»Schwebende Welt.« ... Hugh Nibley. Ich hatte ihn seit dem Gymnasium / nicht mehr gesehn. Ich fragte ihn, was er /von anderen Planeten und möglichen / Bewohnern hielte. Ja, sagte er, im / ganzen All: das ist Mormonen- / Lehre. Wir verabschiedeten uns. Ich öffnete / die Autotür, ergriff meine Mappe /und alles fiel raus aufs Gras / und den Gulli. Sein / Kommentar: Stets geschieht etwas Erinnerungswürdiges. ... »IN ALLE RICHTUNGEN SCHAUEN, / NICHT NUR IN EINE.« ... Auf einem Mauerschild / stand: Experimentiere endlos und bleibe / demütig. ... Der Himmel ist / nicht länger goldgepflastert (Veränderungen in der / Kirchenarchitektur). ... »Wir sind / Pakete, aus denen Wasser sickert.« – »Das nächste / Wasser, das du trinkst, ist vielleicht dein eigenes.«
Mein Blog befasst sich in einem umfassenden Sinn mit dem Verhältnis von Wissen, Wissenschaft und Gesellschaft. Ein besonderes Augenmerk richte ich dabei auf die Aktivitäten des Medien- und Dienstleistungskonzern Bertelsmann und der Bertelsmann Stiftung.
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Mittwoch, 5. September 2012
Gabi Fiege: Goldman Sachs – eine Bank greift nach der Macht?
Aus der Finanzkrise geht die Investmentbank gestärkt und als Gewinner hervor. Nachdem es einen Machtwechsel in den USA gab und Barack Obama zum Präsident ernannt wurde, will er Reformen durchsetzen, auch im Finanzsystem. Doch er konnte sich nicht durchsetzen. Insbesondere Goldman Sachs ist in der US-Gesetzesmaschinerie bestens vernetzt und versteht es, die eigenen Interessen durchzusetzen.
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Bundeszentrale für politische Bildung: Dossier - Deutsche Verhältnisse. Eine Sozialkunde
Die vorliegende Schrift wurde verfasst für Leser, die sich einen Überblick über Gesellschaft, Wirtschaft und Politik der Bundesrepublik verschaffen und dabei auf den aktuellen Stand sozialwissenschaftlicher Forschung gebracht werden wollen. Jedes Kapitel ist von einem besonders gut ausgewiesenen Wissenschaftler verfasst. Alle Autoren wurden gebeten, die zentralen historischen Entwicklungen und die wichtigsten gegenwärtigen Strukturen auf ihrem Feld zu umreißen. Über Fakten hinaus informieren die Beiträge auch über aktuelle Probleme und zeigen, mit welchen künftigen Entwicklungen zu rechnen ist. Eine Sozialkunde ist gedacht für einen breiten Leserkreis. Deswegen vermeiden Autoren und Herausgeber Fachbegriffe oder erklären sie. Die Darstellungen sind an den realen Gegebenheiten, Problemen und Wahrnehmungen ausgerichtet. Sozialwissenschaftliche Theorien, Ansätze und Methoden werden nur dann aufgeführt, wenn es zum Verständnis von Befunden nötig ist. Im Unterschied zu wissenschaftlichen Lehr- und Handbüchern gehen die Autoren in der Regel nicht auf die einzelnen Studien und ihre Urheber ein. Was zählt, ist das Gesamtbild der Befunde und ihre Bedeutung für die Bürger. Die Sozialkunde erscheint sowohl als gedruckte Ausgabe als auch im Internet (bpb.de/sozialkunde). Die Printversion enthält nur die nötigsten Daten und Belege. Denn sie soll Grundinformationen und Übersicht in flüssig lesbarer Form vermitteln. Die Internetversion dagegen umfasst außer dem Buchtext viele zusätzliche Materialien: empirische Nachweise, Gesetzestexte, Interviews, Übersichten etc. Diese Materialien werden regelmäßig aktualisiert und verlängern so die Nutzungsdauer der Buchausgabe.
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Bundeszentrale für politische Bildung: Dossier - Geschichte im Fluss. Flüsse als europäische Erinnerungsorte - Der Rhein
Kaum ein Strom wurde in Deutschland so besungen wie der "Vater Rhein". Mythen rankten sich um ihn, aber auch handfeste politische Konflikte. Frankreich beanspruchte ihn einst als "natürliche Grenze". Nikolaus Becker hielt dichtend dagegen: "Sie sollen ihn nicht haben, den freien, deutschen Rhein". Erst in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts verfasste Lucien Febvre eine erste, übernationale Geschichte des Rheins. Heute ist der Rhein als Wasserstraße eine der großen Wirtschaftsräume in Europa. Wie es dazu kam, schildern Autorinnen und Autoren aus Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und den USA
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Carolin Küppers: Soziologische Dimensionen von Geschlecht
Doing gender funktioniert also sowohl über das alltägliche Verhalten als auch über die alltägliche Wahrnehmung.
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Oliver Kaever: KEN PARK - SEX ALS UTOPIE
Die Gründe für die Empörung liegen tiefer, und sie haben viel zu tun mit Larry Clarks Sicht auf Jugendliche und sein Heimatland. "Ken Park" besteht aus vier teils miteinander verwobenen Geschichten, die sich um Sex, Tod, Gewalt und Missbrauch drehen. Alle fußen auf wahren Begebenheiten, die Clark im Lauf der Jahre aufschnappte und niederschrieb. Als Rahmen für die Episoden fungiert ein Selbstmord: Ken Park schießt sich auf dem öffentlichen Skateboardplatz in den Kopf. Shawn geht regelmäßig mit der Mutter seiner Freundin ins Bett; Claude versucht, seine schwangere Mutter vor seinem alkoholkranken, brutalen Vater zu beschützen, der ihn eines Nachts zu Oralsex zwingen will; Peaches lebt bei einem streng religiösen Vater, der sie brutal diszipliniert, nachdem er sie beim Sex mit ihrem Freund erwischt; und Tate wird von seinen Großeltern erzogen, die er hasst. Um seine Lust beim Masturbieren zu steigern, stranguliert er sich mit seinem Gürtel am Türknauf.
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Eberhard Rondholz: Anmerkungen zum Griechenland-Bild in Deutschland - Essay
Nicht nur Boulevardzeitungen bedienen Vorurteile über Griechenland und seine Bevölkerung und greifen ungeprüft auf, was europäische Entscheidungsträgerinnen und -träger über die "faulen Griechen" (und die anderen Südländer) mitzuteilen haben – obwohl es seriöse Statistiken gibt, denen genaue Zahlen über Wochen- und Lebensarbeitszeit und Urlaubstage zu entnehmen sind. Bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gibt es hierzu folgende Zahlen: In Deutschland arbeiten Beschäftigte im Durchschnitt um ein Drittel weniger als in Griechenland, nämlich 1.390 Stunden pro Jahr im Vergleich zu 2.119 Stunden (2010 waren es 1.408 Stunden im Vergleich zu 2.017 Stunden) – was im Übrigen die längste Jahresarbeitszeit in allen OECD-Ländern ist.[7] Dabei gibt es genügend negative Fakten, über die zu berichten wäre: beispielsweise über sinnlose Waffenimporte in irrsinnigem Ausmaß, darüber, wer sich daran eine goldene Nase verdient und warum bislang nur ein einziger der korrupten griechischen Politiker als Schmiergeldempfänger in Haft kam. Die griechischen Regierungen haben in den vergangenen Jahrzehnten "über ihre Verhältnisse" Waffen gekauft. Nach Angaben des schwedischen Friedensforschungsinstituts SIPRI haben sie über Jahre hinweg bis zu 17 Prozent der weltweiten Waffenexporte Deutschlands abgenommen,[8] um im Wettrüsten mit der Türkei[9] (die ähnlich hohe Importzahlen aufweist) gleichzuziehen. Dabei hätte der griechisch-türkische Konflikt um Hoheitsgewässer und Flugzonen seitens der EU und der NATO längst geschlichtet werden können und sollen.
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Loukas Lymperopoulos: Kurze Geschichte Neugriechenlands
Der italienische Faschist Benito Mussolini betrachtete den südosteuropäischen Raum als sein Einflussgebiet.[3] Im Frühjahr 1939 besetzte er Albanien; zur selben Zeit garantierten Großbritannien und Frankreich die Unabhängigkeit von einigen europäischen Staaten (darunter Griechenland). Da Mussolini wusste, dass Italien auf einen Krieg mit Großbritannien nicht vorbereitet war, blieb Italien bis kurz vor Ende des deutschen Frankreich-Feldzuges 1940 neutral und überfiel Griechenland schließlich am 28. Oktober 1940. Damit begann für Griechenland der Zweite Weltkrieg. Entgegen allen Einschätzungen konnte das griechische Heer den Angriff abwehren und die italienischen Streitkräfte nach Albanien zurückdrängen. Für Hitler, der zu dieser Zeit bereits den Krieg gegen die Sowjetunion plante, entstand eine neue Situation: Die Briten konnten nun von Griechenland aus die Ölfelder in Rumänien bombardieren und den deutschen Vormarsch bedrohen. Daher beschloss er, Griechenland anzugreifen.
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Elena Pallantza: Für immer geschlossen - Kurzgeschichte
Die Erzählung "Für immer geschlossen" ist die Geschichte eines Reifungsprozesses eines jungen Mannes vor dem Hintergrund der aktuellen Situation in Griechenland. Zu Beginn der Wirtschaftskrise flieht er in seine Phantasien, als Reaktion auf die zunehmend bedrückende Atmosphäre, die sich in Griechenland aufgrund der radikalen Sparmaßnahmen und der damit verbundenen sozialen Unzufriedenheit ausbreitet. Er verliebt sich in eine ihm unbekannte Japanerin, der er zufällig in Athen begegnet, und zieht es zunächst vor, sich von den Idealbildern der fernen, rätselhaften und in seinen Augen von Selbstbeherrschung und reizvollen Ritualen gekennzeichneten japanischen Lebensart treiben zu lassen, als sich den realen Problemen seiner Umwelt verantwortungsbewusst zuzuwenden. Allmählich zieht sich jedoch die Schlinge um ihn zu, die vielfältigen Symptome der Krise – die massiven Kürzungen der Gehälter, die Arbeitslosigkeit, die zum Teil extremistischen politischen Proteste, die Frustration der Menschen – werden bei jedem Schritt sichtbar, die Probleme der anderen werden zu seinen Problemen. Er nimmt die Realität wahr, kommt aus seiner lähmenden Isolation heraus und erklärt sich zu vernünftigen Kompromissen bereit. Ein Spiel des Zufalls konfrontiert ihn mit der Umkehrung seiner Idealbilder und bringt ihn dazu, zumindest im Rahmen seines Mikrokosmos aktiver und bewusster zu handeln, auch wenn die Hoffnung auf persönlicher und kollektiver Ebene gestutzt zu sein scheint. Die Schlusswende zeigt jedoch noch einmal, dass die Realität von der Phantasie eingeholt werden kann.
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Bertelsmann Stiftung: Umfrage - Bürger fordern bei Großprojekten in der eigenen Region bessere Information und mehr Mitsprache
Das Problem, breite Akzeptanz für Großprojekte zu finden, ist allerdings nicht einfach zu lösen. "Auch mit Bürgerbeteiligung ist bei Infrastrukturprojekten nicht mit allen Betroffenen Einvernehmen zu erzielen", sagt Jörg Dräger. Klar sei aber: "Wenn die Behörden von der Planung bis zur Realisierung immer nur die Mindeststandards für die Beteiligung der Öffentlichkeit erfüllen, kosten die dann entstehenden Proteste viel mehr Zeit, Geld und Energie als eine frühzeitige informelle Bürgerbeteiligung kosten würde."
Kommentar von Steffen Roski: Typisch Bertelsmann Stiftung - Zunächst tönt es demokratisch - Stichwort: Bürgerbeteiligung. Schaut man genauer darauf, geht es aber darum, "Akzeptanz für Großprojekte" zu erzielen. Und wer schafft diese "Akzeptenz"? Natürlich: "Um diese Informations- und Beteiligungslücke zu füllen, unterbreitet die Studie der Bertelsmann Stiftung Vorschläge, zu denen öffentliche Dialogforen, Planungswerkstätten und ein zentrales Online-Informationssystem gehören." - Das ist "Demokratie" aus dem Hause Bertelsmann. Was einst Kadavergehorsam hieß, schimpft sich heute "frühzeitige informelle Bürgerbeteiligung".
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Dienstag, 4. September 2012
Timothy Snyder: Grand Old Marxists
Rich Republicans such as Romney are of course a small minority of the party. Not much of the Republican electorate has any economic interest in voting for a ticket whose platform is to show that government does not work. As Ryan understands, they must be instructed that their troubles are not simply a pointless contrast to the gilded pleasures of the man at the top of the Republican ticket, but rather part of the same story, a historical drama in which good will triumph and evil will be vanquished. Hayek provides the rules of the game: anything the government does to interfere in the economy will just make matters worse; therefore the market, left to its own devices, must give us the best of all possible worlds. Rand supplies the discrete but titillating elitism: this distribution of pleasure and pain is good in and of itself, because (and this will not be said aloud) people like Romney are bright and people who will vote for him are not. Rand understood that her ideology can only work as sadomasochism. In her novels, the suffering of ordinary Americans (“parasites,” as they are called in Atlas Shrugged) provides the counterpoint to the extraordinary pleasures of the heroic captains of industry (which she describes in weird sexual terms). A bridge between the pain of the people and the pleasure of the elite which mollifies the former and empowers the latter is the achievement of an effective ideology.
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Jeffrey Gettleman: The War Against the Nuba
The Nuba people were celebrated by Leni Riefenstahl in a book of photographs, The Last of the Nuba (1973). Riefenstahl, the famous German filmmaker and confidante of Hitler, was drawn to the Nuba because of the vivid quality of their traditions, including public wrestling, which lasted well into the 1970s and continue to some degree to this day. Their territory, the Nuba Mountains—really hills about three thousand feet high—lies just across the border from South Sudan. For centuries the Nuba retreated into these hills to escape slave raiders. The Nuba are not Arab, like the rulers in Khartoum, and many are not Muslim; they have long seen themselves as closer to the ethnic groups, many with animist beliefs, of what is now South Sudan. They are officially Sudanese citizens, but they are seen by the Sudanese government in Khartoum as subversive enemies and they have been mercilessly bombed and starved.
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Francesca Martinez: Empty words don't fund a full life for disabled people
We are constantly being told that cuts need to be made so that the money goes to those who really need it. This is not welfare reform. It's welfare cuts. The Government wants to cut Disability Living Allowance (which has a fraud rate of 0.5 per cent) by 20 per cent. Half a million genuine claimants are to lose their benefits. A lengthy medical assessment is required to qualify for this benefit although it is already rigorously tested, which explains the low fraud rate. The word "benefit" implies getting something extra, but it exists to cover costs that non-disabled people don't have. As a taxpayer, I am happy to help pay those vital costs rather than funding illegal wars or weapons developed to kill or maim people in ever more horrific ways.
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Montag, 3. September 2012
Kathrin Passig: Standardsituationen der Technologiekritik
Das eigentlich Bemerkenswerte am öffentlich geäußerten Missmut über das Neue aber ist, wie stark er vom Lebensalter und wie wenig vom Gegenstand der Kritik abhängt. Dieselben Menschen, die in den Neunzigern das Internet begrüßten, lehnen zehn Jahre später dessen Weiterentwicklungen mit eben jenen damals belächelten Argumenten ab. Es ist leicht, Technologien zu schätzen und zu nutzen, die einem mit 25 oder 30 Status- und Wissensvorsprünge verschaffen. Wenn es einige Jahre später die eigenen Pfründen sind, die gegen den Fortschritt verteidigt werden müssen, wird es schwieriger. Zur Bewältigung dieses Problems gibt es zwei Ansätze: In der schlichteren Variante kann man zumindest versuchen, den Gebrauch der Standardkritikpunkte zu vermeiden, insbesondere dann, wenn man sich öffentlich zu Wort meldet. Die hier versammelten Einwände gegen neue Technologien sind nicht automatisch unberechtigt – es ist lediglich nicht sehr wahrscheinlich, dass man damit valide Kritikpunkte identifiziert. Wenn jeder dieser Schritte einen realen Niedergang beschriebe, wäre die Welt eine von M. C. Escher gezeichnete Treppe.
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Ben Kaden: It’s the frei 2012-Countdown (22) - Kurt Drawert und der entrissene Text
Man kann die Kritik an Kurt Drawerts Essay abkürzen: Jemand, der mit Pennäler-Stolz verkündet, er hätte noch nie ein „todschickes E-Book“ in den Händen gehabt um nachzuschieben: „Es nimmt dem Lesen jede Erotik und ist so kalt wie ein Schlachthof im Winter“, muss sich bedauerlicherweise und bei allem Respekt den Vorwurf gefallen lassen, dass er einfach über etwas poltert, wovon er keine Ahnung hat. Dass das mehr Getippte als Geschriebene auf einer Seite fest und Kaffeehaus konsumierbar gedruckt vorliegt, verleiht ihm dabei keine besondere Autorität. Aber es lässt ihn ebenso wenig gleich nach Käsekuchen und Caffè americano klingen. Sondern einfach nur nach verzweifeltem Rudern im falschen Kanal.
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Wolfgang Lieb: „Renten-Schock-Tabelle“ – ein logisches Ergebnis der neoliberalen Schock-Strategie
Wer schafft heutzutage und in absehbarer Zukunft überhaupt noch 30 oder gar 40 Jahre in einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis? Auch dass die Rente mit 67 bei der überwiegenden Mehrzahl der Arbeitnehmer zu zusätzlichen Abschlägen bei der Rente führen wird, weiß jeder, der noch zu einem realistischen Blick auf den Arbeitsmarkt fähig ist.
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derfizz.de: DIE ENTSOLIDARISIERUNG DER GESELLSCHAFT
Wo liegt das eigentliche Problem? Unser Rentensystem muss solidarischer organisiert werden. Wenn jeder sein eigenes Süppchen kocht, und beispielsweise Beamte (Pensionen), Ärzte, Anwälte und Steuerberater (Versorgungswerke) sich aus dem gesamtgesellschaftlichen System ausklinken und die Beitragsbemessungsgrenze, aber der man nicht mehr verpflichtet ist, dem Einkommen angemessen in die staatlichen Sozialsysteme einzubezahlen, existieren, werden die Renten immer nur aus den unteren Lohngruppen getragen. Das kann nicht funktionieren.
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The Guardian: Barack Obama: the president who fell to earth
The candidate in 2008 was a brilliant electoral device. He was all things to all men – and women. Liberals saw in him a genuine radical. Centrists thought he could break the power of the Washington lobby. Climate change campaigners thought America would lead the search for Kyoto's successor, not block it. Everyone prayed Obama would restore America's tarnished global image, so that it could lead by force of argument rather than force of arms. Of course, this Icarus flew so high he was doomed to crash. But remember, too, the scale of his ambition. He set the bar for his leadership no lower than Abraham Lincoln himself.
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Eric Taylor Woods: What the Olympics didn’t say about Britain’s place in the world
Britain is perhaps more deeply entangled with the world than any other country, yet nowhere was this in evidence in the opening ceremonies. It seems that the ongoing controversy over the meaning of Britain’s imperial history, as to whether it should be celebrated or mourned, has led many Britons to prefer to willfully forget Britain’s engagement with the world altogether. Does Britain’s controversial global history mean that it must now reconstruct a hermetic image of itself? I hope not. Without reference to Britain’s global history, there is no way to properly understand the contemporary world, much less Britain or its contemporary multicultural demography.
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Sonntag, 2. September 2012
Boris Groys: Leben in der Kältezone
Es verwundert also nicht, dass, nachdem der Kühlschrank des Kalten Krieges ausgeschaltet wurde, die "Geschichte" selbst auf dem berühmten Müllhaufen landete. Nicht nur für die Massen, sondern auch für die kreative Klasse ist die unhistorische Gegenwart zum alleinigen Maß aller Dinge geworden. Zudem hat das Ende des Kalten Krieges die Entstehung des Internets ermöglicht, womit sich das geschichtliche Bewusstsein endgültig erledigt hat. Man erinnert sich nicht mehr - man googelt. Alles Geschichtliche ist zugänglich und abrufbar geworden, es hat einen Ort und eine Adresse bekommen. Überall auf der Welt baut man Museen der Gegenwartskunst. Sie sind die Tempel einer neuen Ewigkeit - einer Gegenwart, die allem und allen einen Platz bietet und deswegen nie vergeht.
Nicht von ungefähr fungiert der Kreative in erster Linie als content provider, das heißt, er nutzt die Produktionsmittel, die ihm die großen Unternehmen wie Apple, Microsoft, Google, Facebook zur Verfügung gestellt haben, damit er die Informationsnetze mit Texten, Bildern, Videos, Filmen füttert. Dadurch erleben wir die totale mediale Gleichschaltung aller traditionellen kreativen Berufe. Maler, Bildhauer, Musiker, Schriftsteller und Architekten machen heute alle das Gleiche - sie produzieren digitale Daten. Das macht ihre Arbeit universell vergleichbar und quantifizierbar. Die zweite Welle der industriellen Revolution hat die kreative Klasse erfasst - und sie endgültig proletarisiert. Der heutige Kreative unterscheidet sich von anderen Leuten nur durch die Geschicklichkeit, mit der er mit der Technik umgeht. So wie sich der Arbeiter des Industriezeitalters von anderen nur durch seine Geschicklichkeit im Umgang mit Maschinen unterschied.
Jeder macht das, was auch die kreative Klasse macht. (Fast) jeder hat die Möglichkeit und Fähigkeit, einen Blog zu sarten, eine Website einzurichten, Fotos oder Videos aufzunehmen und sie global zu verbreiten. Und (fast) jeder kann seine Gefühle und Gedanken mithilfe von Facebook, Twitter oder anderen Sozialen Netzwerken öffentlich zum Ausdruck [...] bringen. Millionen von Menschen tun genau das, und sie tun es umsonst. Deshalb gibt es keinen prinzipiellen Unterschied mehr zwischen den normalen content providers und denen, die als professionelle Kreative gelten. Deshalb werden die Forderungen nach der Abschaffung des Copyrights auch immer lauter. Niemand befürchtet heute, dass mit der Abschaffung des Copyrights der Zufluss von Texten und Bildern versiegt. Die Erfahrung zeigt, dass es immer genug Leute gibt, die bereit sein werden, kostenlos Inhalte zu verbreiten. Die wirklich großen finanziellen Gewinne machen sowieso nur jene Unternehmen, welche die Infrastruktur bereitstellen.
Aber diese Unternehmen interessieren sich kaum mehr für den Inhalt, den die Nutzer abliefern. Sie interessieren sich fast ausschließlich für deren persönliche Daten, um sie an Firmen weiterzuverkaufen, die diese Daten für kommerzielle Ziele verwerten. Es ist also nicht wichtig, was jemand schreibt, sondern nur, dass er es tut. Dadurch outet er sich; er wird kontrollierbar und kommerziell verwertbar. Genau das aber eliminiert den Unterschied zwischen kreativer Klasse und ihrem Publikum.
Der Held unserer heutigen Kultur ist also nicht mehr der traditionelle Kreative; der Held ist heute der Netzwerker, der nach alternativen Möglichkeiten der Informationsverbreitung sucht. Die Helden von Wiki-Leaks und Occupy sind inzwischen berühmt geworden, aber es gibt viele andere Projekte, die neue Räume für den Informationsaustausch zu schaffen versuchen. Der Netzwerker bietet in der Regel keinen eigenen Inhalt an; stattdessen kümmert er sich darum, dass vernachlässigte Inhalte, die andere abliefern, freier fließen und für möglichst viele Menschen zugänglich werden.
Ist der Netzwerker nun ein Idealist oder ein Unternehmer? Treibt er Kapitalismuskritik, oder erweitert er seine Grenzen? Offensichtlich tut er beides. Datenflüsse fließen oft zusammen mit dem Fluss des Kapitals. Aber genauso oft fließen sie auf verschiedenen Kanälen - und manchmal sogar in gegenläufige Richtungen.
Die Tatsache, dass die kreative Klasse endgültig in der unhistorischen Gegenwart angekommen ist, bedeutet also noch lange nicht, dass sie mit dem herrschenden Kapitalismus ihren Frieden geschlossen hat. Vielmehr fungiert sie als virtuelle Administration jenes universalen und homogenen Staates, der [...] nach dem Ende der Geschichte entstehen sollte (und von dem wir auf der Ebene der politischen Realität immer noch weit entfernt sind). Die Märkte haben sich globalisiert - Politik und Kultur bleiben lokal. So versuchen heute viele Netzwerker, internationale Kommunikationsräume zu schaffen, die diese Diskrepanz zumindest teilweise kompensieren. Zwar geht es dabei nicht mehr um die Illusion einer historischen Distanz zur Gegenwart, um einen Blick auf das Große und Ganze; dafür aber können die Kritiker sicher sein, dass sie von ihrer Leserschaft verstanden werden, teilen sie mit ihr doch die aktuellen Erfahrungen, Befürchtungen und Vorlieben.
(Aus: Die Zeit, 30. August 2012, Seite 67)
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