Dienstag, 13. Januar 2015

David McWilluams: Just like the 80s, only different

"Immigration affects different parts of society differently. For wealthy people, immigration means cheaper workers. Immigration is win-win option for the rich. In contrast, for poorer people, immigration means direct competition for jobs, for houses, for welfare, for schools, for hospitals, for transport and ultimately for a stake in their society."

Quelle: http://www.davidmcwilliams.ie/2015/01/12/just-like-the-80s-only-different

Montag, 12. Januar 2015

Denis Staunton: Why Ireland should support Greek plan to write down euro-zone public debt

"Greece is not Germany and post-war Germany's debt amounted to a much smaller proportion of its gross domestic product than Greece's does today. Germany was, however, regarded internationally as a deadbeat debtor, having welched on various debt repayment deals between the two world wars. And the creditor nations' forbearance in 1953 is all the more remarkable given how recently Germany has led Europe into a catastrophic war that also plunged its antagonists into debt.

Syriza's proposal to deal with Europe's collective debt problem multilaterally recognises that souvereign debt within the euro zone can no longer simply be viewed as a national issue. It also reflects the view of many mainstream economist's that much of Europes public debt is unsustainable and that austerity policies are not only causing hardship but damaging the economy."

Quelle: http://www.irishtimes.com/opinion/why-ireland-should-support-greek-plan-to-write-down-euro-zone-public-debt-1.2060653?page=2

Sonntag, 11. Januar 2015

Geoffrey O’Brien: Pynchon’s Blue Shadow

"The words in Anderson’s film are mostly Pynchon’s; the plot elements too, however freely they have been culled and transposed; the free-associative multiplicity and ricocheting mood changes are carried over with a miraculous lightness of touch. Yet Inherent Vice the movie is utterly its own thing, as thoroughly a piece of Anderson’s imaginative universe as of Pynchon’s. If Pynchon’s Doc Sportello could stare at a movie and feel puzzled by what he’s seeing, here it’s as if the movie stared back, infusing the materials of the novel with further ambiguities of emotion and association, pervading it with the actual California sunlight that feels like the movie’s binding force. People glide through it or are trapped or exposed by it. It offers promises of innocent happiness or flattens everything with an overlay of blinding impersonal brightness."

Quelle: http://www.nybooks.com/blogs/nyrblog/2015/jan/03/pynchon-blue-shadow-inherent-vice/?utm_medium=email&utm_campaign=NYR+Charlie+Hebdo+new+films+Obama+and+rights&utm_content=NYR+Charlie+Hebdo+new+films+Obama+and+rights+CID_2199a7465927ef2901730f39807bead6&utm_source=Email%20marketing%20software&utm_term=Pynchons%20Blue%20Shadow

Mein Blog befasst sich in einem umfassenden Sinn mit dem Verhältnis von Wissen, Wissenschaft und Gesellschaft. Ein besonderes Augenmerk richte ich dabei auf die Aktivitäten des Medien- und Dienstleistungskonzern Bertelsmann und der Bertelsmann Stiftung.

Blätter für deutsche und internationale Politik: Die Ungleichheitsmaschine: Markt, Kapital und Herrschaft (Auszüge aus der Berliner Debatte zwischen Thomas Piketty und Susan Neiman, Hans-Jürgen Urban (IG-Metall) und Joseph Vogl, moderiert von Mathias Greffrath
 aus Blätter für deutsche und internationale Politik 12/2014)

"Eigentlich hätte die Krise von 2008 den Finanzkapitalismus und die finanzielle Deregulierung grundsätzlich in Frage stellen müssen. Stattdessen wurde sie durch die Unfähigkeit unserer europäischen Institutionen in eine Anklage gegen den Staat verkehrt, in eine Infragestellung der Staatstätigkeit und der öffentlichen Hand. Man hat diese Krise, die aus dem privaten Finanzsektor kam, in eine Staatsschuldenkrise verwandelt. Das liegt an der Herabwürdigung der öffentlichen Hand und dem schweren Fehler, den die Europäische Zentralbank (EZB) beging, als sie Anfang 2010 ankündigte, bei einer weiteren Herabstufung Griechenlands durch die Ratingagenturen würde sie keine griechischen Schatzanweisungen mehr akzeptieren. Ein schrecklicher Fehler, denn so erhielten die Ratingagenturen mit einem Schlag das Recht, über Leben oder Tod unserer Gemeinschaftswährung zu entscheiden – die gleichen Ratingagenturen, die die Situation privater Finanzunternehmen und sogar der griechischen Staatsfinanzen geschönt hatten." (Thomas Piketty)

Quelle: http://sandimgetriebe.attac.at/11150.html

Mein Blog befasst sich in einem umfassenden Sinn mit dem Verhältnis von Wissen, Wissenschaft und Gesellschaft. Ein besonderes Augenmerk richte ich dabei auf die Aktivitäten des Medien- und Dienstleistungskonzern Bertelsmann und der Bertelsmann Stiftung.

Samstag, 10. Januar 2015

Immanuel Wallerstein: Die NATO: Eine Gefahr für den Weltfrieden

"Der Ukraine-Konflikt verdeutlicht die Gefahr, die die NATO darstellt. Die USA haben sich bemüht, neue militärische Strukturen aufzubauen, die sich offensichtlich gegen Russland richten, und sie als Maßnahme gegen eine hypothetische Bedrohung durch den Iran darzustellen. Im Verlauf des Ukrainekonflikts kam die Sprache des Kalten Krieges wieder in Gebrauch. Die USA verwenden die NATO, um Druck auf europäische Länder auszuüben, damit diese antirussischen Aktionen zustimmen. Und innerhalb der USA steht Präsident Obama unter großem Druck, 'schlagkräftig' gegen die sogenannte Bedrohung der Ukraine durch Russland vorzugehen. Dazu kommt die sehr feindselige Einstellung des amerikanischen Kongresses zu jeder Art Übereinkunft mit dem Iran zum Thema nukleare Entwicklung."

Quelle: http://sandimgetriebe.attac.at/11138.html

Edu Haubensak: Musik ohne Gewicht. Der amerikanische Komponist Morton Feldman und sein radikales Denken

"Mit seinen radikalen Positionen ist Morton Feldman, in den begrenzten Zirkeln der zeitgenössischen Musik, ein Star. Die Kombination von übermässiger Dauer und äusserst leiser Musik ist eine Herausforderung für unser Gedächtnis. Es werden andere Dimensionen der Wahrnehmung erreicht, und wir befinden uns in einem ständigen Hin und Her von Vergangenheit und Gegenwart. Wir erleben eine seltsame Verwischung des Zeitgefühls, eine Mischung aus Erinnern und Vergessen. Das Hören dieser Musik ist wie ein Taumel in langsam vergehender Zeit. Morton Feldman sprach oft von der Amnesie des eben Komponierten und dem Versuch, die musikalischen Patterns aus dem Gedächtnis zu rekonstruieren. So setzt sich diese Musik von Muster zu Muster fort; wir begleiten hörend diesen Prozess im Zustand einer langsamen Ekstase - und empfinden dabei ein Stück Ewigkeit."

Quelle: http://www.nzz.ch/feuilleton/musik/musik-ohne-gewicht-1.18457880

Anton Holzer: Verbotene Bilder. Die Faszination entblösster Körper - eine Geschichte der erotischen und pornografischen Fotografie

"Wir sollten uns also hüten, das normative Regelwerk, das über Zulassung und Verbot wacht, als eherne, unverrückbare Grenze zu sehen. Vielmehr ist der Umgang mit Erotik und Pornografie immer von Mehrdeutigkeiten und Paradoxien geprägt. Je nach Land, Publikum, sozialer Schicht, medialer Öffentlichkeit und gesellschaftlichen Gebrauch der Bilder kann die Trennungslinie zwischen erlaubt und unerlaubt anders und oft sehr widersprüchlich verlaufen. Zudem ist die Unterscheidung zwischen akzeptierter Erotik und geächteter Pornografie, zwischen Zeigbaren und Unzeigbaren fliessend. Pornografisch ist eine Foto zumeist nicht per se, sondern nur dann, wenn sie durch explizite oder implizite Normen, Gesetze oder kollektive Zuschreibungen in eine gesellschaftliche Tabuzone gerückt wird. Michel Foucault hat diesen Zusammenhang Mitte der 1970er Jahre folgendermassen ausgedrückt: 'Die Geschichte der Pornografie ist eine Geschichte der Zensur. Pornografie wird gewissermassen durch die Zensur konstituiert.'"

Quelle: Neue Zürcher Zeitung, 10. Januar 2015 (Nr. 7, 236. Jg.), S. 23

Hartwig Isernhagen: Jonathan Swift, "Charlie Hebdo" und wir. Über Satire und Gewalt

"Der Ekel vor dem Menschen, der den eigenen Ansprüchen ans Humane nicht oder nicht mehr entspricht, produziert eine gewaltsame Zurückweisung. Der da spricht, ist der Satiriker in seiner härtesten Erscheinungsform. Sein Text ist eine Satire, die ihre Quelle in der Aggression gegen das Andere, das als schlecht erfahren wird, nicht verleugnen kann. Man muss froh sein, dass er dieses Andere nicht gleich auslöscht, totschlägt, vernichtet. Das ist aber genau der Punkt der Satire: Sie bleibt Sprache, und so lange sie Sprache bleibt, kommt es eben nicht zum Totschlag. Satire bietet der Gewalt eine Ausdrucksform und fängt sie damit ein, bevor sie Handlung werden kann. Die Karikaturen in 'Charlie Hebdo' sind ebenso wie die dänischen Mohammed-Karikaturen Versuche, eine wahrgenommene Gefährdung durch Kräfte innerhalb des Islam in aller Härte zu beantworten, ohne zu handeln."

Quelle:  http://www.nzz.ch/feuilleton/ueber-satire-und-gewalt-1.18458079

Andrew Heslop: Im Namen der Freiheit. Der Anschlag von Paris zielt auf das Fundament unserer Demokratie

"So schockierend es ist: Der Anschlag auf die Redaktion des wichtigsten wöchentlichen Satiremagazins ist kein Einzelfall, sondern ein weiteres schreckliches Beispiel der gewalttätigen Realität, der tausende von Journalisten rund um den Erdball ausgesetzt sind. Spricht man mit Journalisten und Journalistinnen in Jemen, Syrien, im Irak, in Pakistan, Mexiko und unzähligen anderen Ländern, erkennt man, dass sie mit dem Schock und der Angst, die nun auch Frankreich erschüttert haben, vertraut sind."

Quelle: http://www.nzz.ch/meinung/debatte/im-namen-der-freiheit-1.18458077

Andres Wysling: Guillotine gegen Krummsäbel. Durch die Terrorwelle in Frankreich werden die Spannungen einer gespaltenen Gesellschaft verstärkt. Es droht die Gefahr, dass ein autoritäres Gesellschaftsmodell das freiheitliche verdrängt

"Die Bevölkerung Frankreichs ist geteilt in Einheimische und Zugewanderte aus Afrika beziehungsweise Nordafrika, aus den ehemaligen Kolonien - wobei die meisten 'Zugewanderten' in Frankreich aufgewachsen oder geboren und somit französische Staatsbürger sind. Sie machen über zehn Prozent der Bevölkerung aus, viele von ihnen sind Muslime, viele leben in den Sozialbau-Ghettos an den Stadträndern. Und allzu viele haben wenig Aussichten, aus diesen Ghettos herauszukommen, denn sie sind nachweislich benachteiligt bei der Stellensuche und bei der Wohnungssuche, sitzen also in einer Armutsfalle, seit dem Ausbruch der Wirtschaftskrise noch mehr als früher. 'Egalité', Chancengleichheit, gibt es in Frankreich eindeutig nicht. Die Bevölkerung in den Ghettos verzichtet zum Teil darauf, sich in die allgemeine französische Gesellschaft zu integrieren. Manche junge Leute wollen sich aus Trotz ganz bewusst nicht integrieren."

Quelle: http://www.nzz.ch/meinung/kommentare/guillotine-gegen-krummsaebel-1.18457987

Freitag, 9. Januar 2015

Amol Rajan: "Jailing" of asylum seekers is a stain on Britain's moral character

"After all, it is wrong to keep asylum seekers locked up for, in some cases, going on for five years before we decide if they can stay because of the pace of bureaucracy in Britain. It is hard not to feel that this is allowed to happen because of a general public hysteria about foreigners invading our island nation. But for the sake of our country's moral fibre, let alone those foreigners, we ought to put an end to this cruel practice."

Quelle: http://www.standard.co.uk/comment/comment/amol-rajan-jailing-of-asylum-seekers-is-a-stain-on-britains-moral-character-9965025.html

Donnerstag, 8. Januar 2015

Jürgen Ritte: Im Spiegel der Dekadenz. "Unterwerfung" - Michel Houllebecqs brisante Parabel auf Frankreichs Zukunft sorgt für mediale Erregung

"Es handelt sich bei Houllebecqs Zukunftsvision um - angesichts der gegenwärtigen Hysterie vielleicht ratsam daran zu erinnern - Literatur. Um eine politische Parabel, die von Überzeichnungen lebt. Houllebecq entwirft die Islamisierung des Landes nicht als finsteres Bedrohungsszenario. Sein Mohammed Ben Abbes ist kein Gotteskrieger, kein Jihadist, nicht einmal ein grimmiger Islamist. Mit dem neuen Präsidenten gelingt die EU-Erweiterung auf die Türkei und die nordafrikanischen Staaten, und dank dieser mediterranen Ausrichtung besetzt Frankreich wieder wieder ein geopolitisches Zentrum in der weltweiten Machtbalance. Auch wirtschaftspolitisch renkt sich langsam wieder alles ein: Die Frauen verschwinden aus dem Betufsleben, das schafft Arbeitsplätze. Selbst die marode Sorbonne blüht, dank den Petrodollars aus der saudischen Ölmonarchie, wieder auf. Dafür ist sie jetzt eine islamische Universität."

Quelle:  http://www.nzz.ch/aktuell/startseite/im-spiegel-der-dekadenz-1.18456403

Mittwoch, 7. Januar 2015

Milosz Matuschek: Wird's besser? Wird's schlimmer?

"Philip E. Tetlock hat Prognostiker auf den Prüfstand gestellt. Der Professor für Psychologie wertete 28 000 Aussagen von Experten aus unterschiedlichen Disziplinen über einen Zeitraum von fast zwei Jahrzehnten aus. Ergebnis: Die Experten schnitten nur knapp besser ab als der Zufall. Ebenso gut hätte man einen Schimpansen mit Dartpfeilen auf eine Scheibe mit Zukunftsszenarien werfen lassen können."

Quelle:  http://www.nzz.ch/meinung/kolumnen/wirds-besser-wirds-schlimmer-1.18455627

Elisa Hübel: "Grexit" ist in aller Munde. Griechenlands Austritt aus der Euro-Zone als Gespenst

"Auch der Syriza-Vorsitzende Alexis Tsipras äusserte sich zum Thema. Sowohl dem Regierungschef als auch dem Establishment warf er Rücksichtslosigkeit vor. Bewusst werde die Angst vor einem Verlassen der Euro-Zone geschürt und ein Staatsbanrott herbeigeredet, um die Wähler zu beeindrucken. Richtig sei, dass man nach einer Regierungsübernahme vieles verändern werde. Tsipras will Entlassungen im öffentlichen Sektor rückgängig machen und den Mindestlohn auf das Vorkrisenniveau von 751 Euro erhöhen. Nicht besteuern will er Einkommen, die unter einer Grenze von 12 000 Euro liegen, und 30 000 armen Familien verspricht er eine kostenlose Stromversorgung. Nach seinem Wahlsieg müssten die Reichen erklären, woher sie ihren Reichtum hätten."

Quelle: Neue Zürcher Zeitung, 7. Januar 2015 (Nr. 4, 236. Jg.), S. 1

Markus Bernardt: Griechen brauchen neue Europäer. Wirtschaftshilfe statt Dauerschuldendienst, Realusmus statt Grexit-Gespenster

"Zwei Drittel der Rekordfinanzhilfe von 240 Milliarden Euro werden am Ende für die Bedienung von Zinsen und die Rückzahlung von Anleihem verwendet worden sein. Nicht etwa für den Aufbau einer griechischen Wirtschaft, die dann selbst in der Lage wäre, eine Staatsschuld zu bedienen, wie andere Staaten es eben auch tun. Dies war eine bewusste Entscheidung der Kreditgeber der Troika. Es ist das Recht der politischen Linken, den Bruch mit dieser Sparpolitik zu fordern. Ob sie damit auch nur halbwegs Erfolg bei den Gläubigern hat, ist eine andere Sache."

Quelle:  http://mobil.derstandard.at/2000010052728/Griechen-brauchen-neue-Europaeer

Natalie Nougayrède: Amnesia, not immigration, is Europe's problem

"Things were never stable, nor populations fixed in stone. Europe is after all the appendix of a great and contrasted landmass - it was always meant to be a crossroads. We ma be baffled by changes, but there were times when we lived with much more diversity in our midst."

Quelle: http://www.theguardian.com/commentisfree/2015/jan/06/amnesia-immigration-europe-lesson-grim-history-future-multicultural

The Guardian: The Guardian view on the euro: running out of road. Editorial

, "The potential for flexibility in Frankfurt was, in truth, always one of three planks in an unstated grand bargain, the others being the north's acceptance of effective forebearance, and the south's swallowing of austerity. But after years of this mix, the economy ramains stagnant. The north sees no prospect of early repayment, and appalling numbers of citizens in the south are condemned to idleness. Patience is running out on all sides. The euro is no longer up against some passing financial storm but the force of European democracy.

Quelle: http://www.theguardian.com/commentisfree/2015/jan/05/guardian-view-on-the-euro-running-out-of-road

Dienstag, 6. Januar 2015

Urs Hafner: Signifikant wahr. Der Wissenschaftsbetrieb bekämpft den Betrug und fördert den Bluff

"Doch so oder so neigen die Forschenden dazu, die erhobenen Daten so lange durchzurechnen, bis sie eine signifikante Aussage erhalten. Dann gilt also zum Beispiel in der Psychologie folgender Lehrsatz: Je umsichtiger der Raucher seinen Rauchstopp plant, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieser gelingt. Oder: Rosenduft steigert die Gedächtnisleistung. Oder: Curry erhöht die kognitive Leistung des Gehirns bei älteren Menschen. Oder: Eltern von Töchtern haben ein höheres Scheidungsrisiko als Eltern von Söhnen. Oder ist es gerade umgekehrt?
Man merkt: Bei dieser Art von Forschung macht es zwar für den jungen Forscher und das ihn bewertende Forschungssystem einen Unterschied, ob er das erhoffte Resultat erzielt oder nicht. Wenn nicht, sitzt er ohne Ausbeute da und muss von vorn beginnen. Wenn ja, kann er sein Experiment vielleicht sogar in einem 'Top-Journal' veröffentlichten, was für seine Karriere unabdingbar ist. Die Publikation nämlich erhöht seine Chance, weitere Gelder zu erhalten. Eventuell avanciert er zu einem als 'exzellent' gelabelten Forscher, dessen Karriere weiter nach oben führt, sofern er weiterhin fleissig in dem tonangebenden Journals publiziert.
Doch im Grunde, nüchtern besehen, ist es völlig unerheblich, ob nun der Rosen- oder halt ein anderer Blumenduft welche Leistung auch immer steigert oder ob man nun eine vermüllte oder aufgeräumte Gegend was für Gedanken auch immer hervorruft. Man braucht nur einen Moment nachzudenken: Diese Forschung ist so inhasltsleer und realitätsfern, dass es gar nicht darauf ankommt, ob sie gefälscht ist oder nicht oder ob der p-Wert  erreicht worden ist oder nicht. Es kommt in dieser Forschung auf gar nichts mehr an.
Da braucht man sich dann auch nicht zu wundern, dass hier Arbeiten manipuliert werden. Die Forschenden glauben wohl selbst nicht daran, dass ihre Resultate ausserhalb des wissenschaftlichen Qualifikationssystems irgendeine Relevanz haben. Sie liefern dem Wissenschaftsbetrieb, was sie ihm liefern müssen, um neue Gelder zu erhalten, mit denen sie neue Experimente durchführen und neue Papers fabrizieren können, die kaum jemand lesen mag. Der Konkurrenzdruck, der vor allem ein Publikationsdruck ist, erlaubt kein Innehalten. Möglichst viel muss der aufstrebende Forscher publizieren, möglichst schlagende Resultate - und all dies ohne Selbstzweifel."

Quelle: http://www.nzz.ch/wissenschaft/bildung/die-wissenschaft-bekaempft-den-betrug-und-foerdert-den-bluff-1.18454508

Montag, 5. Januar 2015

Jan-Christoph Kitzler: Flüchtlingspolitik. Ein sicherer Weg nach Europa ist nicht gewollt

Frontex, die Grenzschutzagentur, die nun in Warschau Krokodilstränen vetgießt, schafft es nicht, Europas Grenzen dicht zu halten. Wie auch - angesichts von Millionen Menschen auf der Flucht direkt vor unserer Haustür. Die Abschottung Europas, sie funktioniert nicht. Und die international vernetzten und hoch professionellen Schlepperbanden haben sich damit bestens arrangiert. Sie sind Teil einer Abschiebungsindustrie, eines Systems, bei dem auch Europa gerne mal wegschaut.

Quelle: http://www.deutschlandfunk.de/fluechtlingspolitik-ein-sicherer-weg-nach-europa-ist-nicht.720.de.mhtml?dram:article_id=307732

Sonntag, 2. November 2014

Steffen Roski: Bildung als Markt. Die Strategie von Bertelsmann

Die Bertelsmann AG gehört weltweit zu den größten Medien- und Informationsdienstleistungskonzernen. Mit der Fernsehtochter RTL, den Buchverlagen von Random House / Penguin Books sowie der Zeitschriftentochter Gruner + Jahr erreicht Bertelsmann täglich ein Millionenpublikum in der BRD, in Europa und der übrigen Welt. Die Dienstleistungstochter arvato betriebt Inkassoservices und sammelt über den Betrieb von Bonuspunktsysteme Daten der kaufkräftigen Kundschaft.

Bertelsmann-Chef Thomas Rabe monierte im Gespräch mit der Wochenzeitung DIE ZEIT (20. Februar 2014), dass der im nordrhein-westfälischen Gütersloh ansässige Konzern noch längst nicht alle Profitmöglichkeiten ausgeschöpft habe. So stelle das „Bildungsgeschäft“ ein Feld dar, das Bertelsmann noch zu bestellen habe. Jetzt sind erste Fakten geschaffen worden. Mit dem Aufkauf von US-amerikanischen Bildungsdienstleistern strebt Bertelsmann die Marktführerschaft in Nordamerika an.

Das Engagement in diesem Geschäftsfeld kommt nicht von ungefähr. Mehr als drei Viertel der Konzernanteile werden von der steuerlich begünstigten „gemeinnützigen“ Bertelsmann Stiftung gehalten. Im Bildungswesen kooperiert die Stiftung seit Jahrzehnten mit Schulbehörden und Bildungsministerien, vergibt Preise, berät Hochschulen, evaluiert Schulen, veröffentlicht Leistungsranglisten, leistet politische Lobbyarbeit, knüpft Netzwerke von Wissenschaftlern, Politikern und Bildungsbürokraten.

Diese Vorfeldarbeit der Bertelsmann Stiftung soll sich nun in klingender Münze für den Konzern auszahlen. Bildung wird im Rahmen von Freihandelsregimen wie TTIP zu einem marktförmigen Produkt, zu einer Ware.


Mein Blog befasst sich in einem umfassenden Sinn mit dem Verhältnis von Wissen, Wissenschaft und Gesellschaft. Ein besonderes Augenmerk richte ich dabei auf die Aktivitäten des Medien- und Dienstleistungskonzern Bertelsmann und der Bertelsmann Stiftung.