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Mittwoch, 5. September 2012

Eberhard Rondholz: Anmerkungen zum Griechenland-Bild in Deutschland - Essay

Nicht nur Boulevardzeitungen bedienen Vorurteile über Griechenland und seine Bevölkerung und greifen ungeprüft auf, was europäische Entscheidungsträgerinnen und -träger über die "faulen Griechen" (und die anderen Südländer) mitzuteilen haben – obwohl es seriöse Statistiken gibt, denen genaue Zahlen über Wochen- und Lebensarbeitszeit und Urlaubstage zu entnehmen sind. Bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gibt es hierzu folgende Zahlen: In Deutschland arbeiten Beschäftigte im Durchschnitt um ein Drittel weniger als in Griechenland, nämlich 1.390 Stunden pro Jahr im Vergleich zu 2.119 Stunden (2010 waren es 1.408 Stunden im Vergleich zu 2.017 Stunden) – was im Übrigen die längste Jahresarbeitszeit in allen OECD-Ländern ist.[7] Dabei gibt es genügend negative Fakten, über die zu berichten wäre: beispielsweise über sinnlose Waffenimporte in irrsinnigem Ausmaß, darüber, wer sich daran eine goldene Nase verdient und warum bislang nur ein einziger der korrupten griechischen Politiker als Schmiergeldempfänger in Haft kam. Die griechischen Regierungen haben in den vergangenen Jahrzehnten "über ihre Verhältnisse" Waffen gekauft. Nach Angaben des schwedischen Friedensforschungsinstituts SIPRI haben sie über Jahre hinweg bis zu 17 Prozent der weltweiten Waffenexporte Deutschlands abgenommen,[8] um im Wettrüsten mit der Türkei[9] (die ähnlich hohe Importzahlen aufweist) gleichzuziehen. Dabei hätte der griechisch-türkische Konflikt um Hoheitsgewässer und Flugzonen seitens der EU und der NATO längst geschlichtet werden können und sollen.

Mein Blog befasst sich in einem umfassenden Sinn mit dem Verhältnis von Wissen, Wissenschaft und Gesellschaft. Ein besonderes Augenmerk richte ich dabei auf die Aktivitäten des Medien- und Dienstleistungskonzern Bertelsmann und der Bertelsmann Stiftung.