Dienstag, 31. Juli 2012

Hans Schuh: Stoppt den Bio-Wahnsinn

Denn längst wird Biomasse im großen Stil global gehandelt. Ob Mais, Zucker und Soja aus Nord- und Südamerika oder Palmöl aus Asien, Deutschland kauft diese Ressourcen überwiegend im Ausland. Dazu notiert die Leopoldina-Studie für das Jahr 2010: »Ohne Importe hätten weniger als drei Prozent des Primärenergie-Verbrauchs durch in Deutschland gewachsene Biomasse nachhaltig abgedeckt werden können.« Tatsächlich wurden rund sieben Prozent des hiesigen Primärenergieverbrauchs aus Biomasse erzeugt – also mehr als das Doppelte. Und weil heimische Quellen weitgehend ausgeschöpft sind, kann ein deutlicher Ausbau der Bioenergie nur über Importe erfolgen.

Mein Blog befasst sich in einem umfassenden Sinn mit dem Verhältnis von Wissen, Wissenschaft und Gesellschaft. Ein besonderes Augenmerk richte ich dabei auf die Aktivitäten des Medien- und Dienstleistungskonzern Bertelsmann und der Bertelsmann Stiftung.

Thomas Pany: Deutsche Panzer für die neue Interventionsmacht Katar?

Auch das Herrscherhaus in Katar, die Familie al-Thani ist eng mit dem bahrainischen Herrscherhaus, den al-Kalifas befreundet (und sogar entfernt verwandt, der Stamm Utub, aus der die al Khalifas stammen, war bis 1783 in Katar zuhause). Sollte die schiitische Mehrheit in Bahrain dem Herrscherhaus weiter zusetzen, wäre es nicht mit völliger Bestimmtheit auszuschließen, dass eine Krauss-Maffei Wegmann Lieferung auch aus Katar zur Unterstützung der Freunde eingesetzt würde. Die Schiiten stellen in Katar nur eine Minderheit. Von internen Konflikten ausgehend von Schiiten ist bislang noch nichts an die größere Öffentlichkeit gedrungen; bisher gibt es, was innere Unruhen betrifft, aus dem durch große Gasfelder richtig reichen Land wenig zu berichten. Das viele Geld befriedet manches und deckt vermutlich einiges an Spannungen zu.

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Florian Rötzer: Vorteil in Mathematik durch Faulheit? Jungen raten, Mädchen zählen

Mädchen, so das Ergebnis, würden langsamer und genauer vorgehen, die Jungen schneller oder impulsiver und irrtumsfreudiger. Mädchen errechnen die Lösung eher durch Zählen, Jungen sollen fauler sein und lieber das Gedächtnis benutzen. Der "beobachtete Unterschied in der arithmetischen Genauigkeit", so Drew Baily, einer der Autoren, werde vermutlich durch die Bereitschaft verursacht, falsch zu liegen, wenn Jungen statt Rechnen den Gedächtnisabruf bevorzugen. Damit machen sie zwar mehr Fehler, sind aber schneller bei der Beantwortung, haben also eine kürzere Reaktionszeit, weswegen sie mehr Aufgaben in derselben Zeit lösen.

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Peter Nowak: Von Acta zu INDECT? - In mehreren europäischen Ländern gab es am Wochenende Proteste gegen ein EU-Überwachungsprogramm, das vor 2 Jahren gestartet ist

Ein Grund dafür könnte sein, dass mit Begrifflichkeiten wie "Orwells 1984" oder " Science Fiction wird Realität" eher Ohnmacht als Widerstandswillen erzeugt wird. Zudem ist es auch nicht unwahrscheinlich, dass große Teile der Bevölkerung mit Kriminologen und Sicherheitspolitikern die Utopie einer Gesellschaft teilen, in der abweichendes Verhalten schon im Vorfeld erkannt und gegebenenfalls sanktioniert werden kann. Genau darum geht es bei dem Programm. Videokameras, die in Kombination mit Drohnen Menschen über einen längeren Zeitraum verfolgen, Computerprogramme, die Gesichter automatisch wieder erkennen und die abweichendes Verhalten schon an der Mimik oder der Handbewegung erkennen, bevor es ausgeführt wird.

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Montag, 30. Juli 2012

Blog von Jens Wernicke: Märchen, Kurzgeschichten und anderes

Blog von Jens Wernicke

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neulich-bei-netto.de: 3 Minuten Solidarität für Göttinger Vertrauensleute bei Netto

Ein gemeinsamer Antrag aller Fraktionen unterstützt die Beschäftigten und die ver.di Aktiven bei Netto. Das Vorghehen von Netto, Filialen von einem auf den anderen Tag zu schließen, verurteilt der Rat. Außerdem fordert der Rat der Stadt Göttingen von Netto, den Erhalt der Arbeitsplätze in der Region Göttingen.

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Kurt Drawert: Der entrissene Text VIII

Die E-Mail ist zu einer Ersatzform des Briefes geworden, bequem in der Handhabung, in Denkgeschwindigkeit zu distribuieren, synchron zu den Ereignissen selbst. Das ist ihr gewaltiger technologischer Vorteil. Aber wartet sie oder ihr Sender tatsächlich so lange, wie die Oma auf den Briefträger gewartet hat? Geduldig und voller Demut, wenn heute wieder keine Nachricht kam? Oder ist sie nicht schon lange distinguiert durch ihre Form und eine ihr anhängende Gleichzeitigkeitslogik? <Komm, ich weiss, dass du da bist und meine message gelesen hast>, und so weiter und so fort. Die negative Rückkoppelung auf die Ordnung des Geschriebenen ist klar: Text wird überlesen. Buchstaben fehlen, ganze Wörter stehen falsch in ihrem Satzverband, hier und da ein Abbruch der Rede. Man nimmt es nicht so genau und <versteht> - fast wie jenes <Verstehen>, das sie semantischen Lücken ausfüllt, wie sie jeder Literaturtext bietet, nur dass es sich um keine Poesie dabei handelt, sondern um gestohlene Zeit durch Frequenzverdichtung. Denn die Geschwindigkeit setzt ja keine <neue> Zeit frei, sondern presst in die vorhandene ein vielfaches Pensum. Wir (analogen) Menschen haben ja noch immer sich verbrauchende (analoge) Organe in einer genetisch vorgeschriebenen, natürlichen Zeit, die sich stets relativierend auf die künstliche unserer digitalen Umwelt legt, und in einer Ökonomie der Zeit heisst Frequenzverdichtung eben auch Lebensverkürzung - wobei wir über die symbolische, das heisst <empfundene> Zeit noch gar nicht gesprochen haben, die Gedächtnis und Erinnerung miteinander verkoppelt. Diese auf E-Mail-Mass erhöhte Toleranz für Fehler und Formlosigkeit, wie könnte sie nicht weitergereicht werden auf andere Produkte? Denn das Paradoxe an dem Perfektionsruf, wie die Maschine ihn ausstösst, ist das Arrangement des users mit dem exakten Gegenteil dessen - der blanken Lustlosigkeit und Verluderung. Wir nehmen im Forum der Maschine generell und pauschal die Vorläufigkeit des Gedachten (Geschriebenen) so hin, aber damit fragmentieren wir noch die Fragmente und entziehen dem Text seinen letzten Vorrat an Bedeutung. Die stumme Forderung der Maschine nach Perfektion in einer von Perfektionen glitzernden Warenwelt erzeugt im Sprachgebrauch ihrer Antagonisten - den unabänderlichen Verfall.
(Aus: Neue Zürcher Zeitung, 21. Juli 2012, S. 21)


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Michael Schmidt: Gescheitertes Waffenhandelsabkommen - Lieber keinen Vertrag als diesen

Das in Aussicht genommene Abkommen krankt zudem ganz grundsätzlich an einer allzu naiven Vorstellung von den Möglichkeiten einer wirksamen Kontrolle. Hätte es das Waffensammeln des Amokläufers von Denver verhindert? Nein, weil das nationale Selbstverständnis der Amerikaner dem entschieden entgegensteht. Hätte es die Weitergabe libyscher Waffen an Aufständische und Kriminelle auch in den Nachbarstaaten verhindert? Nein, weil Kontrolle einen funktionierenden Staat voraussetzt, einen, der Waffen zählt und den Handel mit ihnen überwacht. Hätte es den Bürgerkrieg in Syrien kleinhalten können? Nein, weil der Staat selbst Konfliktpartei ist und als Kontrolleur ausfällt, und weil der politische Wille der Lieferstaaten, Russlands, der USA und anderer, sich über etwaige Exportrichtlinien ganz einfach hinwegsetzt.

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GERFRIED SPERL: Obamas Schweigen zum "Batman"-Attentäter - Die amerikanische "Zivilgesellschaft" ist bewaffnet bis an die Zähne

Hätten Holmes oder Breivik eine arabische Abstammung, wäre den Journalisten nie in den Sinn gekommen, die Attentäter als Fall für die Nervenklinik zu beschreiben. Abgesehen davon, dass Islamisten in der Regel keine Psychiater oder Psychologen aufsuchen: Diese Art von Gewalttätern wird sofort mit Religion und Herkunftsvolk identifiziert, der Islam ganz allgemein als mitverantwortlich bezeichnet, und sei es auch nur in Form der Aufforderung, islamische Funktionäre und Imame hätten sich sofort von jeglicher Art der Gewalt zu distanzieren.

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Sonntag, 29. Juli 2012

quotenmeter.de Bertelsmann plant Offensive mit Buchverfilmungen

Um die Werke seiner internationalen Verlagsgesellschaft Random House prominenter in der Fernsehwelt zu platzieren, gründete die Bertelsmann AG die Initiative Random House Television. Diese wird sich in Zusammenarbeit mit der RTL-Schwesterfirma FremantleMedia auf die Fernsehverwertung von Lizenzen aus dem Buchmarkt konzentrieren.


Kommentar von Steffen Roski: Enzenzberger hat einmal sinngemäß über dir Gütersloher Türdrücker gesagt, Bertelsmann mache keine Autoren, sondern stelle Bücher her ... Letztlich geht es darum, das einmal lizenzrechtlich erworbene Werk solange auzuquetschen, bis nichts mehr Verwertbares darinnen ist. Das nennt man euphemistisch Wertschöpfung.Was dabei herauskommt, wenn RTL Literatur verfilmt, weiß man ohnehin: Dreck!


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Kurt Drawert: Der entrissene Text VII

Dieser Einbruch der site auf unsere Seite verschiebt alle Systeme und Referenzen der Texte ganz unabänderlich. Gerade einmal ein paar Jahrhunderte hatten wir Zeit, uns an den Buchdruck zu gewöhnen als eine Setzung, die ja auch so etwas wie teleologische Geborgenheit liefert, metaphysische Verbindlichkeit im Status ihrer stillen, dauernden Präsenz, schon flimmert das alles vor unseren Augen wieder weg und schickt uns ins All. Wer will, kann das als eine fundamentale Verstossung empfinden, die es der Tendenz nach auch ist. - Ob separierte oder kontextuierte Seite, die site im Internet spricht immer etwas anderes aus; sie ist eine zweite gesellschaftliche Vereinnahmung der Sprache im Akt ihrer technizitären Entleerung.
(Aus: Neue Zürcher Zeitung, 21. Juli 2012, S. 21)


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"Die Zeit" kanonisiert Europas Weltliteratur - Serie Teil 2 - 1950 - 1959

Tadeusz Borowski, "Bei uns in Auschwitz. Erzählungen". Aus dem Poln. von Friedrich Griese. Frankfurt am Main: Schöffling, 2006, Gb., 421 Seiten, 24,90 €

Simone de Beauvoir, "Die Mandarins von Paris. Roman". Aus dem Franz. übertr. von Ruth Ücker-Lutz und Fritz Montfort. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1997, Kt., 795 Seiten, 11 €

Samuel Beckett, "Der Namenlose. Roman". Aus dem Franz. von Elmar Tophoven. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1995, Tb., 178 Seiten, 6,50 €

Boris Pasternak, "Doktor Schiwago., Roman". Aus dem Russ. übertr. von Reinhold von Walter. Übertr. der Gedichte des Juri Schiwago von Rolf-Dietrich Keil. Frankfurt am Main: Fischer-Taschenbuch-Verlag, 1991, Tb., 618 Seiten, 11 €

Günter Grass, "Die Blechtrommel. Roman". Göttingen: Steidl, 2009, Gb. 778 Seiten, 19,90 €

Heimito von Doderer, "Die Dämonen. Nach der Chronik des Sektionsrates Geyrenhoff. Roman". München: Beck, 2008, Gb., 1344 Seiten, 39,90 €

William Golding, "Herr der Fliegen. Roman". Aus dem Engl. von Hermann Stiehl. Frankfurt am Main: Fischer-Taschenbuch-Verlag, 2003, Tb., 281 Seiten, 7,95 €

[Derzeit nur antiquarisch erhältlich] Michel Butor, "Paris - Rom oder die Modifikation. Roman". Aus dem Franz. von Helmut Scheffel. Frankfurtam Main: Suhrkamp, 1989, Tb., 292 Seiten

Giuseppe Tomasi de Lampedusa, "Der Leopard. Roman". Aus dem Ital. von Charlotte Birnbaum, München & Zürich: Pieper, 1997, kart., 337 Seiten, 9,95 €

Giorgos Seferis, "ionische Reise". Aus dem Neugriech. übertr. und mit einem Nachw. vers. von Gerhard Emrich, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2006, Gb., 95 Seiten, 11,80 €





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Heinz-Elmar Tenorth: Brauchen wir die Universität noch?

Heute werden in den öffentlichen Haushalten für die Hochschulen in Deutschland 12,7 Milliarden Euro ausgegeben, für die außeruniversitäre Forschung schon 7 Milliarden (2010). Von rund 20 Milliarden öffentlichem Forschungsgeld bekommen die Universitäten noch knapp 65 Prozent - gegenüber mehr als 80 Prozent noch 1990, und diese Umschichtung vollzieht sich mit steigender Tendenz, weil die Etats der außeruniversitären Forschung seit 1990 kontinuierlich wachsen, während die Etats der Hochschulen bestenfalls stagnieren.

(Aus: Die Zeit, 19. Juli 2012, S. 63)

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Samstag, 28. Juli 2012

Steffen Roski: Piraten und Abgeordnetenabgaben

Mit großem Interesse habe ich die aktuelle Debatte um die Finanzierung der Parteiarbeit verfolgt. Es wird die Forderung erhoben, Abgeordnete sollten einen bestimmten Anteil ihrer Bezüge der Partei zur Verfügung stellen. Oberflächlich betrachtet erscheint dies als ein fast logisch zwingender Zusammenhang: Die / Der Abgeordnete ist ja schließlich über die Liste(n) der Partei in den jeweiligen Landtag gelangt, also habe sich diese/r auch entsprechend erkenntlich zu zeigen.

Nach meiner Ansicht stellt sich das Problem allerdings anders. Auf Grund ihrer Position und Funktion haben Abgeordnete sowieso schon eine exponierte Stellung innerhalb und außerhalb der Partei. Sie finden gewöhnlich rascher Medienaufmerksamkeit, können sich politisch sozialisieren etc. Wenn nun diese Leute auch noch zu Finanziers der Parteiarbeit würden, dann würden sie ihre Stellung noch weiter stärken können. Ich denke, dass ein Leitspruch der Piraten dieser sein sollte: "Vorteile auf Grund monopolisierter Ressourcen sollte es nicht geben!" Wenn ich dies weiterdenke, gelange ich zu der Auffassung, dass Beiträge von Abgeordneten stets freiwillige und projektbezogene Abgaben sein sollten. Lasst uns unsere MdL und - prospektiv: MdB und MdEP - daran messen, welche politischen Projekte sie voran zu bringen imstande sind. "Kopfpauschalen" sind hier kaum hilfreich!


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Kurt Drawert: Der entrissene Text VI

<Entkleidungsverpflichtung> beim Eintritt ins Internet meint eines wortwörtlich: seine Textsachen abzulegen und mitzuverfolgen, wie sie verschwinden. Das betrifft nicht nur die Schrift in einem Portal, die immer eine verschwindende ist; spätestens nach ein paar voreingestellten Minuten des aktivierten Bildschirmschoners zwangsläufig und sowieso, der zwar immer wieder zurückgestellt werden kann, aber prompt daran erinnert, dass eine Schrift niemals stehenbleiben darf - und genau diese subalterne Benachrichtigung erreicht ihren Zweck und vergegenwärtigt den Charakter der Flüchtigkeit, der mit dem des Fragments liiert ist. Das Verschwinden ist so immer schon vor das Erscheinen gesetzt, und das kippt sie ontologische Grunderfahrung unseres Lebens in eine seitenverkehrte und, so kann man sagen, fatalere Position: nicht vom Sein auf das Vergehen zu existieren und zu schreiben vom Text hin auf eine letzte Seite des Textes, die immer auch leer bleibt (für den unerzählten Rest), sondern eben in dieser Umkehrung. Schon vom Nichts herzukommen, ehe noch das Nichts alles wieder nimmt, ist die Internetwahrheit, und nicht die Extraversion eines Interesses.

(Aus: Neue Zürcher Zeitung, 21. Juli 2012, S. 21)

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Peter Mühlbauer: Interview mit Andreas Riekeberg - "90 Prozent des Marktes für die Sorten der Saatgut-Industrie reserviert"

Die Konzentration auf dem Saatgutmarkt auf wenige Anbieter hat in den letzten Jahren in Europa und weltweit stark zugenommen. Noch in den 70er Jahren gab es weltweit Tausende Zuchtbetriebe, keiner hatte mehr als 1 Prozent Anteil am Weltmarkt. Mittlerweile teilen sich die 10 größen Konzerne 70-80 Prozent des Weltmarktes und sind zudem durch Kooperationsprojekte auch untereinander verflochten. Die EU-Saatgutgesetzgebung, die den Handel mit Saatgut von zugelassenen Sorten regelt, stand dem nicht entgegen. Die vom Urteil bestätige Erhaltungssorten-Gesetzgebung sieht bei Ackerfrüchten ausdrücklich vor, dass der Anteil aller Erhaltungssorten nicht mehr als 10 Prozent am Markt der jeweiligen Ackerfrucht betragen darf - so bleiben 90 Prozent des Marktes für die Sorten der Saatgut-Industrie reserviert.

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Freitag, 27. Juli 2012

tagesschau.de: Interview mit Thomas Köhler - "Facebook sucht nach wie vor ein Geschäftsmodell"

Letztendlich nur so, dass sie die Nutzer zu Geld machen - das heißt die Daten, die sie erhoben haben und laufend erheben von inzwischen angeblich 950 Millionen Menschen weltweit. Das ist die einzige Chance, die Facebook hat. Und da wird man immer aufdringlicher: Ich erinnere nur an die zwangsweise Aufschaltung von Facebook-Email-Adressen und jetzt - gerade bekannt geworden - die Überwachung von Online-Chats.

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mobiwatch.de Google startet Suche per Handschrift-Eingabe

Einfach einmalig in den Einstellungen die Handschrift-Erkennung aktivieren, dann reicht künftig ein Klick auf das zugehörige Icon unten rechts – anschließend kann auf der gesamten mobilen Website von Google das gesuchte Wort per Touchscreen eingegeben werden.

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cbgnetwork.de: Pharmatests in Indien - Todesfälle bei Pharma-Studien

Immer mehr Pharma-Studien werden nach Indien verlagert. Die Zahl der Geschädigten nimmt von Jahr zu Jahr zu. Im Zeitraum von 2007 bis 2010 starben 1.600 Inder/innen bei klinischen Studien, allein 138 bei Tests der Firma BAYER. Da die Daten auf Angaben der Pharmafirmen basieren und keine unabhängigen Kontrollen durchgeführt werden, dürften die tatsächliche Zahlen weit höher liegen. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren fordert von BAYER Aufklärung. Die CBG fragt u.a. nach Zahl und Dauer der Studien, den untersuchten Medikamenten, den beauftragten Subunternehmen sowie nach der Häufigkeit von Nebenwirkungen und Todesfällen.

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Kurt Drawert: Der entrissene Text V

Der entrissene Text kann sich in keiner Weise je wieder finden. Hier und dort tauchen ein paar Reste von ihm auf, bleiben Spannungen, die immanent sind, erhalten, aber sein einzigartiger Komplex, seine semiologische Architektur ist beschädigt. Es ist, wie einen Pianisten der Philharmonie ans Klavier auf den Marktplatz zu zerren: Was immer er spielt, es klingt nach Bockwurst und Bier. Die Signifikanten des Raumes stören die des Textes ununterbrochen, und diese Okkupation ist nur zu verhindern, indem der Raum gemieden und das Medium ausgelassen wird. Es wäre konsequent, aber nicht praktisch, und deshalb bedienen wir es weiter. Und damit jetzt nicht der Eindruck einer singulären Klage entsteht eines Schreibers und seines Textes, auf den die Welt gut verzichten kann - es geht hier nicht nur um eine Produzentenkrise, sondern ebenso um die Krise des Konsumenten, der um seine Möglichkeiten des Lesens gebracht und um jede Form der Nachhaltigkeit betrogen wird. Lassen wir es jetzt, hier weiter darüber nachzudenken, ob der Betrug am Sinn nicht schon ein Begehren nach Unsinn einlöst, nach Abschaltung aller Netze und Schliessung der Bibliotheken (wie in einem Todeswunsch bei Freud). Die Veränderung der Textintention durch die Verschiebung des Textes in ein anderes Medium wollen wir beobachten und stellen fest, dass es keine Verbindlichkeit der Signifikate gibt. Die Flüchtigkeit des Netzes wird zur Flüchtigkeit des Textes. Wir lesen auch schneller auf einem Bildschirm als in einem Buch, weil der Fliesstext unterhalb des Textes permanent mitläuft, gleichviel, ob wir ihn sehen - wir denken ihn mit. Es ist schlichter Unfug, von einer Freiheit des users zu sprechen, wenn dieser schon präfiguriert ist, noch ehe er eingeschaltet hat. Wie eine Ratte, die unter Reizstrom steht, erinnert er sich an die subtile Forderung der Maschine, sich hineinzuziehen und die Texte entreissen zu lassen. Diese Prozedur ist Minimalkonsens und, wie in einem Gang in die Sauna, Entkleidungsverpflichtung. Wir sehen das Phänomen der Bildung von Dispositiven sehr deutlich auch an unserem Handy, das wir zwar ausschalten können, aber nur unter Androhung sozialer Verluste (die natürlich Gewinne sein könnten). <Warum warst du nicht zu erreichen?>. ist ein Imperativ, den wir in Kauf nehmen müssen, um erreichen zu können; und sei es nur die Einbildung davon, erreicht zu haben.

(Aus: Neue Zürcher Zeitung, 21. Juli 2012, S. 21)

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