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Mittwoch, 13. Februar 2013

Manfred Koch: Klabunds Kürzestgeschichte der Dichtung - Vagabondage durch die Weltliteratur

Klabund muss den Verlagsauftrag als sportliche Herausforderung genommen haben. Entsprechend dynamisch gestaltete er sein Produkt: ein Parforceritt durch die Weltliteratur mit kühnen Sprüngen und Würfen. Da ihm auferlegt war, die gesamte kanonische Literatur aller Völker und Zeiten zu behandeln, galt es in erster Linie, eine trockene Aufzählung der Autorennamen und Werktitel zu vermeiden. Klabund löste das Problem durch schmissige Sekundencharakteristiken sowohl der Kulturen als auch der Dichter. Zwei Sätze reichen, um den kulturellen Hintergrund des Haiku zu erläutern: «Winzig erscheinen uns der Japaner selbst, seine Frauen, Häuser, Geräte, Gedichte. Aber er hat das Menschenmögliche in der Prägnanz, Plastik und Schärfe des Kurzgedichtes geleistet.» Zwei Sätze verbinden das Russland des 19. Jahrhunderts mit Dostojewskis ausufernder Erzählkunst und Gontscharows Darstellung der «Oblomowerei», des nationalen Hangs zum Nichtstun: «Dostojewski schreibt die Karamasows, und als er die ersten drei Bände schliesst, merkt er, dass er noch gar nicht angefangen hat. Man wird nie fertig in Russland, deshalb fängt man oft erst gar nicht an.»

Mein Blog befasst sich in einem umfassenden Sinn mit dem Verhältnis von Wissen, Wissenschaft und Gesellschaft. Ein besonderes Augenmerk richte ich dabei auf die Aktivitäten des Medien- und Dienstleistungskonzern Bertelsmann und der Bertelsmann Stiftung.