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Mittwoch, 23. Mai 2012

Steffen Roski: Bertelsmann / RTL macht alle froh: Goldkehlchen für ganz oben und Sozialpornos für ganz unten


Neue Stimmen braucht das Land


Seit 1987 lobt die Bertelsmann Stiftung gut dotierte Preise und potentielle Schallplattenverträge im Gesangswettbewerb „Neue Stimmen“ aus. Im gut geölten Jargon der Bertelsmann Stiftung heißt es u.a.:

Der internationale Gesangswettbewerb NEUE STIMMEN soll junge Nachwuchstalente aus dem Opernfach aufspüren, fördern und ihnen den Weg in nationale und internationale Karrieren öffnen ...

Die NEUEN STIMMEN folgen der Überzeugung der Bertelsmann Stiftung, dass Wettbewerb die wesentliche Basis für Entwicklung darstellt. Folgende Leitlinien prägen die NEUEN STIMMEN:

Die NEUEN STIMMEN haben sich zum Ziel gesetzt, in ihrer Arbeit inhaltlich, künstlerisch und organisatorisch den höchsten qualitativen Ansprüchen gerecht zu werden.

Die NEUEN STIMMEN verpflichten sich zu Transparenz und Fairness bei der Bewertung aller Wettbewerbsteilnehmer.

Die NEUEN STIMMEN verstehen sich als ein Instrument der internationalen Verständigung mit dem Grundsatz, absolute Toleranz gegenüber der kulturellen Vielfalt und dem Individuum zu wahren.

Die NEUEN STIMMEN fördern den internationalen Opernnachwuchs im Sinne der gesellschaftlichen Verpflichtung zur Pflege und Weiterentwicklung der klassischen Musiktradition.

Was heißt bei Bertelsmann eigentlich "Gemeinnützigkeit"?


Die NEUEN STIMMEN, ein Projekt der Bertelsmann Stiftung, verfolgen ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke.“
Ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke“ werden hier verfolgt. Oder doch nicht? Die Fakten sprechen für sich:
Sony BMG Music Entertainment ist eine der größten Plattenfirmen der Welt. Sie ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Konzerne Bertelsmann und Sony zu gleichen Teilen und verfügt über einen weltweiten Marktanteil von ca. 25 %. Damit gilt sie als Major-Label. (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Sony_BMG_Music_Entertainment – 10. Juli 2008, 14:35 Uhr MEZ
Die Bertelsmann Stiftung präsentiert sich, um öffentliche Anerkennung und politischen Zuspruch rege bemüht, als Förderin der schönen Künste. Natürlich tut sie dies – nebenbei gesagt – nicht uneigennützig, steht doch hinter ihr ein weltweit agierender Medienkonzern, der vor allem am Erwerb von Rechten an geistigem Eigentum und künstlerischer Betätigung interessiert ist. Damit ist das Bild der Lüge noch nicht vollständig. Wer ausschließlich das Elitesegment betrachtet - „Die NEUEN STIMMEN fördern den internationalen Opernnachwuchs im Sinne der gesellschaftlichen Verpflichtung zur Pflege und Weiterentwicklung der klassischen Musiktradition“ -, erkennt nur die halbe Wahrheit. In einer vor ziemlich genau einem Jahr ergangenen Pressemitteilung heißt es:

Appell an die Bertelsmann-Stiftung: Schluss mit bildungsfeindlichen Sendungen in Ihrem TV-Sender!

Mehr als 300 Schüler, Eltern, Lehrer haben einen vom Robert-Blum-Gymnasium in Berlin Schöneberg initiierten offenen Brief unterschrieben, der sich an die Bertelsmann-Stiftung wendet. Unter ihnen auch Angehörige der Schulleitung sowie der Kreisjugendpfarrer Wolfram v. Heidenfeld, der externes Mitglied der Schulkonferenz der Robert-Blum-Schule ist.
Zu den Unterzeichnern gehören auch der prominente Medienkritiker Prof. Manfred Spitzer („Vorsicht Bildschirm!“) von der Universität Ulm, Prof. Dr. Ingrid Lohmann, Universität Hamburg, Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft, Dr. Werner Hopf, Schulpsychologe, Medienforscher und Schulberater in München, sowie der CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Jochen-Konrad Fromme.

Die Stiftung stattet Showrooms für die Reichen und Mächtigen aus; der Konzern sorgt via RTL für die mediale Narkotisierung der Massen


Der in der Bildungsberatung aktiven Stiftung wird vorgehalten, durch seine Sender RTL, RTL 2 und Super-RTL Bildungsferne, Werteverfall und Verrohung von Jugendlichen zu befördern, was im Widerspruch zum Bildungsanspruch der Stiftung stehe. Die Unterzeichner appellieren deshalb, die von Jugendlichen häufig konsumierten Gerichtsshows mit menschenverachtenden Inhalten sowie Filme mit extremen Gewaltdarstellungen abzusetzen und die auf Jugendliche gezielten Werbestrategien einzudämmen. In diesem Zusammenhang wird auch der Ausstieg aus dem sog. „Media-Smart-Projekt“ gefordert, dem vorgeworfen wird, im Rahmen des Schulunterrichts Schüler zu unkritischem Umgang mit Werbung zu erziehen.
Der Appell schließt mit den eindringlichen Worten: „Im Interesse der Bildung der Jugendlichen und im Interesse der Zukunft unseres Landes, aber auch im Interesse Ihrer Glaubwürdigkeit: Machen Sie in diesem Sinne Ihren Einfluss geltend!“
Bei Horst Bethge kann nachgelesen werden, mit welchem strategischem Geschick es der Bertelsmann Stiftung z.B. in Nordrhein-Westfalen gelungen ist, unter Mitwirkung der Landesregierung(en), der Ministerialbürokratie, von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, aber auch der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft durch von ihr entwickelte Evaluationsfragebögen „Schule zu machen“ und aller Welt weiß zu machen, wie sehr ihr doch die Bildung der Kinder am Herzen liege. Gleichzeitig versorgt der Konzern mit den Programmen der RTL Group die sogenannten „bildungsfernen Schichten“ mit telegener Massenware, damit die ihnen angehörenden Kinder angemessen unterhalten werden, wenn ihre Erziehungsberechtigten aufgrund prekärer sozialer Lagen und dem repressiven Druck der – wie Helga Spindler herausgearbeitet hat – von der Bertelsmann Stiftung mitinitiierten Agenda 2010 und ihrem arbeitsmarktpolitischen Bestandteil Hartz IV genötigt sind, aufgrund eines „Niedriglohnjobs“ außer Haus sein zu müssen.