinsic psychological intertwining, but also about people whom I accompany on their life paths, how difficult it is to implement what is apparently banal and necessary. My apartment is clearly different from that of my Facebook friend! Of course, I know too well that I will hardly be able to avoid cleaning up. At the same time, however, I am just as aware that it is harmful for me to want to force it. If someone advised me to see the crisis as an opportunity and to clean up the apartment during the lockdown, this would probably block me. The corona crisis may offer many individual small opportunities, but against the background of each individual experience, it is important to think carefully about which of these opportunities should be seized at what time and in what way!


The motive of the crisis as an opportunity brings me to another key concept of peer support work, namely empowerment. Just like recovery, empowerment is not so easy to translate into German. What is meant is something like strengths and potentials to be found and felt in the individual as well as in collectivities, to be developed and then used to attain meaningful goals. Empowerment ranges from the very concrete to the visionary and utopian. For me, the meaning of the empowerment concept is to be ready to cross the boundaries of the individual, to organize collectively and to fight for better social inclusion, integration and fair life chances in the political-institutional framework. For me, UPSIDES is one thing above all: an empowerment project!


The pandemic stimulates many considerations about the possible character of a post-coronal society. While some are optimistic about the future, others see the dark. I cannot make any predictions, but I can develop scenarios for empowerment in the light of a new, responsible and risky normalcy against the background of my knowledge. A caveat seems appropriate to me right at the beginning of my explanations. The author of this text is an active peer support worker and at the same time academically socialized. As a sociologist, I am used to operating with distinctions. To make a conceptual distinction does not mean to strictly separate terms and concepts from each other. In terms of rigidity, apparently clean terminological separations cannot be maintained in everyday life, they mix in many different ways and thus produce hybrid color transitions and gradients instead of strong contrasts. But at the same time I want to emphasize the heuristic value of distinctions. Although they cannot simply depict social reality, they nevertheless allow a certain mental structure to be brought into an event like the Corona crisis that appears complex, confusing and difficult to understand and whose endpoint is far from being foreseeable and cannot be described. I therefore expressly do not proclaim any truth, but simply want to make a modest contribution to reflection in these pandemic times.


I understand empowerment as the self-production of individual and collective action. In the face of the pandemic, one thing is particularly clear to me in a frightening way: pure helplessness, to be dependent on decisions over which no influence can be exerted. Shortly before the contact restrictions were imposed, peer support workers met at the Hamburg University Hospital in Eppendorf for UPSIDES training. Many ideas for peer support have been developed and followed up. At the same time, the first tentative contacts to those affected who had decided to take part in the project began. I was in good spirits: something started to move, recovery should become concrete, empowerment processes should be started. Then the incision: the pandemic.


I would like to differentiate between two phases of the Corona crisis. In the first phase, the so-called lockdown phase, the virus represented one thing above all from a sociological point of view: a danger! Social life almost came to a standstill, shocking pictures from Italy or New York City, for example, went through the media. The expertise of virologists and epidemiologists and their institutions formed the framework for political decisions and administrative measures. Time was used to correct the inability to adapt hospitals to unexpected illnesses. The mass media provided extensive information about the virus, the possibility of infection, the diseases that occurred and the expected mortality.


It does not seem presumptuous to me to speak of a sub-policy of the experts that knew how to claim the position of the political. From an empowerment perspective, this sub-political constellation creates a real dilemma: on the one hand, to adopt a rather skeptical attitude towards experts, but in the face of the pandemic, on the other hand to blindly trust them. In this phase, I was primarily concerned with arranging myself with the new circumstances: being careful, perceiving my own feelings, coping with everyday life, maintaining contact with people in my immediate vicinity, informing me, track media coverage - and with all of this: to find enough rest. Since I was mostly at home, I felt relatively protected in the face of the danger, which I could not influence.


A new phase in the corona crisis has only recently begun: The change from phase 1 to phase 2 in combating the pandemic is a change from describing a SARS_CoV_2 disease as a danger to describing the same disease as a risk. The short and medium-term danger of overwhelming the hospitals is averted. Time was used to correct the inability to adapt hospitals to unexpected illnesses. The most visible sign of the replacement of virological sub-politics by normal political decision-making was that the regular press briefings of the Robert Koch Institute, the government’s central scientific institution in the field of biomedicine, were suspended. At the same time, this process of re-normalization, which is now underway, means that, to a certain extent, everyone is now left to make decisions themselves instead of being dependent on decisions by third parties over which there is no influence. An example: The Hamburg UPSIDES peer support workers want to meet again on June 18, 2020 after a long time. Risk assessments have to be made: do you prefer to meet outside in a park? Are masks to be worn? If you do meet indoors: is physical distance guaranteed? Would the room be well ventilated?


When sociologists speak of a risk society, this theoretical description can be experienced very concretely in everyday life in the shadow of the pandemic. What are the prospects for empowerment and peer support in the normality of pandemic society? What was true before the Corona crisis now applies even more to it: scope for empowerment and peer support do not fall from the sky, they have to be fought for! In this context, too, the call to see the crisis as an opportunity proves to be double-faced. Whose life chances were limited before the crisis will now experience social inequality as even more depressing.


An example: even before the pandemic, state benefits in the area of ​​basic security (e.g. unemployment benefits, pensions, etc.) did not meet the minimum requirements, were too low to actually enable social participation. The corona crisis has further exacerbated the social situation of people affected by poverty. The Federal Government has so far rejected legitimate demands to raise these minimum government benefits, at least due to the crisis. The minister responsible for labor and social affairs argues as follows: The demand for an increase in state social benefits had already existed before the pandemic and the Federal Government was not willing to decide a topic that was controversial even before the Corona crisis, in favor of those who bring an old issue on the table again. This argument seems cynical to me. From the perspective of empowerment, I can only say that it is worthwhile right now to argue that long-standing social injustices will be put on the political agenda. Political restrictions have to be overcome: Those affected are entitled to participate and get full social inclusion!


How many times have I had to hear and read the sentence:》 All people and society as a whole are equally affected by the corona crisis.《This statement is only true insofar as the SARS_CoV_2 disease actually affects everyone, regardless of the individual socio-economic status. In the Corona crisis, however, it seems to me that social inequalities that have existed for a long time, like in a magnifying glass, appear to be more pronounced. Social participation and full inclusion - for all these progressive topics and demands you need strong and active voices!


The Corona crisis should be seen as an opportunity. This is a hope and at the same an activating appeal. In conclusion, I would like to formulate a few questions that could be important in view of the upcoming restart and the future of the UPSIDES research project:


  1. What needs to be done to make recovery and empowerment an integral part of professional mental health services for people in life crises?

  2. How can peer support be institutionalized in mental health services without losing the character of peer support work as a critical impulse in existing professional institutions?

  3. What role will social media play for peer support work in the future?

  4. What lessons can be learned from the Corona crisis for peer support work?

  5. How will physical closeness and distance be determined in the future?

  6. What does the Corona crisis mean for social and cultural participation? (Should it turn out that there will be further restrictions in participation: how would you work against it?)


















Steffen Roski: Corona-Krise und Peer Support Work


Dieser Text verdankt sich nicht zuletzt den wöchentlichen Video-Konferenzen der Hamburger UPSIDES Peer Support Worker*innen während der Corona-Krise, die Rebecca Nixdorf initiiert hat. Dafür möchte ich mich ganz ausdrücklich bei ihr bedanken!


Die Corona-Krise macht etwas Grundlegendes deutlich: was für Peer Support Worker*innen und den von ihnen begleiteten Menschen jeweils individuelle Lebenskrisen und -risiken darstellen, hat sich im Schatten der Pandemie kollektiviert und vergesellschaftet. Betroffene wissen sehr genau, was Begriffe wie Stigma, Ausgrenzung, Trauma, Irritation, Isolation, Angst, Depression oder Exklusion bedeuten, weil sie diese Zustände im eigenen Alltag bereits ganz unabhängig von der Pandemie wahrgenommen und erlebt haben. Vor nur vier Monaten noch war nicht vorstellbar gewesen, dass die Gesellschaft insgesamt, deren Selbstverständnis sich in der Trias aus Wachstum, Erfolg und Steigerung von Optionen ausgedrückt hat, so plötzlich in eine fundamentale Krise dieses Ausmaßes geraten könnte. 


Recovery und Empowerment stellen für mich die Kernkonzepte dar, von denen aus ich diese fundamentale Krise aus der Perspektive des Peer Supports betrachten möchte. Recovery und Empowerment bedingen einander, in Recovery steckt immer auch Empowerment, und genauso gilt: Empowerment stärkt Recovery. Peer Support Work bedeutet nach meinem Verständnis dies: die eigene Lebenskrise lernbereit zu bearbeiten und aus diesem Prozess der Selbstreflexion Potenziale und Kapazitäten zu schöpfen, um Menschen, die sich selbst in akuten Lebenskrisen befinden, einfühlsam und kompetent begleiten zu können. Wer jemals depressive Episoden durchlebt hat - und ich weiß selbst wovon die Rede ist! - mag die Corona-Krise auf vielleicht zwei Weisen erlebt haben, wobei eine wechselvolle Mischung beider möglich ist.


Naheliegend ist es erstens, von einer Vertiefung bereits bestehender Lebenskrisen auszugehen. Kontakteinschränkungen und geschlossene oder nur partiell geöffnete psycho-soziale Begegnungsstätten dünnen die ohnehin begrenzten Möglichkeiten sozialer Interaktion weiter aus. Kinos, Theater, Museen und öffentliche Bibliotheken beginnen sich erst langsam wieder zu öffnen, doch wird zum Beispiel die Möglichkeit, einen Film zu schauen, nur den wenigen vergönnt sein, die sich aus den dann stark begrenzten Kontingenten überhaupt ein Ticket sichern können. Wer sich ohnehin nicht mit großer Selbstverständlichkeit im öffentlichen Raum bewegen mag, wird noch mehr Hürden überwinden müssen, um ein Mindestmaß an sozialer Teilhabe ermöglichen zu können. Die pandemiebedingten Restriktionen des Alltagslebens verstärken die Tendenz zum Rückzug, was in der Konsequenz quasi Isolation bedeutet - mit den spärlichen Ausnahmen lebensnotwendiger Einkäufe und sonstiger Besorgungen. Dieser Zustand der Kontaktarmut und Einsamkeit kann im Extremfall lebensbedrohlich sein: wichtige Arztbesuche unterbleiben, die Abhängigkeit von stofflichen und nicht-stofflichen Suchtmitteln (Alkohol, Drogen, Medikamente, soziale Medien, Online-Glücksspiele usw.) vergrößert sich, häusliche Gewalt nimmt zu, suizidale und selbstzerstörerische Gedanken kreisen im Kopf herum.


Daneben gibt gibt es - zweitens - ein ganz anderes Erleben der Corona-Krise. Wenn ich über mich selbst nachdenke, komme ich zu folgendem Zwischenfazit: Ja, ich vermisse sehr wohl einiges aus der Prä-Corona-Zeit: mich einfach in ein Café zu begeben, Kulturveranstaltungen zu besuchen, Menschen spontan treffen zu können - also all jene Selbstverständlichkeiten des Alltags, über die ich vor der Pandemie nur selten einen Gedanken verschwendet hätte. Doch konnte ich der Pandemie auch positive Seiten abgewinnen und mich mit mir selbst arrangieren. Tatsächlich haben sich soziale Kontakte reduziert, doch erlebe ich sie, wenn sie zustande kommen, umso intensiver. Ich informiere mich gründlich, lese viel, höre Musik, gebe Menschen, die ich liebe, viel von mir und empfange gleichzeitig mindestens genauso viel Gutes von ihnen. Dazu gehören auch die wöchentlichen Video-Konferenzen mit den Kolleg*innen von UPSIDES, auf die ich mich immer wieder aufs Neue freue. Ich möchte folgenden Zusammenhang als Hypothese verallgemeinern: Gerade weil Menschen mit Krisenerfahrungen vor der Pandemie schmerzvoll haben lernen müssen, mit sich und ihrer Lebensgeschichte irgendwie klarzukommen, die je individuellen Potenziale wertzuschätzen, Effizienz und Erfolg nicht zur alleinigen Maxime zu erheben, könnte es sein, dass aus Krisenerfahrung so etwas wie eine Krisenresilienz erfolgen konnte. Das Gebot, physisch Abstand zu halten, hat eben nicht nur negative Seiten: Sophrosyne in pandemischer Zeit.


Oft lese ich die Aufforderung: 》Lasst uns die Krise als Chance begreifen!《Mir erscheint es wichtig, hier präzise zu sein. Die Corona-Krise mag tatsächlich für jede/n einzelne/n von uns und für die Gesellschaft insgesamt Chancen bieten. Dennoch muss ich aus der Perspektive des Peer Supports vor solchen Imperativen warnen. Sie können erdrückend sein. Krisenerfahrene Menschen wissen sehr genau, wie belastend es ist, dem Vorwurf ausgesetzt zu werden, aus dem eigenen Leben nicht das gemacht zu haben, was den konventionellen gesellschaftlichen Normvorstellungen entspricht. Ein Beispiel: Auf Facebook gab eine gute Bekannte ihren Stolz darüber zum Ausdruck, die Corona-Zeit zum Aufräumen der Wohnung genutzt zu haben. Ich finde das gut und habe ihr auch geschrieben, dass ich darüber erfreut bin. Gleichzeitig weiß ich nur allzu gut von mir selbst und meinen eigenen innerpsychischen Verschlingungen, aber auch von Menschen, die ich wiederum auf ihren Lebenswegen begleite, wie schwer umzusetzen das scheinbar Banale und Notwendige ist. Meine Wohnung unterscheidet sich wohl augenfällig von jener der Facebook-Freundin! Natürlich weiß ich zu genau, dass ich an Aufräumarbeiten kaum vorbeikommen werde. Gleichzeitig ist mir jedoch genauso bewusst, dass es für mich schädlich ist, dies erzwingen zu wollen. Würde mir jemand raten, die Krise doch als Chance begreifen  und im Lockdown die Wohnung aufräumen zu sollen, würde mich dies wohl blockieren. Die Corona-Krise mag vielerlei einzelne kleine Chancen bieten, doch gilt es vor dem Hintergrund der je individuellen Erfahrungen genau zu überlegen, welche dieser Chancen zu welchem Zeitpunkt, auf welche Weise zu ergreifen wären!  


Das Motiv der Krise als Chance bringt mich zu einem weiteren zentralen Konzept des Peer Support Work, nämlich dem Empowerment. Genauso wie Recovery ist auch Empowerment nicht so einfach ins Deutsche zu übersetzen. Gemeint ist so etwas wie Kräfte und Potenziale sowohl im Individuum als auch in Kollektiven zu finden und zu erspüren, zu entwickeln und diese dann für das Erreichen sinnvoller Ziele einzusetzen. Die Bandbreite von Empowerment reicht dabei vom ganz Konkreten bis hin zum Visionären und Utopischen. Für mich liegt im Empowerment-Konzept die Bedeutung darin, dazu bereit zu sein, die Grenzen des je Individuellen zu überschreiten, sich kollektiv zu organisieren und auch im politisch-instutionellen Rahmen für bessere soziale Inklusion, für Integration und gerechte Lebenschancen zu kämpfen. UPSIDES ist für mich vor allem eines: ein Empowerment-Projekt!


Die Pandemie regt zu vielerlei Überlegungen über den möglichen Charakter einer post-coronalen Gesellschaft an. Während die einen optimistisch in die Zukunft blicken, sehen andere schwarz. Ich kann keine Prognosen treffen, wohl aber vor dem Hintergrund meines Wissens Szenarien für Empowerment im Zeichen einer neuen, verantworteten und riskanten Normalität entwickeln. Ein Caveat scheint mir gleich zu Beginn meiner Ausführungen angebracht. Der Verfasser dieses Textes ist aktiver Peer Support Worker und zugleich auch akademisch sozialisiert. Als Soziologe bin ich es gewohnt, mit Unterscheidungen zu operieren. Eine begriffliche und konzeptionelle Unterscheidung zu machen, bedeutet nun nicht auch gleichzeitig, Begriffe und Konzepte voneinander streng zu scheiden. Gedanklich scheinbar saubere terminologische Trennungen lassen sich in der Alltagswelt in ihrer Rigidität nicht halten, durchmischen sich auf vielfache Weise und erzeugen damit statt starker Kontraste hybride farbliche Übergänge und Verläufe. Doch möchte ich zugleich den heuristischen Wert von Unterscheidungen betonen. Obwohl sie die soziale Wirklichkeit nicht einfach abbilden können, erlauben sie doch, eine gewisse gedankliche Struktur in ein Geschehen wie die Corona-Krise zu bringen, das komplex, unübersichtlich und nur schwer verständlich erscheint und dessen Endpunkt längst nicht abzusehen und zu beschreiben ist. Ich beanspruche deshalb ausdrücklich nicht, irgendwelche Wahrheiten zu verkünden, sondern möchte einfach einen bescheidenen Beitrag zur Reflexion in diesen pandemischen Zeiten leisten.


Ich verstehe unter Empowerment die Selbstproduktion individuellen und kollektiven Handelns. Im Angesicht der Pandemie wird auf für mich erschreckende Weise zunächst einmal vor allem eines deutlich: reine Ohnmacht und Hilflosigkeit, von Entscheidungen abhängig zu sein, auf die kein Einfluss auszuüben ist. Noch kurz bevor die Kontaktbeschränkungen verordnet wurden, fanden sich Peer Support Worker*innen am Hamburger Universitätsklinikum in Eppendorf zu einem UPSIDES-Training zusammen. Es wurden vielerlei Ideen zum Peer Support entwickelt und weiterverfolgt. Parallel dazu begannen die ersten zaghaften Kontaktaufnahmen zu Betroffenen, die sich für eine Teilnahme am Projekt entschieden hatten. Ich war guter Dinge: es begann sich etwas zu bewegen, Recovery sollte konkret, Empowerment-Prozesse in Gang gesetzt werden. Dann der Einschnitt: die Pandemie. 


Ich möchte zwei Phasen der Corona-Krise unterscheiden. In der ersten, der sogenannten Lockdown-Phase, stellte das Virus, soziologisch betrachtet, vor allem eines dar: eine Gefahr! Das soziale Leben kam nahezu zum Stillstand, schockierende Bilder aus Italien oder New York City beispielsweise gingen durch die Medien. Die Expertisen der Virologen und Epidemiologen und deren Einrichtungen bildeten den Rahmen für politische Entscheidungen und administrative Maßnahmen. Man nutzte die Zeit, um die mangelnde Fähigkeit der Anpassung der Krankenhäuser an unerwartete Krankheitslagen zu korrigieren. Die Massenmedien informierten umfassend über das Virus, die Möglichkeit einer Ansteckung, die auftretenden Krankheiten und die erwartete Sterblichkeit. 


Es erscheint mir nicht vermessen, von einer Subpolitik der Experten zu sprechen, die die Position des Politischen für sich zu beanspruchen wusste. Aus der Empowerment-Perspektive ergibt sich aus dieser subpolitischen Konstellation ein echtes Dilemma: nämlich auf der einen Seite Experten gegenüber eine eher skeptische Einstellung einzunehmen, ihnen im Angesicht der Pandemie auf der anderen Seite aber sozusagen blind vertrauen zu müssen. Ich war in dieser Phase vor allem damit beschäftigt, mich selbst mit den neuen Verhältnissen zu arrangieren: achtsam zu sein, eigene Gefühle wahrzunehmen, im Alltag klarzukommen, den Kontakt zu Menschen im eigenen Nahumfeld zu pflegen, mich zu informieren, die Berichterstattung in den Medien zu verfolgen - und bei all dem: ausreichend Ruhe zu finden. Da ich mich vorwiegend zu Hause aufhielt, fühlte ich mich im Angesicht der Gefahr, die ich nicht zu beeinflussen vermochte, relativ geschützt. 


Eine neue Phase in der Corona-Krise hat erst kürzlich begonnen: Der Wechsel von Phase 1 zu Phase 2 in der Bekämpfung der Pandemie ist ein Wechsel von der Beschreibung einer SARS_CoV_2-Erkrankung als Gefahr zur Beschreibung derselben Erkrankung als Risiko. Die kurz- und mittelfristige Gefahr einer Überforderung der Krankenhäuser ist gebannt. Man nutzte die Zeit, um die mangelnde Fähigkeit der Anpassung der Krankenhäuser an unerwartete Krankheitslagen zu korrigieren. Das für mich sichtbarste Zeichen der Ablösung der virologischen Subpolitik durch normales politisches Entscheiden bestand darin, dass die regelmäßigen Presse-Briefings des Robert-Koch-Instituts suspendiert wurden. Zugleich bedeutet dieser jetzt in Gang gesetzte Prozess der Re-Normalisierung, dass nun bis zu einem gewissen Grad jeder/jedem Einzelnen überlassen wird, Entscheidungen selbst zu treffen, anstatt sich von Entscheidungen Dritter, auf die kein Einfluss besteht, abhängig zu machen. Ein Beispiel: Die Hamburger UPSIDES-Peer-Support-Worker*innen wollen sich nach längerer Zeit am 18. Juni 2020 wieder persönlich treffen. Risikoabwägungen sind vorzunehmen: trifft man sich lieber draußen in einem Park? Sind Masken zu tragen? Falls man sich doch indoor trifft: ist physische Distanz gewährleistet? Wäre die Räumlichkeit gut durchlüftet? 


Wenn Soziolog*innen von einer Risikogesellschaft sprechen, wird im Schatten der Pandemie diese theoretische Beschreibung in der Alltagswelt sehr konkret erlebbar. Welche Perspektiven ergeben sich für Empowerment und Peer Support in der Normalität der pandemischen Gesellschaft? Was vor der Corona-Krise galt, gilt jetzt erst recht auch in ihr: Handlungsspielräume für Empowerment und Peer Support fallen nicht vom Himmel, sie müssen erkämpft werden! Auch in diesem Zusammenhang erweist sich die Aufforderung, die Krise als Chance begreifen zu sollen, als doppelgesichtig. Wessen Lebenschancen schon vor der Krise eingeschränkt waren, wird soziale Ungleichheit jetzt als noch bedrückender erleben. 


Ein Beispiel: staatliche Leistungen im Bereich der Grundsicherung (z.B. Arbeitslosengeld II, niedrige Renten usw.) deckten auch vor der Pandemie nicht den Mindestbedarf, waren zu niedrig bemessen, um soziale Teilhabe tatsächlich zu ermöglichen. Die Corona-Krise hat die soziale Lage der von Armut betroffenen Menschen weiter verschärft. Berechtigte Forderungen danach, diese staatlichen Mindestleistungen zumindest krisenbedingt anzuheben, wurden bislang von der Bundesregierung abgelehnt. Der zuständige Arbeits- und Sozialminister argumentiert dabei wie folgt: die Forderung nach Anhebung staatlicher Sozialleistungen habe ja auch vor der Pandemie bereits bestanden und die Bundesregierung sei nicht gewillt, ein auch vor der Pandemie umstrittenes Thema im Sinne derer zu entscheiden, die diese alte politische Streitfrage jetzt mit der Begründung der Corona-Krise aufs Neue vorlegen. Mir erscheint diese Argumentation zynisch. Aus der Perspektive von Empowerment sage ich dagegen: es lohnt sich gerade jetzt in der Corona-Krise dafür zu streiten, dass längst bestehende soziale Ungerechtigkeiten auf die politische Agenda kommen, überwunden werden und damit endlich den Betroffenen das ihnen zustehende Niveau an sozialer Teilhabe und Inklusion zukommt. 


Wie oft habe ich den Satz hören und lesen müssen: 》Von der Corona-Krise sind alle Menschen, ist die Gesellschaft insgesamt, gleichermaßen betroffen.《Diese Aussage stimmt nur insofern, als die SARS_CoV_2-Erkrankung tatsächlich jede/n, ganz unabhängig vom individuellen sozio-ökonomischen Status, treffen kann. In der Corona-Krise jedoch scheinen mir bereits längst bestehende soziale Ungleichheiten wie in einem Brennglas schärfer hervorzutreten. Partizipation, soziale Teilhabe, Inklusion - für all diese progressiven Themen und Forderungen braucht es meinungsstarke und aktive Vertreter*innen! 


Die Forderung, die Corona-Krise als Chance begreifen zu sollen, sollte, so hoffe ich, als ein aktivierender Appell wahrgenommen werden. Abschließend möchte ich deshalb einige Fragen formulieren, die im Hinblick auf den bevorstehenden Re-Start und die weitere Zukunft des UPSIDES-Forschungsprojekts wichtig sein könnten:


  1. Was ist zu tun, um Recovery und Empowerment zum selbstverständlichen Bestandteil professioneller Unterstützung für Menschen in Lebenskrisen zu machen?

  2. Wie lässt sich Peer Support in Unterstützungssystemen institutionalisieren ohne dabei zugleich den Charakter von Peer Support Work als kritischen Impuls in bestehenden Institutionen einzubüßen?

  3. Welche Rolle werden soziale Medien für Peer Support Work künftig spielen?

  4. Welche Lehren lassen sich aus der Corona-Krise für den Peer Support ziehen? 

  5. Wie werden physische Nähe und Distanz künftig bestimmt werden?

  6. Was bedeutet die Corona-Krise für die soziale und kulturelle Teilhabe? (Sollte sich erweisen, dass es hier weitere Einschränkungen geben wird: wie wäre dagegen zu wirken?)










Sonntag, 29. März 2020

Die Corona-Krise und Hartz IV - aktuelle Entwicklungen

Ich möchte es nicht versäumen, an dieser Stelle über aktuelle Entwicklungen zu informieren:

Der Kurznachrichtendienst Twitter hat meine beiden Accounts @sroski und @steffenroski komplett abgeschaltet. Seit dem Start der Online-Petition auf change.org habe ich durch aktives #Hashtagging im Rahmen meiner Möglichkeiten über Twitter zu deren viraler Verbreitung beigetragen. Diese Option zumindest bleibt mir jetzt verschlossen. Ich hoffe sehr, dass die Petition soweit viral im Umlauf ist, dass sich ihre weitere Verbreitung von selbst tragen wird!

Dann ist mir ein Schriftwechsel zugespielt worden. Ein*e Betroffene*r hat zusätzliche Leistungen zur Bewältigung der Corona-Krise beantragt. Ich lasse den Schriftwechsel mal unkommentiert, frage mich allerdings gerade, wie wohl z.B. mit dem Sportartikel-Multi ADIDAS kommuniziert wird.

Hier also der Schriftwechsel:

》Beantragung einmaliger Leistungen zur Vorbereitung einer häuslichen Quarantäne und einer ausreichenden Versorgung


Sehr geehrte Damen und Herren,


wie Ihnen bekannt ist, wurde die Bevölkerung aufgefordert, sich für eine eventuell anstehende häusliche Quarantäne einzurichten. Gerne möchte ich meinen Beitrag zur Überwindung der aktuellen Gesundheitskrise leisten und diese häusliche Quarantäne vorbereiten. Durch Hamsterkäufe und Schließungen der Tafeln ist es mir nicht mehr möglich, mich und meine Familien im ausreichenden Maße zu versorgen.


Ich beantrage daher zusätzliche einmalige Leistungen in Höhe von 200€, um dies sicherzustellen. Ich bitte um eine schnelle Beantwortung, so dass ich die nötigen Vorkehrungen zeitnah treffen kann.



Mit freundlichen Grüßen《



》Ablehnungsbescheid


Sehr geehrte/r Frau/Herr XXX,


leider muss Ihr Antrag vom XXX für Beantragung einmaliger Leistungen zur Vorbereitung einer häuslichen Quarantäne und einer ausreichenden Versorgung abgelehnt werden.


Begründung:


Sie haben mit Antrag vom XXX zusätzliche einmalige Leistungen in Höhe von 200,00 Euro beantragt. Diese Leistung möchten Sie dazu verwenden, Ihre häusliche Versorgung bei einer eventuell anstehenden Quarantäne sicher zu stellen.


Dies wird abgelehnt, da die laufende Versorgung im Monat sichergestellt ist. Es wurde auch durch die Regierung oder dergleichen keine Aufforderung vorgenommen. Im Gegenteil, die Regierung sichert die Versorgung durch genügend Lebensmittel zu.

Sollten Sie aufgrund von gesundheitlicher Quarantäne an zu Hause gebunden sein, hat die Stadt XXX eine Hilfsaktion durch das Rathaus organisiert. Ein entsprechender Ausdruck mit Telefonnummer der Pressemitteilung vom XXX ist diesem Schreiben beigefügt.


Für Beantragung einmaliger Leistungen zur Vorbereitung einer häuslichen Quarantäne und einer ausreichenden Versorgung kann kein Darlehen gewährt werden. Kann im Einzelfall ein von dem genannten Regelbedarf umfasster und nach den Umständen unabweisbarer Bedarf zur Sicherung des Lebensunterhaltes nicht gedeckt werden, kann dem Leistungsberechtigten bei entsprechenden Nachweis der Bedarf als Sach- oder Geldleistung in Form eines entsprechenden Darlehens gewährt werden (Paragr. 24 Absatz 1 Zweites Buch Sozialgesetzbuch - SGB II).


Bei meiner Entscheidung habe ich von meinem Ermessen Gebrauch gemacht. Dabei habe ich Ihr Interesse für die beantragte Leistung mit der Verpflichtung des Jobcenters zur wirtschaftlichen und sparsamen Mittelverwendung sorgfältig abgewogen. Hierzu gehört - auch im Interesse der Gemeinschaft der Steuerzahler - nur bei nachgewiesener Hilfsbedürftigkeit und in rechtmäßiger Höhe Leistungen zu erbringen. Es sind keine Ermessensgesichtspunkte erkennbar oder vorgetragen, die ich im Rahmen meiner Ermessensentscheidung zu Ihren Gunsten berücksichtigen konnte. Nach Abwägung Ihres Interesses an der beantragten Leistung sowie dem öffentlichen Interesse an wirtschaftlicher und sparsamer Mittelverwendung musste die beantragte Leistung abgelehnt werden.


Unter Berücksichtigung der persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse sind Sie in der Lage, die Aufwendungen für Beantragung einmaliger Leistungen zur Vorbereitung einer häuslichen Quarantäne und einer ausreichenden Versorgung aus eigenen Kräften und Mitteln in vollem Umfang zu decken, so dass eine Übernahme der Kosten nicht möglich ist.


Die beantragte Leistung kann auch nicht als Zuschuss gewährt werden.《


Es folgt die übliche Rechtshilfe- und Widerspruchsbelehrung.



Montag, 23. März 2020

Forderung nach Soforthilfe in der Corona-Krise: Eine Online-Petition von unten

Am vergangen Sonntag, dem 15. März 2020, startete auf change.org die Online-Petition         》100€ Bevorratungszuschuss für Hartz-IV-Bezieher! Jetzt!《
Bis jetzt haben über 500 Menschen unterschrieben. Mancher wird vielleicht sagen, dies sei ja in einer Woche keine allzu große Zahl. Ich würde entgegnen: Freilich, 50.000 Unterschriften würden dem Anliegen natürlich bedeutend mehr Nachdruck verleihen, klar. Ich finde jedoch diese ersten 500 Unterschriften in der ersten Woche recht erstaunlich. Im Folgenden möchte ich dies begründen.
Die Petition geht nicht von einer politischen Partei, einem Verband, einer Interessengruppe aus, sie entstammt keinem Netzwerk, sondern kommt von unten, wird von Einzelnen getragen!
Soziologisch betrachtet gibt es in der Corona-Krise mindestens drei Logiken kollektiven Handelns. 
Erstens sind die Konzerne, Banken und größeren Unternehmen zu nennen, die im neoliberalen post-fordistischen Akkumulationsregime in zweierlei Hinsicht äußerst durchsetzungsstark sind: sie treffen auf weitgehend geschwächte Gewerkschaften, was ihnen seit Jahrzehnten erlaubt hat, das Tarifvertragssystem zu ihren Gunsten zu transformieren. Stichwörter: Dumpinglöhne, Verlagerung von Produktionskapazitäten dorthin, wo sich noch günstigere Lohnniveaus bieten, Verdichtung von Arbeit, Outsourcing usw. Und sie treffen auf den neoliberalen Staat, der Unternehmens- und Vermögenssteuern immer mehr gesenkt hat.
Der Staat tritt als Garant auf: im Extremfall wird sogar zur Ultima Ratio der Verstaatlichung gegriffen, zumindest aber ein billionenschweres 》Rettungsprogramm《 aufgelegt.
Die zweite Logik kollektiven Handelns: Gewerkschaften und Verbände, die für ihre Mitglieder sozialverträgliche Krisenregelungen aushandeln und mit der produktivistischen Sozialdemokratie einen, wenn auch schwachen, Bündnispartner haben. Das Ergebnis sind z.B. Regelungen zum Kurzarbeitergeld.
Es gibt jedoch darunter die dritte Logik kollektiven Handelns. Hartz-IV-Empfänger, Grundsicherungs-Bezieher, erkrankte Menschen, Armutsrentner, Obdach- und Wohnungslose. Gern wird diese Gruppe als        》sozial schwach《 abgestempelt, was beleidigend ist, denn diese Menschen sind vor allem eines: von Armut betroffen. Sozial schwach ist diese Menge Depravierter allerdings in einer Hinsicht: sie verfügen über keine Logik kollektiven Handelns und treten als Ansammlung isolierter Einzelner auf. 
Die Gruppe der Hartz-IV-Bezieher wird vor dem Hintergrund der für immer mehr Menschen prekär werdenden wirtschaftlichen Existenzgrundlage zunehmend größer werden. Die Verunsicherung wächst allgemein. Was noch vor Tagen völlig selbstverständlich gewesen war, gerät ins Wanken, scheinbar sicher geglaubten Existenzen wird der Boden unter den Füßen gerissen!
In der Corona-Krise wird dieses sehr deutlich: die Bazooka fürs Großkapital, Steuerstundungen und Kredithilfen für den Mittelstand, Lohnfortzahlungen für Arbeitnehmer dieser Unternehmen, jetzt auch, immerhin, Mietgarantien und unbürokratischer Zugang zu Leistungen der Agentur für Arbeit und der Jobcenter. 
Die sich außerhalb des produktivistischen Ideals befindliche dritte Gruppe, die Armen nämlich, werden nicht einmal erwähnt. Ihre Not, die darin besteht, mehr schlecht als recht über den jeweiligen Monat zu kommen, findet keinerlei Berücksichtigung. Im Gegensatz zum Großkapital, dem Mittelstand, den gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmern gebricht es ihnen nämlich an kollektiven Handlungsoptionen.
Es wird höchste Zeit, dass jene sozial Geächteten und Exkludierten eine Logik kollektiven Handelns entwickeln, so schwer dies unter den aktuellen Bedingungen auch sein mag!

Sonntag, 22. März 2020

Online-Petition: Warum haben Menschen unterschrieben?

Die Online-Petition auf change.org hat inzwischen 500 Menschen dazu motiviert, zu unterschreiben. Einige von ihnen haben ihre Beweggründe knapp formuliert. Ich gebe an dieser Stelle einige Stimmen, die mir repräsentativ erscheinen, wieder:

Petra S.: 》Es darf und kann nicht sein, dass die sozial Schwächsten außerstande sind, sich zu versorgen und zu bevorraten in einer derartigen Krisenlage.《

Maria P.: 》Nun aber schließen Tafeln und dank der Hamsterkäufe sind in vielen Supermärkten günstige Lebensmittel ausverkauft ... Wir verlangen ... nicht mal viel, nur ein bisschen  Hilfe für notwendige Lebensmitteleinkäufe - zumal die sich durch die Krise für uns ergebende Mangelernährung uns noch anfälliger macht für Infektionen.《

Manja B.: 》Ich unterschreibe, weil ich drei Kinder habe und mir einen solchen Vorrat nicht einfach so leisten kann, ohne weitere Hilfe.《

Jutta G.: 》Der Regelsatz wurde von vornherein künstlich runter gerechnet.《

Anneliese B.: 》Es ist mehr als notwendig, dass die Ärmsten und Schwächsten nicht vergessen werden.《

Bianka S.: 》Wir (eine vierköpfige Familie; SR) haben keinen Cent mehr, wie sollen wir das überleben?《

Bianca P.: 》Ich unterschreibe, weil ich selbst betroffen bin.《

Burkhard T.: 》Diese Art solidarischer Humanität sollte selbstverständlich sein.《

Heinrich H.: 》Nicht nur der "Wirtschaft" soll geholfen werden, auch den Hartz-IV-Empfängerinnen und -Empfängern, die ja grundsätzlich schon am absoluten Limit leben müssen!《

Nicole B.: 》Ich gehöre zur Risikogruppe und möchte mich nicht täglich in Läden aufhalten müssen, sondern lieber kleine Vorräte anlegen.《

Nicole L.: 》Ich unterschreibe, weil wir in einem absoluten Ausnahmezustand sind.《

Andreas M.: 》Mit dem Regelsatz ist soziale Teilhabe schon äußerst schwierig. Dazu noch der Empfehlung zur Bevorratung zu folgen, ist einfach völlig realitätsfern.《