Freitag, 27. November 2020

Steffen Roski: Digitalisierung, Digitalität, Digitalismus. Digitale Bildung in der Corona-Krise - ein Trend-Report



Schule und Bildung sind derzeit in den Brennpunkt der Aufmerksamkeit gerückt. Insgesamt stellt der Bund in den nächsten fünf Jahren 5 Mrd. Euro für die Digitalisierung von Schulen zur Verfügung. Die Länder tragen weitere 500 Millionen Euro bei. Der "Digitalpakt Schule" soll den Aufbau digitaler Lerninfrastrukturen fördern, Schulen sollen also mit leistungsfähigen Netzen und moderner Präsentationstechnik ausgestattet werden. Förderungsschwerpunkte sind dabei u.a. die Einrichtung von Lernplattformen, Cloud-Angeboten und WLAN-Netzen, die Anschaffung von interaktiven Tafeln und anderen digitalen Arbeitsgeräten, wie beispielsweise Laptops und Tablets, sowie die Kosten für die Administration und Wartung der Systeme. Für landesweite ebenso wie für länderübergreifende Vorhaben seien jeweils fünf Prozent der Fördermittel vorgesehen. Im Gegenzug haben die Länder sich verpflichtet, die Aus- und Fortbildung von Lehrerinnen und Lehrern, sowie ihre Lehrpläne weiterzuentwickeln. Besonders im Vordergrund stehen soll dabei auch das Verstehen der digitalen Welt. Auf Grundlage der Lehrpläne soll dann die entsprechende digitale Infrastruktur eingerichtet werden.


Die Corona-Krise hat jenen Auftrieb gegeben, die sich bereits seit vielen Jahren für eine "Digitalisierung" der Bildung aussprechen und einsetzen. Dass es in den Gemeinschaften professioneller Pädagogen über dies Thema eine ebenso lange Debatte über die Vor- und Nachteile dieses Prozesses gibt, liegt auf der Hand. Wirklich wahrheitsfähig sind Ergebnisse pädagogischer Forschung eher selten. So ist das Gesamtbild entsprechend uneinheitlich. Es gibt Schulen sowie Fachbereiche von Hochschulen, die auch unabhängig von den Entwicklungen in der Corona-Krise bereits seit Langem praktizieren, was geschulte Lehrkräfte mit dem Begriff "Digitalität" bezeichnen würden: eine eingeübte Unterrichtspraxis nämlich, die im Grunde bereits vorweggenommen hat, was die Bundesregierung mit dem "Digitalpakt Schule" nun flächendeckend anzustoßen gedenkt. 


Ich möchte vorschlagen, das Begriffspaar "Digitalisierung" / "Digitalität" zu einer Trias zu erweitern und mich für eine Anknüpfung dieser beiden Begriffe an Entwicklungen in der Ökonomie stark zu machen. Mit "Digitalismus" möchte ich die strukturelle Kopplung technologischer Entwicklungen an Profitinteressen von Unternehmen, die in der Digitalwirtschaft operieren, bezeichnen. Über Digitalisierung und Digitalität zu sprechen, heißt dann immer auch: diese strukturelle Kopplung mitzudenken. Vor diesem Hintergrund möchte ich im Folgenden aufzeigen, wie Digitalismus vorangetrieben wird, welche Organisationen und Netzwerke bestehen und die eine oder andere Überlegung darüber anfügen, welche gesellschaftlichen Folgen aus Digitalismusstrategien resultieren mögen.


US-Aktivitäten


Mit einem Volumen von fünf Billionen US-Dollar ist der Bildungssektor der zweitgrößte der Weltwirtschaft. Dies jedenfalls lehrt ein Blick auf die Seite der Bertelsmann Education Group (1). Mit dieser 2015 gegründeten Unternehmensgruppe nutzt Bertelsmann langjährige Branchenkenntnisse sowie stabile, weit gefächerte internationale Netzwerke und stellt Kapital dafür bereit, Bildungsunternehmen zu kreieren. Mit den vorwiegend im US-amerikanischen Markt aktiven Bildungsanbietern Udacity, Relias und HotChalk sind bislang derer drei Bestandteil der Education Group.


Das US-Engagement der Bertelsmann-Tochter ist vor dem Hintergrund des sehr ausgeprägt privatwirtschaftlichen Bildungssektors in den Vereinigten Staaten verständlich, wo sich, Kevin Carey (2) zufolge, eine schleichende Übernahme des Systems der höheren Bildung ereignet hat. Online erworbene Hochschulabschlüsse sind an vielen US-Hochschulen genauso teuer wie jene, die im Präsenzbetrieb erlangt werden können. So kosten beispielsweise die Online- als auch die Campus-Master-Abschlüsse im Bereich Soziale Arbeit an der University of Southern California jeweils exakt 107.484 Dollar. Carey beobachtet einen harten Konkurrenzkampf sogenannter Online Program Managers (OPMs), zu denen auch die Bertelsmann-Übernahme HotChalk zählt: "(P)ublishing giants such as Wiley, Pearson and Bertelsmann have snapped up OPMs for hundreds of millions of dollars. One analyst describes the current state of the industry as 'a scene out of "Mad Max," a chase through these dystopian hinterlands with obstacles in the way and people attacking each other.'" Der relativ offene, kaum regulierte US-Bildungsmarkt bietet OPMs lukrative Aussichten. Wer sich einmal durchgesetzt hat, steht vor profitablen Liaisons mit anerkannten, vertrauenswürdigen, reputierlichen akademischen Organisationen - und es wird dann zunehmend schwierig zu entscheiden, wo jeweils im Strange Loop akademisches Prestige und kapitalistischer Profit beginnt oder endet.


Der Bertelsmann-Konzern ist seit langem global aufgestellt: bereits zu Beginn der 2000er Jahre betrug der Auslandsanteil am Gesamtumsatz 69 Prozent (3). Die erst neu gegründete Education Group ist einer von heute acht Unternehmensbereichen. Für den Bildungsbereich bedeutsam sind darüber hinaus die RTL Group (Fernsehen und Radio), Gruner + Jahr (Zeitschriften) sowie Penguin Random House, der weltweit größte Publikumsverlag für Bücher. Bertelsmann kontrolliert damit mindestens ein Viertel der weltweiten Buchproduktion. Unter dem Vorsitz der Gruner + Jahr-CEO Julia Jäkel steuert die Bertelsmann Content Alliance seit Februar 2019 die Zusammenarbeit aller Inhaltegeschäfte von Bertelsmann. Somit ist z.B. für die Education Group der Zugriff auf alle bildungsbezogenen Contents aus der riesigen Schatzkammer des Medienriesens aus dem ost-westfälischen Gütersloh sichergestellt. 


Weltweit differieren Bildungssysteme enorm, dasjenige der USA unterscheidet sich etwa vom deutschen mit seinem Staatsbezug und der sprichwörtlichen Bildungshoheit der Länder in vielerlei Hinsichten, die "dystopian hinterlands" durch die die Bertelsmann Education Group in den Vereinigten Staaten Jagd auf Konkurrenten macht, sind für die gegenwärtige Bildungslandschaft der Bundesrepublik nicht bestimmend und typisch. So beklagt etwa der Leiter für Bildungsforschung am mmb-Institut, einer "Denkwerkstatt und Impulsgeber für die Innovation von Bildung und Lernen", Lutz Goertz (4), dass von einem Aufblühen der E-Learning-Branche in der Corona-Krise, auch angesichts des mit dem "Digitalpakt Schule" angestoßenen "Digital Turns" keine Rede sein könne: "Vielmehr spaltet die Krise die digitale Bildungswirtschaft in nahezu gleich viele Gewinner und Verlierer – wobei für die meisten derzeit noch keine nennenswerte Veränderung wahrnehmbar ist." 


Digitale Bildung - ein "Muss"!


Der Digitalisierungsprozess dürfte schwerlich in Gang kommen, wenn den meisten Kindern die notwendige Basisausstattung fehlt. In einem kürzlich gesendeten Interview mit dem Deutschlandfunk sieht der Direktor für Bildung bei der OECD, Andreas Schleicher (5), Deutschland schlecht aufgestellt: "Die Digitalisierung bietet uns ja Möglichkeiten, wirklich auch ganz anders zu lernen. Lernen ist kein Ort, Lernen ist eine Aktivität und die Digitalisierung kann das in vielerlei Hinsicht unterstützen, und ich denke, da ist noch sehr viel zu tun. Bei der technischen Ausstattung hat der Digitalpakt jetzt einen ersten Anfang gemacht, aber da braucht man wirklich gute Plattformen, da braucht man Unterrichtsmaterialien, die auch wirklich in die Lehrpläne voll integriert sind." Für Bundesbildungsministerin Anja Karliczek stellt sich kein Abwägungsproblem, ganz im Gegenteil: "Denn digitale Bildung sei 'kein Nice-to-have, sondern ein Must-have'." (6) Margaritis Schinas (EU-Kommissionsvize), Mariya Gabriel (Kommissarin für Innovation und Jugend) und die für Digitales zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager lassen sich ganz ähnlich vernehmen und betonen, die Corona-Krise hätte den Fernunterricht über das Internet ins Zentrum der Bildungspraxis gerückt, es gebe daher den „dringenden Bedarf“, die digitale Bildung zu verbessern – auch in „strategischer und langfristiger“ Hinsicht. (7) Zivilgesellschaftliche Akteure haben den Ball längst aufgenommen. So fordert die Gründerin des Vereins Digitale Bildung für alle e.V., Verena Pausder (8), aktuell in einem Interview mit dem Deutschlandfunk Positivlisten für jene Lernplattformen, die an den Schulen im Fern- oder Hybridunterricht genutzt werden dürfen: "Jetzt zu sagen, was braucht jede Schule, und sie kriegt ein Budget, eine Art Corona-Budget, um jetzt mobile Hotspots, Geräte, Inhalte, Plattformen bezahlen zu können, die sie jetzt besonders in diesen nächsten Monaten braucht, das ist, glaube ich, der Weg nach vorne."


Im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM-Bildungsmonitor 2020) hat das Institut der deutschen Wirtschaft Köln im August 2020 eine Studie mit dem Titel "Schulische Bildung in Zeiten der Corona-Krise" (9) verfasst. Für die Digitalisierung der schulischen Bildung wird das Ingangsetzen eines "Change-Prozesses" gefordert: Erstens sei die Dringlichkeit des Wandels anzuerkennen, was konkret heißen würde, Bund, Länder und Kommunen davon zu überzeugen, künftig nicht einfach zur Präsenzlehre zurückzukehren, sondern über den "Digitalpakt Schule" hinaus die Digitalisierung der Bildung voranzutreiben. Dies bedeute im Weiteren, zweitens, Koalitionen zu schmieden sowie Visionen zu entwickeln und zu kommunizieren: "Wichtig ist es dabei, die Erwartungen und Zielsetzungen auch während der Pandemie­-Zeit durch Schulbehörden und Ministerien transparent und unterstützend zu kommunizieren." In einem dritten Schritt gelte es Hindernisse aus dem Weg zu räumen und retardierende Kräfte zu verringern. So wird in der Studie z.B. vorgeschlagen, die Lernmittelfreiheit auf digitale Endgeräte auszuweiten. Viertens sollten kurzfristige Erfolge im Change-Prozess durch Best-Practice-Beispiele sichtbar gemacht werden: "Beispiele finden sich bereits heute durch die Auszeichnungen von MINT­Schulen, MINT­EC­Schulen, smart schools oder digitale Schulen durch verschiedene zivilgesellschaftliche Akteure." In einem fünften Schritt seien weitere Veränderungen einzuleiten. Dies wird von den Autoren der Studie in einer klaren digitalwirtschaftlichen, eben digitalistischen Diktion dargestellt: "Wichtig ist es darüber hinaus, die Potenziale der Digitalisierung in einem nächsten Schritt zu nutzen. So ergeben sich bei einer mit hohen Fixkosten verbundenen Entwicklung von digitalen interaktiven Lerntools oder Lernplattformen gewaltige Potenziale der Skalierung, da die Grenzkosten der Einbeziehung eines weiteren Nutzers nahe Null sind." Schließlich gelte es, sechstens, die Kultur dauerhaft im Sinne gelebter und geübter Digitalität zu ändern. 


Die Bertelsmann Stiftung


"Der politische Wille ist erfreulich ... Die Umsetzung ist allerdings mangelhaft, denn Länderproporz schlägt einmal mehr Bedürftigkeit", rügt Jörg Dräger (10) in einem Gastbeitrag zum zwd-Politikmagazin, wiedergegeben auf der Projektseite "Digitalisierung der Bildung" der Bertelsmann Stiftung. Dräger, einst Senator für Wissenschaft und Forschung sowie zeitweise auch Senator für Gesundheit und Verbraucherschutz der Freien und Hansestadt Hamburg, ist Mitglied des Vorstands der Bertelsmann Stiftung sowie Geschäftsführer des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE), an dem die Bertelsmann Stiftung laut dem im Bundesanzeiger geführten Unternehmensregister 90 Prozent der Anteile hält. 


Laut Wikipedia (11) lässt sich summarisch über die Bertelsmann Stiftung festhalten: Die Bertelsmann Stiftung ist eine selbständige Stiftung des privaten Rechts mit Sitz in Gütersloh, hält seit 1993 die Mehrheit der Anteile des Bertelsmannkonzerns, untersteht der Aufsicht durch die Bezirksregierung Detmold und verfolgt ausschließlich und unmittelbar steuerbegünstigte Zwecke im Sinne der Abgabenordnung. Derzeit ist der Vorstand der Bertelsmann Stiftung mit Ralph Heck (Vorsitzender), Liz Mohn (stellvertretende Vorsitzende), Brigitte Mohn und Jörg Dräger besetzt. 


Seit ihrer Gründung 1977 hat die Bertelsmann Stiftung mehr als 1,5 Milliarden Euro für gemeinnützige Arbeit zur Verfügung gestellt. Im Geschäftsjahr 2019 beliefen sich die Ausgaben auf rund 90,5 Millionen Euro. Die Bertelsmann Stiftung arbeitet rein operativ und vergibt keine Stipendien. Sie investiert ihre Mittel in Projekte, die sie selbst initiiert, konzipiert und umsetzt. Beispielsweise erstellt die Bertelsmann Stiftung Studien und Rankings, organisiert Modellprojekte, vermittelt Wissen und Kompetenzen, veranstaltet Kongresse und vergibt Preise. Wichtige Arbeitsfelder sind die Bereiche Bildung, Demokratie, Europa, Gesundheit, Werte und Wirtschaft, sowie Megatrends wie beispielsweise der demografische Wandel. Aufmerksamkeit erregte die Gründung des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE GmbH) durch die Bertelsmann Stiftung und die Stiftung zur Förderung der Hochschulrektorenkonferenz im Jahr 1994. Die Einrichtung versteht sich als „Reformwerkstatt“ für das deutsche Hochschulwesen. Die Bertelsmann Stiftung ist parteipolitisch neutral. Sie arbeitet regional, national und international. Auch digitales Lernen ist bis heute ein wichtiges Thema, da es als Lösung für verschiedene strukturelle Probleme im Bildungsbereich angesehen wird. Einen Überblick bietet ein gemeinsam mit dem CHE betriebenes Blog "Digitalisierung der Bildung", auf dem die Bertelsmann Stiftung die Aktivitäten von der Schule bis hin zum Lebenslangen Lernen bündelt. (12)


Im Jahr 2017, längst vor der Corona-Krise, beklagte der Verband der Bildungsmedien (VBM) (13), an dem alle in Deutschland einschlägigen Schulbuchverlage beteiligt sind, den Mangel einer konkreten, bedarfsgerechten Umsetzung der digitalen Bildung und bezog sich dabei auf dem im selben Jahr von der Bertelsmann Stiftung veröffentlichten "Forderungskatalog für ein digitales Deutschland". (14) Diese Forderungen richten sich nach außen - an eine interessierte Öffentlichkeit, die Zivilgesellschaft, Politik und Ministerialbürokratie. Zugleich fügen sie sich ein in die strategischen Planungen des Bertelsmann-Konzerns sowie in die Interessenkonstellationen der Digitalwirtschaft insgesamt. So verkündete 2015 Bertelsmann-Vorstand Thomas Rabe gegenüber der Wochenzeitung Freitag: "Wir wollen den Bildungsbereich zu einer tragenden Säule des 'neuen Bertelsmann' entwickeln." (15) Seitdem hat die Bertelsmann Stiftung ihre konkreten Forderungen vermittelt über weitere Projekte, vielerlei Projektpartnerschaften sowie Publikationen an Politik und Öffentlichkeit adressiert. 


Der gemeinsam mit dem Projektpartner mmb-Institut - Gesellschaft für Medien- und Kompetenzforschung entwickelte "Monitor Digitale Bildung" (16) soll der Bertelsmann Stiftung die "empirische Datenbasis über alle Bereiche des digitalen Lernens hinweg" liefern, von der Primarstufe, über die berufliche Bildung bis hin zu den Hochschulen. (17) Expertisen des unabhängigen und privaten mmb-Instituts werden beauftragt von öffentlichen Institutionen wie Ministerien, die NRW-Staatskanzlei, Kommunen oder Bundesinstitute, Verbände, Vereine und Stiftungen, darunter auch die Bertelsmann Stiftung und das CHE, Bildungseinrichtungen und Akademien sowie privatwirtschaftliche Unternehmen. Diese Projektpartnerschaft hält bereits über einen längeren Zeitraum: bereits 2014 beauftragte die Bertelsmann Stiftung mmb mit der Studie "Digitales Lernen adaptiv. Technische und didaktische Potenziale für die Weiterbildung der Zukunft". Als Mitherausgeberin tritt die Bertelsmann Stiftung zudem bei den jährlichen Lagebildern zur digitalen Gesellschaft, dem "Digital-Index" der Initiative D21, in Erscheinung, wo denn auch im aktuellen Bericht 2020 die versäumte Digitalisierung des Schulbetriebs beklagt wird. (18)


Leitkonferenz ist das "Forum Bildung Digitalisierung" mit seinen Jahrestreffen. Dabei handelt es sich um eine Initiative der Bertelsmann Stiftung, an der zudem mit der Deutsche Telekom Stiftung, Dieter Schwarz Stiftung, Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft, Robert Bosch Stiftung, Siemens Stiftung, Stiftung Mercator und Joachim Herz Stiftung sieben weitere philanthropische Akteure beteiligt sind. Das Forum tritt zugleich als eingetragener Verein mit ca. 40 Mitgliedsschulen bundesweit in Erscheinung. Der auf den Seiten des Forums vorzufindende Appell lässt an Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig: "Lasst uns Lehrkräfte durch eigene Kooperation, Risikobereitschaft, offene Fehlerkultur und Eigenverantwortung ein Vorbild sein in dieser Zeit, probieren wir Neues aus und vertrauen wir unseren Schülerinnen und Schülern! Dann sehen wir am Ende möglicherweise auf diese Zeit und die flächendeckenden Schulschließungen als eine Zeit des digitalen Wandels und der pragmatischen Innovation zurück." (19)


Während über Forderungskataloge und Projektpartnerschaften mit Bildungsinstituten politisch-administrative Entscheider beeinflusst werden sollen, geht die Bertelsmann Stiftung z.B. mit dem "Forum Bildung Digitalisierung" den Weg gleichsam "von unten" an und versucht, zivilgesellschaftliche Akteure, Einzelschulen sowie Lehrerinnen und Lehrer einzubinden. Dies erscheint vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen in der Corona-Krise viel versprechend, sind eben doch individuelle Bildungseinrichtungen von möglichen Schließungen konkret betroffen, muss doch an jeder einzelnen Schule ausgelotet werden, inwieweit Fern- und Hybridunterricht technisch und organisatorisch ermöglicht werden können. Auch nach den Erfahrungen des ersten, "harten" Lockdowns dürfte auch jetzt, im November 2020 gelten: Probleme und Unsicherheiten mit dem Thema Digitalisierung bestehen auch gegenwärtig an den Schulen weiter!


Die Bildung zivilgesellschaftlicher Netzwerke erscheint insbesondere vor dem Hintergrund der föderalen Struktur des bundesdeutschen Bildungssektors ein nachhaltiger strategischer Ansatz zu sein, denn es bedarf eines langen Atems. Die Bertelsmann Stiftung ist sich vollkommen darüber im Klaren, dass ein Top-Down-Ansatz allein nicht ausreichen wird, in jedem Bundesland aufs Neue Ministerien zu überzeugen und Ansätze wie eben jene zur Digitalisierung der Bildung jeweils immer wieder neu zu verhandeln. Mit dem aus den USA übernommenen Bildungsprogramm Teach First hat sich die Bertelsmann Stiftung "auf den Weg gemacht und erobert Bundesland für Bundesland". (20) Der Ansatz ist so einfach wie pragmatisch: "Das Programm schickt gut ausgebildete Uni-Absolventen an sogenannte Brennpunktschulen. Dort unterstützen sie die Lehrer im Unterricht, fördern individuell am Nachmittag, holen spannende Projekte an die Schulen." Wer sich einmal für Teach First Deutschland eingesetzt hat, erhält die Möglichkeit, sich in einem "Alumni-Netzwerk" für bessere Bildungschancen stark zu machen. Am Rande sei erwähnt, dass mit Elke Büdenbender die Frau des amtierenden Bundespräsidenten als "Schirmherrin" gewonnen werden konnte. Das deutsche Programm ist gleichzeitig Bestandteil des globalen Netzwerks "Teach For All" mit weltweit über 50 Länderorganisationen.


Digitalismus


Welche gesellschaftlichen Folgen lassen sich aus dieser Aufstellung ableiten? Zunächst einmal ist es wichtig festzuhalten, dass nicht allein der Bertelsmann Konzern und die Bertelsmann Stiftung bestrebt sind, Digitalisierungsprozesse im Bildungsbereich voranzutreiben. Als ein weiteres Beispiel wären etwa die Deutsche Telekom oder Vodafone anzufügen. Die Deutsche Telekom Stiftung und die Vodafone Stiftung beteiligen sich wie andere Konzerne und Plattformen der Digitalwirtschaft auch, Google und Facebook etwa, an diversen Foren, Konferenzen und Initiativen. Ich habe den Fokus deshalb auf Bertelsmann und die Bertelsmann Stiftung gerichtet, weil das Gütersloher Unternehmen seit langem bereits mit besonderer Ausdauer, Weitsicht und durch erheblichen Kapitaleinsatz sowohl gemeinnützige als auch kommerzielle Interessen verfolgt. Konzern (etwa über die Zeitschriftensparte Gruner + Jahr, die Fernsehkanäle der RTL Group wie RTL, Vox und n-tv) und Stiftung (Einbindung in vielfältige Netzwerke politisch-administrativer Entscheider und der Zivilgesellschaft, Publikation von Expertisen und wissenschaftlichen Studien und Empfehlungen) verfügen über ein beachtliches Potential der Beeinflussung der öffentlichen Meinung, was in dieser Konstellation in der Bundesrepublik seines Gleichen sucht. Es ist der sprichwörtliche lange Atem des Medienriesen, sich seit jeher in zuweilen mühevoller und zäher Detailarbeit dem Gebiet der digitalen Bildung gewidmet zu haben, der jetzt angesichts der aus der Corona-Krise abgeleiteten Notwendigkeiten heraus beginnt, sich für den Konzern sowie die Digitalwirtschaft insgesamt bezahlt zu machen. Eines ist gewiss nicht zu erwarten: ein Lockerlassen dieser Bemühungen nämlich!


Wohin die Entwicklung steuern könnte, ist zu erahnen, wenn man ein Interview liest, das die F.A.Z. mit dem Lehrer Gottfried Böhme (21) geführt hat. Böhme zitiert dort eine Forderung des Bertelsmann Stiftungsvorstands Jörg Dräger. Dieser propagiere in seinem Buch "Die digitale Bildungsrevolution" eine "School of one", "in der Lernprogramme auf den einzelnen Schüler zugeschnitten werden, was den Klassenverband zerstört." Das Poröswerden der Institution Schulklasse ist nun tatsächlich vor dem Hintergrund der Corona-Krise ein beobachtbares Phänomen. Julia Reda (22) berichtet von Überlegungen der Deutschen Telekom, einen speziellen niedrigen, von den Schulträgern zu übernehmenden Bildungstarif vorzusehen, um Schülern aus finanzarmen Haushalten die Teilnahme am Fernunterricht zu ermöglichen. Dabei soll der Zugang auf eine Handvoll vom Schulträger vorkonfigurierter Lernangebote limitiert sein. Reda befürchtet die Heraufkunft eines "Zwei-Klassen-Internets", sozusagen eines optional begrenzten Bildungs-Intranets für die weniger Begüterten. Ähnlich wie dies für den Nachhilfeunterricht in der Vergangenheit galt könnte sich künftig ein neuer Markt für entsprechend exklusive Online-Tools und -Plattformen entwickeln, der letztlich das Habenwollen von mehr und besserer Digitalbildung über das Medium Geld regelt. Sowohl Lehrer Böhme als auch Netzaktivistin Reda haben zudem erhebliche Datenschutzbedenken was Schulclouds (im F.A.Z.-Interview wird jene der Hasso-Plattner-Stiftung erwähnt) und Sonder-Bildungstarife angeht. So fasst Reda für das geplante Telekom-Angebot ihre Bedenken so zusammen: "Gerade bei Kindern und Jugendlichen ist der Datenschutz besonders wichtig, es ist also unvorstellbar, dass die Telekom mittels Deep Packet Inspection deren Surfverhalten überwachen können soll, nur um sicherzustellen, dass sie ausschließlich Bildungsangebote aufsuchen. Auch wenn ein Schulträger die Telekom anweist, welche Inhalte gesperrt und welche durchgeleitet werden sollen, wäre eine solche Überwachung des Datenverkehrs durch die Telekom ohne explizite Gesetzesgrundlage europarechtswidrig."


Wie die digitale Bildungslandschaft in zehn Jahren aussehen wird, lässt sich natürlich nicht sagen. Erste Konturen des Digitalismus jedenfalls sind bereits heute erkennbar!


(P.S. Mit dem Kauf der Verlagsgruppe Simon&Schuster verkauft Bertelsmann jetzt in den USA jedes dritte Buch!) (23)




  1. https://www.bertelsmann.de/bereiche/bertelsmann-education-group/#st-1, entnommen am: 16.11.2020, 13:18 Uhr MEZ

  2. https://www.huffpost.com/highline/article/capitalist-takeover-college/?guccounter=1&guce_referrer=aHR0cHM6Ly93d3cuZ29vZ2xlLmNvbS8&guce_referrer_sig=AQAAAKQRjN1dpVPoOKZuwxJx8cXASV2tnT-52knPa1MeaRQjtliZt0uF6m043KBmFTIkkmgbldqOZOl49VA7fOrgpIhiBekO5HyEhC1uHLiNvlLdojzYIzgmUS8OXKLh3pVauXOqXIEy6qJqLXqnvOV2KJDEPuItO9dsF-qpYtI2kQrg, entnommen am: 16.11.2020, 13:51 MEZ

  3. Insa Sjurts, "Think global, act local - Internationalisierungsstrategien deutscher Medienkonzerne", in: APuZ B 12-13/2004, S. 22-29 (S. 22)

  4. https://www.wb-web.de/aktuelles/die-digitale-bildungswirtschaft-in-zeiten-von-corona-profiteur-oder-opfer.html, entnommen am: 17.11.2020, 14:06 MEZ

  5. https://www.deutschlandfunk.de/schule-in-coronazeiten-fuer-den-hybriden-unterricht-ist.694.de.html?dram:article_id=487458, entnommen am: 17.11.2020, 18:01 MEZ10:29 MEZ

  6. https://www.bmbf.de/de/karliczek-mahnt-laender-zur-umsetzung-der-corona-schulkonzepte-12308.html, entnommen am: 18.11.2020, 10:39 MEZ

  7. https://www.stol.it/artikel/kultur/eu-kommission-will-digitale-bildung-nach-corona-krise-anschieben, entnommen am: 18.11.2020, 10:44 MEZ

  8. https://www.deutschlandfunk.de/digitaler-unterricht-in-der-coronakrise-bildungsexpertin.694.de.html?dram:article_id=487699, entnommen am: 18.11.2020, 12:06 MEZ

  9. Christina Anger & Axel Plünnecke: "INSM-Bildungsmonitor 2020. Schulische Bildung in Zeiten der Corona-Krise (Studie des Instituts für deutsche Wirtschaft Köln im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft)", PDF (Köln, 14.08.2020), S. 118-120

  10. https://www.digitalisierung-bildung.de/2020/10/26/chancengerechtigkeit-statt-foederaler-verteilungskaempfe/, entnommen am: 17.11.2020, 15:11 MEZ

  11. https://de.m.wikipedia.org/wiki/Bertelsmann_Stiftung, entnommen am: 17.11.2020, 15:37 MEZ

  12. https://www.digitalisierung-bildung.de/, entnommen am: 18.11.2020, 13:33 MEZ

  13. https://bildungsklick.de/schule/detail/professionelle-bildungsmedien-fuer-die-digitale-welt, entnommen am: 18.11.2020, 11:09 MEZ

  14. Bertelsmann Stiftung (Kirstin Witte & Carsten Große Starmann): "Smart Country - Vernetzt. Intelligent. Digital. Forderungskatalog für ein digitales Deutschland", PDF (Gütersloh, 2017)

  15. https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/vorsicht-stiftung, entnommen am: 18.11.2020, 11:39 MEZ

  16. https://www.mmb-institut.de/aktuelles/neuer-monitor-zur-digitalisierung-in-der-weiterbildung/, entnommen am: 18.11.2020, 13:03 MEZ

  17. https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/unsere-projekte/teilhabe-in-einer-digitalisierten-welt/projektthemen/projektthemen-monitor/, entnommen am: 18.11.2020, 12:25 MEZ

  18. https://initiatived21.de/bildung-in-zeiten-von-corona-zwischen-videokonferenz-und-brief/, entnommen am: 18.11.2020, 13:19 MEZ

  19. https://www.forumbd.de/blog/die-corona-krise-eine-chance-fuer-zeitgemaesses-lernen/, entnommen am: 18.11.2020, 13:05 MEZ

  20. https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/mediathek/medien/mid/teachfirst-ein-amerikanisches-bildungsprogramm-fuer-deutschland, entnommen am: 18.11.2020, 14:15 MEZ

  21. https://m.faz.net/aktuell/karriere-hochschule/klassenzimmer/corona-und-bildungsoffensive-diese-digitalisierung-macht-den-unterricht-nicht-besser-16924879.html, entnommen am: 18.11.2020, 15:18 MEZ

  22. https://www.heise.de/newsticker/meldung/Edit-Policy-Mit-dem-Bildungstarif-in-die-digitale-Zwei-Klassen-Gesellschaft-4882169.html?seite=all, entnommen am: 18.11.2020, 15:31 MEZ

  23. https://amp-n--tv-de.cdn.ampproject.org/v/s/amp.n-tv.de/wirtschaft/Bertelsmann-kauft-US-Verlagsgruppe-article22192993.html?amp_js_v=a6&amp_gsa=1&usqp=mq331AQFKAGwASA%3D#aoh=16063203882046&csi=1&referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com&amp_tf=Von%20%251%24s&ampshare=https%3A%2F%2Fwww.n-tv.de%2Fwirtschaft%2FBertelsmann-kauft-US-Verlagsgruppe-article22192993.html, entnommen am: 25.11.2020, 18:08 MEZ





Mein Blog befasst sich in einem umfassenden Sinn mit dem Verhältnis von Wissen, Wissenschaft und Gesellschaft. Ein besonderes Augenmerk richte ich dabei auf die Aktivitäten des Medien- und Dienstleistungskonzern Bertelsmann und der Bertelsmann Stiftung.

Montag, 1. Juni 2020

Steffen Roski: Corona crisis and peer support work



This paper owes a lot to the weekly video conferences of UPSIDES peer support workers from Hamburg during the Corona crisis, which Rebecca Nixdorf initiated. I would like to expressly thank her for that!


The Corona crisis makes something fundamental clear: what individual life crises and risks represent for peer support workers and the people they accompany has collectivized and socialized in the shadow of the pandemic. Those affected know very well what terms such as stigma, exclusion, trauma, irritation, isolation, fear, depression or exclusion mean, because they have already perceived and experienced these conditions in their own everyday life, regardless of the pandemic. Just four months ago, it was unimaginable that society as a whole, whose self-image was expressed in the triad of growth, success and increasing options, could suddenly find itself in a fundamental crisis of this magnitude.


For me, recovery and empowerment are the core concepts from which I would like to view this fundamental crisis from the perspective of peer support. Recovery and empowerment are interdependent, recovery always includes empowerment, and the same applies: empowerment strengthens recovery. As I understand it, peer support work means: dealing with one's own life crisis in a way that is ready to learn and using this process of self-reflection to develop potential and capacities in order to be able to empower people who are in acute life crises. Anyone who has ever had a depressive episode - and I know what I'm talking about! - may have experienced the Corona crisis in perhaps two ways, an alternating mix of the two being possible.


First, it is obvious to assume that existing life crises will deepen. Restrictions on contacts and closed or only partially open psycho-social meeting places further thin out the already limited possibilities of social interaction. Cinemas, theaters, museums and public libraries are only slowly starting to reopen, but for example the opportunity to watch a film will only be granted to the few who can secure a ticket from the then very limited contingents. Anyone who does not want to move about in public space as a matter of course will have to overcome even more hurdles in order to enable a minimum level of social participation. The pandemic restrictions of everyday life reinforce the tendency to withdraw, which consequently means isolation - with the few exceptions to essential purchases and other errands. In extreme cases, this state of poor contact and loneliness can be life-threatening: no important doctor visits, the dependence on material and non-material addictive substances (alcohol, drugs, medication, social media, online gambling, etc.) increases, domestic violence, suicidal and self-destructive thoughts are circling in the head.


There is - secondly - a completely different experience of the Corona crisis. When I think about myself, I come to the following interim conclusion: Yes, I do miss some things from the pre-Corona period: simply going to a café, visiting cultural events, being able to meet people spontaneously - all of those things that I would seldom have given my thoughts to before the pandemic. But I was also able to see positive sides of the pandemic and come to terms with myself. In fact, social contacts have diminished, but I experience them all the more intensely when they come about. I inform myself thoroughly, read a lot, listen to music, give a lot of myself to people I love and at the same time receive at least as much good from them. This also includes the weekly video conferences with colleagues from UPSIDES, which I am always looking forward to. I would like to generalize the following context as a hypothesis: Precisely because people with crisis experiences prior to the pandemic must have painfully learned to somehow manage to cope with themselves and their life history, to value their individual potentials and not to raise efficiency and success as the sole maxim, it could be that from crisis experience something like a crisis resilience emerge. The requirement to keep your distance physically has not only negative sides: Sophrosyne in pandemic times.


I often read the request:》 Let us see the crisis as an opportunity!《It seems important to me to be precise here. The Corona crisis may actually offer opportunities for each and every one of us and for society as a whole. Still, I have to warn against such imperatives from the perspective of peer support. They can be overwhelming. Crisis-experienced people know very well how stressful it is to be accused of not having done one's own life what corresponds to conventional societal norms. An example: On Facebook, a good friend expressed her pride at having used the Corona time to clean up the apartment. I think that's good and I also wrote to her that I am delighted. At the same time, I know all too well about myself and my own intrinsic psychological intertwining, but also about people whom I accompany on their life paths, how difficult it is to implement what is apparently banal and necessary. My apartment is clearly different from that of my Facebook friend! Of course, I know too well that I will hardly be able to avoid cleaning up. At the same time, however, I am just as aware that it is harmful for me to want to force it. If someone advised me to see the crisis as an opportunity and to clean up the apartment during the lockdown, this would probably block me. The corona crisis may offer many individual small opportunities, but against the background of each individual experience, it is important to think carefully about which of these opportunities should be seized at what time and in what way!


The motive of the crisis as an opportunity brings me to another key concept of peer support work, namely empowerment. Just like recovery, empowerment is not so easy to translate into German. What is meant is something like strengths and potentials to be found and felt in the individual as well as in collectivities, to be developed and then used to attain meaningful goals. Empowerment ranges from the very concrete to the visionary and utopian. For me, the meaning of the empowerment concept is to be ready to cross the boundaries of the individual, to organize collectively and to fight for better social inclusion, integration and fair life chances in the political-institutional framework. For me, UPSIDES is one thing above all: an empowerment project!


The pandemic stimulates many considerations about the possible character of a post-coronal society. While some are optimistic about the future, others see the dark. I cannot make any predictions, but I can develop scenarios for empowerment in the light of a new, responsible and risky normalcy against the background of my knowledge. A caveat seems appropriate to me right at the beginning of my explanations. The author of this text is an active peer support worker and at the same time academically socialized. As a sociologist, I am used to operating with distinctions. To make a conceptual distinction does not mean to strictly separate terms and concepts from each other. In terms of rigidity, apparently clean terminological separations cannot be maintained in everyday life, they mix in many different ways and thus produce hybrid color transitions and gradients instead of strong contrasts. But at the same time I want to emphasize the heuristic value of distinctions. Although they cannot simply depict social reality, they nevertheless allow a certain mental structure to be brought into an event like the Corona crisis that appears complex, confusing and difficult to understand and whose endpoint is far from being foreseeable and cannot be described. I therefore expressly do not proclaim any truth, but simply want to make a modest contribution to reflection in these pandemic times.


I understand empowerment as the self-production of individual and collective action. In the face of the pandemic, one thing is particularly clear to me in a frightening way: pure helplessness, to be dependent on decisions over which no influence can be exerted. Shortly before the contact restrictions were imposed, peer support workers met at the Hamburg University Hospital in Eppendorf for UPSIDES training. Many ideas for peer support have been developed and followed up. At the same time, the first tentative contacts to those affected who had decided to take part in the project began. I was in good spirits: something started to move, recovery should become concrete, empowerment processes should be started. Then the incision: the pandemic.


I would like to differentiate between two phases of the Corona crisis. In the first phase, the so-called lockdown phase, the virus represented one thing above all from a sociological point of view: a danger! Social life almost came to a standstill, shocking pictures from Italy or New York City, for example, went through the media. The expertise of virologists and epidemiologists and their institutions formed the framework for political decisions and administrative measures. Time was used to correct the inability to adapt hospitals to unexpected illnesses. The mass media provided extensive information about the virus, the possibility of infection, the diseases that occurred and the expected mortality.


It does not seem presumptuous to me to speak of a sub-policy of the experts that knew how to claim the position of the political. From an empowerment perspective, this sub-political constellation creates a real dilemma: on the one hand, to adopt a rather skeptical attitude towards experts, but in the face of the pandemic, on the other hand to blindly trust them. In this phase, I was primarily concerned with arranging myself with the new circumstances: being careful, perceiving my own feelings, coping with everyday life, maintaining contact with people in my immediate vicinity, informing me, track media coverage - and with all of this: to find enough rest. Since I was mostly at home, I felt relatively protected in the face of the danger, which I could not influence.


A new phase in the corona crisis has only recently begun: The change from phase 1 to phase 2 in combating the pandemic is a change from describing a SARS_CoV_2 disease as a danger to describing the same disease as a risk. The short and medium-term danger of overwhelming the hospitals is averted. Time was used to correct the inability to adapt hospitals to unexpected illnesses. The most visible sign of the replacement of virological sub-politics by normal political decision-making was that the regular press briefings of the Robert Koch Institute, the government’s central scientific institution in the field of biomedicine, were suspended. At the same time, this process of re-normalization, which is now underway, means that, to a certain extent, everyone is now left to make decisions themselves instead of being dependent on decisions by third parties over which there is no influence. An example: The Hamburg UPSIDES peer support workers want to meet again on June 18, 2020 after a long time. Risk assessments have to be made: do you prefer to meet outside in a park? Are masks to be worn? If you do meet indoors: is physical distance guaranteed? Would the room be well ventilated?


When sociologists speak of a risk society, this theoretical description can be experienced very concretely in everyday life in the shadow of the pandemic. What are the prospects for empowerment and peer support in the normality of pandemic society? What was true before the Corona crisis now applies even more to it: scope for empowerment and peer support do not fall from the sky, they have to be fought for! In this context, too, the call to see the crisis as an opportunity proves to be double-faced. Whose life chances were limited before the crisis will now experience social inequality as even more depressing.


An example: even before the pandemic, state benefits in the area of ​​basic security (e.g. unemployment benefits, pensions, etc.) did not meet the minimum requirements, were too low to actually enable social participation. The corona crisis has further exacerbated the social situation of people affected by poverty. The Federal Government has so far rejected legitimate demands to raise these minimum government benefits, at least due to the crisis. The minister responsible for labor and social affairs argues as follows: The demand for an increase in state social benefits had already existed before the pandemic and the Federal Government was not willing to decide a topic that was controversial even before the Corona crisis, in favor of those who bring an old issue on the table again. This argument seems cynical to me. From the perspective of empowerment, I can only say that it is worthwhile right now to argue that long-standing social injustices will be put on the political agenda. Political restrictions have to be overcome: Those affected are entitled to participate and get full social inclusion!


How many times have I had to hear and read the sentence:》 All people and society as a whole are equally affected by the corona crisis.《This statement is only true insofar as the SARS_CoV_2 disease actually affects everyone, regardless of the individual socio-economic status. In the Corona crisis, however, it seems to me that social inequalities that have existed for a long time, like in a magnifying glass, appear to be more pronounced. Social participation and full inclusion - for all these progressive topics and demands you need strong and active voices!


The Corona crisis should be seen as an opportunity. This is a hope and at the same an activating appeal. In conclusion, I would like to formulate a few questions that could be important in view of the upcoming restart and the future of the UPSIDES research project:


  1. What needs to be done to make recovery and empowerment an integral part of professional mental health services for people in life crises?

  2. How can peer support be institutionalized in mental health services without losing the character of peer support work as a critical impulse in existing professional institutions?

  3. What role will social media play for peer support work in the future?

  4. What lessons can be learned from the Corona crisis for peer support work?

  5. How will physical closeness and distance be determined in the future?

  6. What does the Corona crisis mean for social and cultural participation? (Should it turn out that there will be further restrictions in participation: how would you work against it?)


















Steffen Roski: Corona-Krise und Peer Support Work


Dieser Text verdankt sich nicht zuletzt den wöchentlichen Video-Konferenzen der Hamburger UPSIDES Peer Support Worker*innen während der Corona-Krise, die Rebecca Nixdorf initiiert hat. Dafür möchte ich mich ganz ausdrücklich bei ihr bedanken!


Die Corona-Krise macht etwas Grundlegendes deutlich: was für Peer Support Worker*innen und den von ihnen begleiteten Menschen jeweils individuelle Lebenskrisen und -risiken darstellen, hat sich im Schatten der Pandemie kollektiviert und vergesellschaftet. Betroffene wissen sehr genau, was Begriffe wie Stigma, Ausgrenzung, Trauma, Irritation, Isolation, Angst, Depression oder Exklusion bedeuten, weil sie diese Zustände im eigenen Alltag bereits ganz unabhängig von der Pandemie wahrgenommen und erlebt haben. Vor nur vier Monaten noch war nicht vorstellbar gewesen, dass die Gesellschaft insgesamt, deren Selbstverständnis sich in der Trias aus Wachstum, Erfolg und Steigerung von Optionen ausgedrückt hat, so plötzlich in eine fundamentale Krise dieses Ausmaßes geraten könnte. 


Recovery und Empowerment stellen für mich die Kernkonzepte dar, von denen aus ich diese fundamentale Krise aus der Perspektive des Peer Supports betrachten möchte. Recovery und Empowerment bedingen einander, in Recovery steckt immer auch Empowerment, und genauso gilt: Empowerment stärkt Recovery. Peer Support Work bedeutet nach meinem Verständnis dies: die eigene Lebenskrise lernbereit zu bearbeiten und aus diesem Prozess der Selbstreflexion Potenziale und Kapazitäten zu schöpfen, um Menschen, die sich selbst in akuten Lebenskrisen befinden, einfühlsam und kompetent begleiten zu können. Wer jemals depressive Episoden durchlebt hat - und ich weiß selbst wovon die Rede ist! - mag die Corona-Krise auf vielleicht zwei Weisen erlebt haben, wobei eine wechselvolle Mischung beider möglich ist.


Naheliegend ist es erstens, von einer Vertiefung bereits bestehender Lebenskrisen auszugehen. Kontakteinschränkungen und geschlossene oder nur partiell geöffnete psycho-soziale Begegnungsstätten dünnen die ohnehin begrenzten Möglichkeiten sozialer Interaktion weiter aus. Kinos, Theater, Museen und öffentliche Bibliotheken beginnen sich erst langsam wieder zu öffnen, doch wird zum Beispiel die Möglichkeit, einen Film zu schauen, nur den wenigen vergönnt sein, die sich aus den dann stark begrenzten Kontingenten überhaupt ein Ticket sichern können. Wer sich ohnehin nicht mit großer Selbstverständlichkeit im öffentlichen Raum bewegen mag, wird noch mehr Hürden überwinden müssen, um ein Mindestmaß an sozialer Teilhabe ermöglichen zu können. Die pandemiebedingten Restriktionen des Alltagslebens verstärken die Tendenz zum Rückzug, was in der Konsequenz quasi Isolation bedeutet - mit den spärlichen Ausnahmen lebensnotwendiger Einkäufe und sonstiger Besorgungen. Dieser Zustand der Kontaktarmut und Einsamkeit kann im Extremfall lebensbedrohlich sein: wichtige Arztbesuche unterbleiben, die Abhängigkeit von stofflichen und nicht-stofflichen Suchtmitteln (Alkohol, Drogen, Medikamente, soziale Medien, Online-Glücksspiele usw.) vergrößert sich, häusliche Gewalt nimmt zu, suizidale und selbstzerstörerische Gedanken kreisen im Kopf herum.


Daneben gibt gibt es - zweitens - ein ganz anderes Erleben der Corona-Krise. Wenn ich über mich selbst nachdenke, komme ich zu folgendem Zwischenfazit: Ja, ich vermisse sehr wohl einiges aus der Prä-Corona-Zeit: mich einfach in ein Café zu begeben, Kulturveranstaltungen zu besuchen, Menschen spontan treffen zu können - also all jene Selbstverständlichkeiten des Alltags, über die ich vor der Pandemie nur selten einen Gedanken verschwendet hätte. Doch konnte ich der Pandemie auch positive Seiten abgewinnen und mich mit mir selbst arrangieren. Tatsächlich haben sich soziale Kontakte reduziert, doch erlebe ich sie, wenn sie zustande kommen, umso intensiver. Ich informiere mich gründlich, lese viel, höre Musik, gebe Menschen, die ich liebe, viel von mir und empfange gleichzeitig mindestens genauso viel Gutes von ihnen. Dazu gehören auch die wöchentlichen Video-Konferenzen mit den Kolleg*innen von UPSIDES, auf die ich mich immer wieder aufs Neue freue. Ich möchte folgenden Zusammenhang als Hypothese verallgemeinern: Gerade weil Menschen mit Krisenerfahrungen vor der Pandemie schmerzvoll haben lernen müssen, mit sich und ihrer Lebensgeschichte irgendwie klarzukommen, die je individuellen Potenziale wertzuschätzen, Effizienz und Erfolg nicht zur alleinigen Maxime zu erheben, könnte es sein, dass aus Krisenerfahrung so etwas wie eine Krisenresilienz erfolgen konnte. Das Gebot, physisch Abstand zu halten, hat eben nicht nur negative Seiten: Sophrosyne in pandemischer Zeit.


Oft lese ich die Aufforderung: 》Lasst uns die Krise als Chance begreifen!《Mir erscheint es wichtig, hier präzise zu sein. Die Corona-Krise mag tatsächlich für jede/n einzelne/n von uns und für die Gesellschaft insgesamt Chancen bieten. Dennoch muss ich aus der Perspektive des Peer Supports vor solchen Imperativen warnen. Sie können erdrückend sein. Krisenerfahrene Menschen wissen sehr genau, wie belastend es ist, dem Vorwurf ausgesetzt zu werden, aus dem eigenen Leben nicht das gemacht zu haben, was den konventionellen gesellschaftlichen Normvorstellungen entspricht. Ein Beispiel: Auf Facebook gab eine gute Bekannte ihren Stolz darüber zum Ausdruck, die Corona-Zeit zum Aufräumen der Wohnung genutzt zu haben. Ich finde das gut und habe ihr auch geschrieben, dass ich darüber erfreut bin. Gleichzeitig weiß ich nur allzu gut von mir selbst und meinen eigenen innerpsychischen Verschlingungen, aber auch von Menschen, die ich wiederum auf ihren Lebenswegen begleite, wie schwer umzusetzen das scheinbar Banale und Notwendige ist. Meine Wohnung unterscheidet sich wohl augenfällig von jener der Facebook-Freundin! Natürlich weiß ich zu genau, dass ich an Aufräumarbeiten kaum vorbeikommen werde. Gleichzeitig ist mir jedoch genauso bewusst, dass es für mich schädlich ist, dies erzwingen zu wollen. Würde mir jemand raten, die Krise doch als Chance begreifen  und im Lockdown die Wohnung aufräumen zu sollen, würde mich dies wohl blockieren. Die Corona-Krise mag vielerlei einzelne kleine Chancen bieten, doch gilt es vor dem Hintergrund der je individuellen Erfahrungen genau zu überlegen, welche dieser Chancen zu welchem Zeitpunkt, auf welche Weise zu ergreifen wären!  


Das Motiv der Krise als Chance bringt mich zu einem weiteren zentralen Konzept des Peer Support Work, nämlich dem Empowerment. Genauso wie Recovery ist auch Empowerment nicht so einfach ins Deutsche zu übersetzen. Gemeint ist so etwas wie Kräfte und Potenziale sowohl im Individuum als auch in Kollektiven zu finden und zu erspüren, zu entwickeln und diese dann für das Erreichen sinnvoller Ziele einzusetzen. Die Bandbreite von Empowerment reicht dabei vom ganz Konkreten bis hin zum Visionären und Utopischen. Für mich liegt im Empowerment-Konzept die Bedeutung darin, dazu bereit zu sein, die Grenzen des je Individuellen zu überschreiten, sich kollektiv zu organisieren und auch im politisch-instutionellen Rahmen für bessere soziale Inklusion, für Integration und gerechte Lebenschancen zu kämpfen. UPSIDES ist für mich vor allem eines: ein Empowerment-Projekt!


Die Pandemie regt zu vielerlei Überlegungen über den möglichen Charakter einer post-coronalen Gesellschaft an. Während die einen optimistisch in die Zukunft blicken, sehen andere schwarz. Ich kann keine Prognosen treffen, wohl aber vor dem Hintergrund meines Wissens Szenarien für Empowerment im Zeichen einer neuen, verantworteten und riskanten Normalität entwickeln. Ein Caveat scheint mir gleich zu Beginn meiner Ausführungen angebracht. Der Verfasser dieses Textes ist aktiver Peer Support Worker und zugleich auch akademisch sozialisiert. Als Soziologe bin ich es gewohnt, mit Unterscheidungen zu operieren. Eine begriffliche und konzeptionelle Unterscheidung zu machen, bedeutet nun nicht auch gleichzeitig, Begriffe und Konzepte voneinander streng zu scheiden. Gedanklich scheinbar saubere terminologische Trennungen lassen sich in der Alltagswelt in ihrer Rigidität nicht halten, durchmischen sich auf vielfache Weise und erzeugen damit statt starker Kontraste hybride farbliche Übergänge und Verläufe. Doch möchte ich zugleich den heuristischen Wert von Unterscheidungen betonen. Obwohl sie die soziale Wirklichkeit nicht einfach abbilden können, erlauben sie doch, eine gewisse gedankliche Struktur in ein Geschehen wie die Corona-Krise zu bringen, das komplex, unübersichtlich und nur schwer verständlich erscheint und dessen Endpunkt längst nicht abzusehen und zu beschreiben ist. Ich beanspruche deshalb ausdrücklich nicht, irgendwelche Wahrheiten zu verkünden, sondern möchte einfach einen bescheidenen Beitrag zur Reflexion in diesen pandemischen Zeiten leisten.


Ich verstehe unter Empowerment die Selbstproduktion individuellen und kollektiven Handelns. Im Angesicht der Pandemie wird auf für mich erschreckende Weise zunächst einmal vor allem eines deutlich: reine Ohnmacht und Hilflosigkeit, von Entscheidungen abhängig zu sein, auf die kein Einfluss auszuüben ist. Noch kurz bevor die Kontaktbeschränkungen verordnet wurden, fanden sich Peer Support Worker*innen am Hamburger Universitätsklinikum in Eppendorf zu einem UPSIDES-Training zusammen. Es wurden vielerlei Ideen zum Peer Support entwickelt und weiterverfolgt. Parallel dazu begannen die ersten zaghaften Kontaktaufnahmen zu Betroffenen, die sich für eine Teilnahme am Projekt entschieden hatten. Ich war guter Dinge: es begann sich etwas zu bewegen, Recovery sollte konkret, Empowerment-Prozesse in Gang gesetzt werden. Dann der Einschnitt: die Pandemie. 


Ich möchte zwei Phasen der Corona-Krise unterscheiden. In der ersten, der sogenannten Lockdown-Phase, stellte das Virus, soziologisch betrachtet, vor allem eines dar: eine Gefahr! Das soziale Leben kam nahezu zum Stillstand, schockierende Bilder aus Italien oder New York City beispielsweise gingen durch die Medien. Die Expertisen der Virologen und Epidemiologen und deren Einrichtungen bildeten den Rahmen für politische Entscheidungen und administrative Maßnahmen. Man nutzte die Zeit, um die mangelnde Fähigkeit der Anpassung der Krankenhäuser an unerwartete Krankheitslagen zu korrigieren. Die Massenmedien informierten umfassend über das Virus, die Möglichkeit einer Ansteckung, die auftretenden Krankheiten und die erwartete Sterblichkeit. 


Es erscheint mir nicht vermessen, von einer Subpolitik der Experten zu sprechen, die die Position des Politischen für sich zu beanspruchen wusste. Aus der Empowerment-Perspektive ergibt sich aus dieser subpolitischen Konstellation ein echtes Dilemma: nämlich auf der einen Seite Experten gegenüber eine eher skeptische Einstellung einzunehmen, ihnen im Angesicht der Pandemie auf der anderen Seite aber sozusagen blind vertrauen zu müssen. Ich war in dieser Phase vor allem damit beschäftigt, mich selbst mit den neuen Verhältnissen zu arrangieren: achtsam zu sein, eigene Gefühle wahrzunehmen, im Alltag klarzukommen, den Kontakt zu Menschen im eigenen Nahumfeld zu pflegen, mich zu informieren, die Berichterstattung in den Medien zu verfolgen - und bei all dem: ausreichend Ruhe zu finden. Da ich mich vorwiegend zu Hause aufhielt, fühlte ich mich im Angesicht der Gefahr, die ich nicht zu beeinflussen vermochte, relativ geschützt. 


Eine neue Phase in der Corona-Krise hat erst kürzlich begonnen: Der Wechsel von Phase 1 zu Phase 2 in der Bekämpfung der Pandemie ist ein Wechsel von der Beschreibung einer SARS_CoV_2-Erkrankung als Gefahr zur Beschreibung derselben Erkrankung als Risiko. Die kurz- und mittelfristige Gefahr einer Überforderung der Krankenhäuser ist gebannt. Man nutzte die Zeit, um die mangelnde Fähigkeit der Anpassung der Krankenhäuser an unerwartete Krankheitslagen zu korrigieren. Das für mich sichtbarste Zeichen der Ablösung der virologischen Subpolitik durch normales politisches Entscheiden bestand darin, dass die regelmäßigen Presse-Briefings des Robert-Koch-Instituts suspendiert wurden. Zugleich bedeutet dieser jetzt in Gang gesetzte Prozess der Re-Normalisierung, dass nun bis zu einem gewissen Grad jeder/jedem Einzelnen überlassen wird, Entscheidungen selbst zu treffen, anstatt sich von Entscheidungen Dritter, auf die kein Einfluss besteht, abhängig zu machen. Ein Beispiel: Die Hamburger UPSIDES-Peer-Support-Worker*innen wollen sich nach längerer Zeit am 18. Juni 2020 wieder persönlich treffen. Risikoabwägungen sind vorzunehmen: trifft man sich lieber draußen in einem Park? Sind Masken zu tragen? Falls man sich doch indoor trifft: ist physische Distanz gewährleistet? Wäre die Räumlichkeit gut durchlüftet? 


Wenn Soziolog*innen von einer Risikogesellschaft sprechen, wird im Schatten der Pandemie diese theoretische Beschreibung in der Alltagswelt sehr konkret erlebbar. Welche Perspektiven ergeben sich für Empowerment und Peer Support in der Normalität der pandemischen Gesellschaft? Was vor der Corona-Krise galt, gilt jetzt erst recht auch in ihr: Handlungsspielräume für Empowerment und Peer Support fallen nicht vom Himmel, sie müssen erkämpft werden! Auch in diesem Zusammenhang erweist sich die Aufforderung, die Krise als Chance begreifen zu sollen, als doppelgesichtig. Wessen Lebenschancen schon vor der Krise eingeschränkt waren, wird soziale Ungleichheit jetzt als noch bedrückender erleben. 


Ein Beispiel: staatliche Leistungen im Bereich der Grundsicherung (z.B. Arbeitslosengeld II, niedrige Renten usw.) deckten auch vor der Pandemie nicht den Mindestbedarf, waren zu niedrig bemessen, um soziale Teilhabe tatsächlich zu ermöglichen. Die Corona-Krise hat die soziale Lage der von Armut betroffenen Menschen weiter verschärft. Berechtigte Forderungen danach, diese staatlichen Mindestleistungen zumindest krisenbedingt anzuheben, wurden bislang von der Bundesregierung abgelehnt. Der zuständige Arbeits- und Sozialminister argumentiert dabei wie folgt: die Forderung nach Anhebung staatlicher Sozialleistungen habe ja auch vor der Pandemie bereits bestanden und die Bundesregierung sei nicht gewillt, ein auch vor der Pandemie umstrittenes Thema im Sinne derer zu entscheiden, die diese alte politische Streitfrage jetzt mit der Begründung der Corona-Krise aufs Neue vorlegen. Mir erscheint diese Argumentation zynisch. Aus der Perspektive von Empowerment sage ich dagegen: es lohnt sich gerade jetzt in der Corona-Krise dafür zu streiten, dass längst bestehende soziale Ungerechtigkeiten auf die politische Agenda kommen, überwunden werden und damit endlich den Betroffenen das ihnen zustehende Niveau an sozialer Teilhabe und Inklusion zukommt. 


Wie oft habe ich den Satz hören und lesen müssen: 》Von der Corona-Krise sind alle Menschen, ist die Gesellschaft insgesamt, gleichermaßen betroffen.《Diese Aussage stimmt nur insofern, als die SARS_CoV_2-Erkrankung tatsächlich jede/n, ganz unabhängig vom individuellen sozio-ökonomischen Status, treffen kann. In der Corona-Krise jedoch scheinen mir bereits längst bestehende soziale Ungleichheiten wie in einem Brennglas schärfer hervorzutreten. Partizipation, soziale Teilhabe, Inklusion - für all diese progressiven Themen und Forderungen braucht es meinungsstarke und aktive Vertreter*innen! 


Die Forderung, die Corona-Krise als Chance begreifen zu sollen, sollte, so hoffe ich, als ein aktivierender Appell wahrgenommen werden. Abschließend möchte ich deshalb einige Fragen formulieren, die im Hinblick auf den bevorstehenden Re-Start und die weitere Zukunft des UPSIDES-Forschungsprojekts wichtig sein könnten:


  1. Was ist zu tun, um Recovery und Empowerment zum selbstverständlichen Bestandteil professioneller Unterstützung für Menschen in Lebenskrisen zu machen?

  2. Wie lässt sich Peer Support in Unterstützungssystemen institutionalisieren ohne dabei zugleich den Charakter von Peer Support Work als kritischen Impuls in bestehenden Institutionen einzubüßen?

  3. Welche Rolle werden soziale Medien für Peer Support Work künftig spielen?

  4. Welche Lehren lassen sich aus der Corona-Krise für den Peer Support ziehen? 

  5. Wie werden physische Nähe und Distanz künftig bestimmt werden?

  6. Was bedeutet die Corona-Krise für die soziale und kulturelle Teilhabe? (Sollte sich erweisen, dass es hier weitere Einschränkungen geben wird: wie wäre dagegen zu wirken?)










Sonntag, 29. März 2020

Die Corona-Krise und Hartz IV - aktuelle Entwicklungen

Ich möchte es nicht versäumen, an dieser Stelle über aktuelle Entwicklungen zu informieren:

Der Kurznachrichtendienst Twitter hat meine beiden Accounts @sroski und @steffenroski komplett abgeschaltet. Seit dem Start der Online-Petition auf change.org habe ich durch aktives #Hashtagging im Rahmen meiner Möglichkeiten über Twitter zu deren viraler Verbreitung beigetragen. Diese Option zumindest bleibt mir jetzt verschlossen. Ich hoffe sehr, dass die Petition soweit viral im Umlauf ist, dass sich ihre weitere Verbreitung von selbst tragen wird!

Dann ist mir ein Schriftwechsel zugespielt worden. Ein*e Betroffene*r hat zusätzliche Leistungen zur Bewältigung der Corona-Krise beantragt. Ich lasse den Schriftwechsel mal unkommentiert, frage mich allerdings gerade, wie wohl z.B. mit dem Sportartikel-Multi ADIDAS kommuniziert wird.

Hier also der Schriftwechsel:

》Beantragung einmaliger Leistungen zur Vorbereitung einer häuslichen Quarantäne und einer ausreichenden Versorgung


Sehr geehrte Damen und Herren,


wie Ihnen bekannt ist, wurde die Bevölkerung aufgefordert, sich für eine eventuell anstehende häusliche Quarantäne einzurichten. Gerne möchte ich meinen Beitrag zur Überwindung der aktuellen Gesundheitskrise leisten und diese häusliche Quarantäne vorbereiten. Durch Hamsterkäufe und Schließungen der Tafeln ist es mir nicht mehr möglich, mich und meine Familien im ausreichenden Maße zu versorgen.


Ich beantrage daher zusätzliche einmalige Leistungen in Höhe von 200€, um dies sicherzustellen. Ich bitte um eine schnelle Beantwortung, so dass ich die nötigen Vorkehrungen zeitnah treffen kann.



Mit freundlichen Grüßen《



》Ablehnungsbescheid


Sehr geehrte/r Frau/Herr XXX,


leider muss Ihr Antrag vom XXX für Beantragung einmaliger Leistungen zur Vorbereitung einer häuslichen Quarantäne und einer ausreichenden Versorgung abgelehnt werden.


Begründung:


Sie haben mit Antrag vom XXX zusätzliche einmalige Leistungen in Höhe von 200,00 Euro beantragt. Diese Leistung möchten Sie dazu verwenden, Ihre häusliche Versorgung bei einer eventuell anstehenden Quarantäne sicher zu stellen.


Dies wird abgelehnt, da die laufende Versorgung im Monat sichergestellt ist. Es wurde auch durch die Regierung oder dergleichen keine Aufforderung vorgenommen. Im Gegenteil, die Regierung sichert die Versorgung durch genügend Lebensmittel zu.

Sollten Sie aufgrund von gesundheitlicher Quarantäne an zu Hause gebunden sein, hat die Stadt XXX eine Hilfsaktion durch das Rathaus organisiert. Ein entsprechender Ausdruck mit Telefonnummer der Pressemitteilung vom XXX ist diesem Schreiben beigefügt.


Für Beantragung einmaliger Leistungen zur Vorbereitung einer häuslichen Quarantäne und einer ausreichenden Versorgung kann kein Darlehen gewährt werden. Kann im Einzelfall ein von dem genannten Regelbedarf umfasster und nach den Umständen unabweisbarer Bedarf zur Sicherung des Lebensunterhaltes nicht gedeckt werden, kann dem Leistungsberechtigten bei entsprechenden Nachweis der Bedarf als Sach- oder Geldleistung in Form eines entsprechenden Darlehens gewährt werden (Paragr. 24 Absatz 1 Zweites Buch Sozialgesetzbuch - SGB II).


Bei meiner Entscheidung habe ich von meinem Ermessen Gebrauch gemacht. Dabei habe ich Ihr Interesse für die beantragte Leistung mit der Verpflichtung des Jobcenters zur wirtschaftlichen und sparsamen Mittelverwendung sorgfältig abgewogen. Hierzu gehört - auch im Interesse der Gemeinschaft der Steuerzahler - nur bei nachgewiesener Hilfsbedürftigkeit und in rechtmäßiger Höhe Leistungen zu erbringen. Es sind keine Ermessensgesichtspunkte erkennbar oder vorgetragen, die ich im Rahmen meiner Ermessensentscheidung zu Ihren Gunsten berücksichtigen konnte. Nach Abwägung Ihres Interesses an der beantragten Leistung sowie dem öffentlichen Interesse an wirtschaftlicher und sparsamer Mittelverwendung musste die beantragte Leistung abgelehnt werden.


Unter Berücksichtigung der persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse sind Sie in der Lage, die Aufwendungen für Beantragung einmaliger Leistungen zur Vorbereitung einer häuslichen Quarantäne und einer ausreichenden Versorgung aus eigenen Kräften und Mitteln in vollem Umfang zu decken, so dass eine Übernahme der Kosten nicht möglich ist.


Die beantragte Leistung kann auch nicht als Zuschuss gewährt werden.《


Es folgt die übliche Rechtshilfe- und Widerspruchsbelehrung.



Montag, 23. März 2020

Forderung nach Soforthilfe in der Corona-Krise: Eine Online-Petition von unten

Am vergangen Sonntag, dem 15. März 2020, startete auf change.org die Online-Petition         》100€ Bevorratungszuschuss für Hartz-IV-Bezieher! Jetzt!《
Bis jetzt haben über 500 Menschen unterschrieben. Mancher wird vielleicht sagen, dies sei ja in einer Woche keine allzu große Zahl. Ich würde entgegnen: Freilich, 50.000 Unterschriften würden dem Anliegen natürlich bedeutend mehr Nachdruck verleihen, klar. Ich finde jedoch diese ersten 500 Unterschriften in der ersten Woche recht erstaunlich. Im Folgenden möchte ich dies begründen.
Die Petition geht nicht von einer politischen Partei, einem Verband, einer Interessengruppe aus, sie entstammt keinem Netzwerk, sondern kommt von unten, wird von Einzelnen getragen!
Soziologisch betrachtet gibt es in der Corona-Krise mindestens drei Logiken kollektiven Handelns. 
Erstens sind die Konzerne, Banken und größeren Unternehmen zu nennen, die im neoliberalen post-fordistischen Akkumulationsregime in zweierlei Hinsicht äußerst durchsetzungsstark sind: sie treffen auf weitgehend geschwächte Gewerkschaften, was ihnen seit Jahrzehnten erlaubt hat, das Tarifvertragssystem zu ihren Gunsten zu transformieren. Stichwörter: Dumpinglöhne, Verlagerung von Produktionskapazitäten dorthin, wo sich noch günstigere Lohnniveaus bieten, Verdichtung von Arbeit, Outsourcing usw. Und sie treffen auf den neoliberalen Staat, der Unternehmens- und Vermögenssteuern immer mehr gesenkt hat.
Der Staat tritt als Garant auf: im Extremfall wird sogar zur Ultima Ratio der Verstaatlichung gegriffen, zumindest aber ein billionenschweres 》Rettungsprogramm《 aufgelegt.
Die zweite Logik kollektiven Handelns: Gewerkschaften und Verbände, die für ihre Mitglieder sozialverträgliche Krisenregelungen aushandeln und mit der produktivistischen Sozialdemokratie einen, wenn auch schwachen, Bündnispartner haben. Das Ergebnis sind z.B. Regelungen zum Kurzarbeitergeld.
Es gibt jedoch darunter die dritte Logik kollektiven Handelns. Hartz-IV-Empfänger, Grundsicherungs-Bezieher, erkrankte Menschen, Armutsrentner, Obdach- und Wohnungslose. Gern wird diese Gruppe als        》sozial schwach《 abgestempelt, was beleidigend ist, denn diese Menschen sind vor allem eines: von Armut betroffen. Sozial schwach ist diese Menge Depravierter allerdings in einer Hinsicht: sie verfügen über keine Logik kollektiven Handelns und treten als Ansammlung isolierter Einzelner auf. 
Die Gruppe der Hartz-IV-Bezieher wird vor dem Hintergrund der für immer mehr Menschen prekär werdenden wirtschaftlichen Existenzgrundlage zunehmend größer werden. Die Verunsicherung wächst allgemein. Was noch vor Tagen völlig selbstverständlich gewesen war, gerät ins Wanken, scheinbar sicher geglaubten Existenzen wird der Boden unter den Füßen gerissen!
In der Corona-Krise wird dieses sehr deutlich: die Bazooka fürs Großkapital, Steuerstundungen und Kredithilfen für den Mittelstand, Lohnfortzahlungen für Arbeitnehmer dieser Unternehmen, jetzt auch, immerhin, Mietgarantien und unbürokratischer Zugang zu Leistungen der Agentur für Arbeit und der Jobcenter. 
Die sich außerhalb des produktivistischen Ideals befindliche dritte Gruppe, die Armen nämlich, werden nicht einmal erwähnt. Ihre Not, die darin besteht, mehr schlecht als recht über den jeweiligen Monat zu kommen, findet keinerlei Berücksichtigung. Im Gegensatz zum Großkapital, dem Mittelstand, den gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmern gebricht es ihnen nämlich an kollektiven Handlungsoptionen.
Es wird höchste Zeit, dass jene sozial Geächteten und Exkludierten eine Logik kollektiven Handelns entwickeln, so schwer dies unter den aktuellen Bedingungen auch sein mag!

Sonntag, 22. März 2020

Online-Petition: Warum haben Menschen unterschrieben?

Die Online-Petition auf change.org hat inzwischen 500 Menschen dazu motiviert, zu unterschreiben. Einige von ihnen haben ihre Beweggründe knapp formuliert. Ich gebe an dieser Stelle einige Stimmen, die mir repräsentativ erscheinen, wieder:

Petra S.: 》Es darf und kann nicht sein, dass die sozial Schwächsten außerstande sind, sich zu versorgen und zu bevorraten in einer derartigen Krisenlage.《

Maria P.: 》Nun aber schließen Tafeln und dank der Hamsterkäufe sind in vielen Supermärkten günstige Lebensmittel ausverkauft ... Wir verlangen ... nicht mal viel, nur ein bisschen  Hilfe für notwendige Lebensmitteleinkäufe - zumal die sich durch die Krise für uns ergebende Mangelernährung uns noch anfälliger macht für Infektionen.《

Manja B.: 》Ich unterschreibe, weil ich drei Kinder habe und mir einen solchen Vorrat nicht einfach so leisten kann, ohne weitere Hilfe.《

Jutta G.: 》Der Regelsatz wurde von vornherein künstlich runter gerechnet.《

Anneliese B.: 》Es ist mehr als notwendig, dass die Ärmsten und Schwächsten nicht vergessen werden.《

Bianka S.: 》Wir (eine vierköpfige Familie; SR) haben keinen Cent mehr, wie sollen wir das überleben?《

Bianca P.: 》Ich unterschreibe, weil ich selbst betroffen bin.《

Burkhard T.: 》Diese Art solidarischer Humanität sollte selbstverständlich sein.《

Heinrich H.: 》Nicht nur der "Wirtschaft" soll geholfen werden, auch den Hartz-IV-Empfängerinnen und -Empfängern, die ja grundsätzlich schon am absoluten Limit leben müssen!《

Nicole B.: 》Ich gehöre zur Risikogruppe und möchte mich nicht täglich in Läden aufhalten müssen, sondern lieber kleine Vorräte anlegen.《

Nicole L.: 》Ich unterschreibe, weil wir in einem absoluten Ausnahmezustand sind.《

Andreas M.: 》Mit dem Regelsatz ist soziale Teilhabe schon äußerst schwierig. Dazu noch der Empfehlung zur Bevorratung zu folgen, ist einfach völlig realitätsfern.《

Sonntag, 15. März 2020

Online-Petition auf change.org

Der Forderung nach einem sofortigen Bevorratungsvorschuss wird jetzt in einer Online-Petition Nachdruck verliehen:

Online-Petition



Mein Blog befasst sich in einem umfassenden Sinn mit dem Verhältnis von Wissen, Wissenschaft und Gesellschaft. Ein besonderes Augenmerk richte ich dabei auf die Aktivitäten des Medien- und Dienstleistungskonzern Bertelsmann und der Bertelsmann Stiftung.

Musterantrag auf einen Bevorratungsvorschuss beim zuständigen Jobcenter

Ich wurde darum gebeten, einen Musterantrag hier zu posten, der dann einfach per Copy and Paste entnommen und entsprechend personalisiert werden kann. Der Bitte komme ich gerne nach. Hier ist er:

XXX
Straße
12345 Wohnort
(049) 4567890
mustermann@post.com

BG-Nummer: 11111//000000
Datum
jobcenter.team.arbeit.xstadt
Standort XXX
Straße
12345 XStadt
Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit beantrage ich einen einmaligen Bevorratungszuschuss in Höhe von 100€.
Begründung:
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt jedem Haushalt eine Mindestbevorratung von Lebensmitteln im Katastrophenfall. Mit der COVID19-Epidemie hat sich eine Lage ergeben, die eine solche Mindestbevorratung notwendig macht. Da der SGB-II-Regelsatz eine solche nicht vorsieht, beantrage ich Abhilfe.
Mit freundlichen Grüßen,

XXX

Samstag, 14. März 2020

Die Corona-Krise ist eine soziale Krise! - The corona crisis is a social crisis!

Die Corona-Krise ist auch eine Krise des sozialen Rechtsstaats BRD. Dass eine Forderung nach einem Bevorratungszuschuss für arme Menschen, die auf staatliche Sozialleistungen angewiesen sind, überhaupt erhoben werden muss, zeigt mir eines: Banken und Börsen genießen in der durch und durch neoliberalen BRD absolute Priorität. Die Ironie dabei: wieder einmal sind es die radikalen Verfechter des Marktes, jene Voodoo-Ökonomen und neoliberalen Schreihälse, die in Krisenzeiten den interventionistischen Staat geradezu herbeisehnen. 

Nun ist mein Twitter-Account @sroski, über den ich die Forderung erhoben habe, kurzerhand gesperrt worden. 

Es bleibt jedoch dabei:




The corona crisis is also a crisis of the social constitutional state FRG. One thing shows me that a demand for a storage allowance for poor people who depend on state social benefits must be raised: banks and stock exchanges enjoy absolute priority in the thoroughly neoliberal FRG. The irony here: once again, it is the radical advocates of the market, those voodoo economists and neoliberal screams that are longing for the interventionist state in times of crisis.

Now my Twitter account @sroski, via which I made the request, has been blocked without further ado.

However, it remains:

€ 100 storage allowance for HartzIV recipients! Now!

Mein Blog befasst sich in einem umfassenden Sinn mit dem Verhältnis von Wissen, Wissenschaft und Gesellschaft. Ein besonderes Augenmerk richte ich dabei auf die Aktivitäten des Medien- und Dienstleistungskonzern Bertelsmann und der Bertelsmann Stiftung.

Donnerstag, 12. März 2020

Antrag auf Bevorratungszuschuss: Jobcenter spielt auf Zeit!

Diesen Antrag reichte ich per E-Mail ein.

Wir befinden uns mitten in der Corona-Krise. Arme, oft auch kranke Menschen sind besonders vulnerabel. Banken und Unternehmen werden Stützungszahlungen erhalten. Empfänger von SGB-II-Regelleistungen verfügen über keinerlei finanzielle Ressourcen, um die von den zuständigen Behörden empfohlene Bevorratung von Lebensmitteln zu beschaffen. Hartz IV ist nämlich auch unter den normalen Alltagsbedingungen nicht bedarfsdeckend! 

Ein Bevorratungszuschuss von 100€ wäre nicht mehr als eine bescheidene Soforthilfe, eine Art finanzieller Anschubimpuls, um Menschen im SGB-II-Regelbezug eine Bevorratung von Lebensmitteln in einer Krisenlage zu ermöglichen.


Auf meinen obigen Antrag erhielt ich folgendes, wohl maschinell erstelltes Antwortschreiben des für mich zuständigen Jobcenters:

Eine erste Antwort im für Jobcenter üblichen Befehlston der 》Aufforderung zur Mitwirkung《.

Nun, dieser Aufforderung werde ich nachkommen und über den weiteren Fortgang hier berichten. Dass ein Mail-Anhang angeblich nicht geöffnet werden konnte, hinterlässt bei mir ein leichtes Kopfschütteln!







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Sonntag, 8. März 2020

Bevorratungszuschuss zum Hartz IV als Soforthilfe!

Soforthilfe erforderlich!

Es geht mir nicht darum, einem Alarmismus Vorschub zu leisten. Jedoch sind die Auswirkungen der Corona-Epidemie sichtbar und spürbar. Die Situation in Norditalien allein dürfte hinreichend Anschauungsbeispiele liefern. 

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt jedem Haushalt eine Mindestbevorratung von Lebensmitteln für Katastrophenfälle. Die Mittel hierfür stehen Beziehern von SGB-II-Regelleistungen nicht im Mindesten zur Verfügung, da der Regelsatz auch im Normalfall überhaupt nicht bedarfsdeckend ist.

Angesichts der Corona-Krise fordere ich deshalb die Bundesregierung dazu auf, jetzt jedem Hartz-IV-Bezieher einmalig 100€ als Bevorratungszuschuss zu gewähren! 

Es gilt zu verhindern, dass im Falle regionaler notstandsbedingter Abriegelungen arme Menschen schlichtweg verhungern müssen. Dies wäre in einer reichen kapitalistischen Gesellschaft nicht hinnehmbar!




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Freitag, 31. Januar 2020

Chinese Society Studies - Tweets from January 2020 - 中国社会研究-2020年1月以来的推文

China consumes approximately 58 percent of the world's sand and gravel production.
中国消耗了约58%的世界沙石产地。
#China #Chinese #economy #buildings #buildingengineering

尽管有大量旨在减轻军事虐待受害者痛苦的正式法律机制,但原告对家庭暴力的主张并没有增加法院批准离婚请求的可能性。
#China #Chinese #domesticviolence #legal #Divorce

Despite an abundance of formal legal mechanisms designed to provide relief to victims of martial abuse, a plaintiff's claim of domestic violence do not increase the propability a court granted a divorce request.
#China #Chinese #domesticviolence #legal #Divorce

Is the bear a provocation?
熊是挑衅吗?
#China #Chinese #XiJinping #bear https://t.co/cvgv4g9ne5

Can China still stimulate protest movements in other countries?
中国还能刺激其他国家的抗议运动吗?
#China #Chinese #Maoism

柯林斯词典将《关系》描述为基于互惠互利的中国社会概念,其中人际关系比法律和书面协议重要。
#China #Chinese #guanxi

The Collins dictionary describes 》guanxi《as 》a Chinese social concept based on the exchange of favours, in which personal relationships are considered more important than laws and written agreements《.
#China #Chinese #guanxi

国家重新包装了对维吾尔分离主义的恐惧,以统一受其控制的汉族人口。 提出解决方案是因为需要通过重新教育《维吾尔族》来提醒维吾尔族人。
#China #Chinese #Uyghurs #separatism

The state repackages fears of Uyghur separatism as a means of unifying the Han Chinese population under its control. It presents the solution as the need to remind Uyghurs what it means to be Cinese by 》re-educating《them.
#China #Chinese #Uyghurs #separatism

These three areas - housing, governance, and poverty - are critical to ensure the future success, and indeed the survival, of Hong Kong.
这三个领域-住房,治理和贫困-对于确保香港未来的成功乃至生存至关重要。
#China #Chinese #HongKong #HongKongProtests #housing  #poverty

Because of the Silk Road Initiative, China has become a power factor in the Indian Ocean. There are also unresolved border conflicts with India.
由于“丝绸之路”倡议,中国已成为印度洋的强国。 与印度的边界冲突也有待解决。
#China #Chinese #India #BeltandRoad #IndianOcean https://t.co/5eL8Mu56B0

There are indications that Pyongyang's tentative economic reforms are being instigated by Beijing.
有迹象表明,北京正在推动平壤的初步经济改革。
#China #Chinese #NorthKorea #economy https://t.co/MCYCcPWTdX

China has long overtaken Japan economically.
中国在经济上长期超过日本。
#China #Chinese #Japan #economy https://t.co/LRLIsaPNo5

莫斯科和北京正在通过联合演习来展示军事合作,例如俄罗斯亚洲的《东方》和波罗的海的海洋之盾。
#China #Chinese #Russia #Baltic #Military https://t.co/mroz4A6ACQ

Moscow and Beijing are demonstrating their military cooperation with joint maneuvers such as》 Vostok 《in the Asian part of Russia and》 Shield of the Sea 《in the Baltic Sea.
#China #Chinese #Russia #Military #Baltic https://t.co/bCiefcWXXY

世界贸易总量的三分之一横跨南中国海。 对日本,韩国和中国的大部分石油供应都通过它们进行。
#China #Chinese #SouthChinaSea #Oil #Japan #SouthKorea #trade #economy

A good third of the world's trade volume crosses the South China Sea. The majority of the oil supplies to Japan, South Korea and China run through them.
#China #Chinese #SouthChinaSea #Oil #Japan #SouthKorea #trade
#economy

The South China Sea is a lifeline of world trade that is comparable to the Mediterranean.
南中国海是世界贸易的生命线,可与地中海媲美。
#China #Chinese #SouthChinaSea #trade #economy

The situation in the South China Sea (and ultimately also in the East China Sea) is characterized by the anarchy of competing claims of several countries.
南中国海(最终也包括东中国海)的局势以几个国家相互争夺主权的无政府状态为特征。
#China #Chinese #SouthChinaSea #geopolitics

连任总统蔡英文正在根据国际法考虑台湾的独立。 然而,在北京看来,为此奋斗意味着越过一条红线。
#China #Chinese #Taiwan #TaiwanElection #TsaiIngwen https://t.co/GnsEke0Bl3

Re-elected President Tsai Ing-wen is considering Taiwan's independence under international law. In Beijing's view, however, striving for this means crossing a red line.
#China #Chinese #Taiwan #TaiwanElection #TsaiIngwen https://t.co/0V69smwNBJ

A Chinese aircraft carrier association operates in the South China Sea.
一个中国航母协会在南中国海开展业务。
#China #Chinese #SouthChinaSea #fleet #military https://t.co/F0jUElX5Xs

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Montag, 30. Dezember 2019

Chinese Society Studies - Tweets from December 2019 - 中国社会研究-2019年12月以来的推文

埃尔多安(Erdoğan)连任,土耳其与中国的“一带一路”倡议之间的战略协调以及土耳其的中走廊计划促进了中土关系。 从2010年开始,就有机会建立战略合作关系。
#China #Chinese #Turkey #Erdogan #BRI #beltandroad

Erdoğan’s re-election, the strategic coordination between Turkey and China’s BRI and Turkey’s Middle Corridor project promoted China–Turkey relations. There's is a opportunity for to build strategic cooperation relations that began in 2010.
#China #Chinese #Turkey #Erdoğan #BRI

Does Mesut Özil refer to fake news in his criticism of China?
厄齐尔(MesutÖzil)在批评中国时是否提及假新闻?
#China #Chinese #society #Uighur #Uighurs #UighurMuslims #MesutOzil #MesutOEzil #Mesut_OZİL #MesutÖzil #mesut https://t.co/St92rstVHz

The Chinese government has asked Agora Energiewende to provide assistance with the development of energy policy.
中国政府已要求Agora Energiewende为发展能源政策提供援助。
https://t.co/R8NvJyO9X9
#China #Chinese #ClimateChange #Energiewende @AgoraEW

Coal still accounted for around 65 percent of total energy production in China in 2016.
2016年,煤炭仍占中国能源总产量的65%左右。
#China #Chinese #ClimateChange #Madrid #Coal #energy

Energy production in China reached 5,990 terawatt hours in 2016. The EU had 3,211 terawatt hours in 2016.
2016年,中国的能源产量达到5990兆瓦时。欧盟2016年的能源产量为3211兆瓦时。
#China #Chinese #energy #EU #ClimateChange #Madrid

》Domestic plastic waste is dirty, the quality is poor, and there are no standards.《- Liu Hua from Greenpeace East Asia in Beijing
》生活塑料废料脏,质量差,没有标准。 《北京绿色和平组织的刘华》
#China #Chinese #EastAsia #environmental #plasticwaste @greenpeace_de
#greenpeace

No plastic waste has been allowed to be imported into China since 2019.
自2019年以来,不允许将塑料废物进口到中国。
#China #Chinese #environmental #plasticwaste

The southern metropolis of Shenzhen has converted its entire bus fleet to electric drive.
南方大都市深圳已将其全部公交车队转换为电动汽车。
#China #Chinese #ShenZhen #emobility #ClimateChange #Madrid

According to plans by the Chinese government, in 2025 every fifth car sold will be an electric vehicle.
根据中国政府的计划,到2025年,每售出五辆汽车将是电动汽车。
#China #Chinese #Government #emobility #car #ClimateChange #Madrid

Environmental groups such as Friends of Nature or Green Earth Volunteers sometimes fight successfully against dams on the Nu River.
诸如“自然之友”或“绿色地球志愿者”之类的环保组织有时会成功地与怒江上的水坝抗争。
#China #Chinese #nu #dam #FriendsOfNature #GreenEarthVolunteers

The timeline of Chinese emissions affects whether the world has any chance of still reaching the Paris temperature targets.
中国排放的时间线影响着世界是否仍有机会达到巴黎的温度目标。
#China #Chinese #ClimateChange #ParisAgreement #temperature

China aims to reduce emissions per unit of economic output (gross domestic product) by 60 to 65 percent compared to 2005 by 2030.
中国的目标是到2030年将单位经济产出(国内生产总值)的排放量与2005年相比减少60%至65%。
#China #Chinese #ClimateChange #emissions #Madrid #economy

》China's leaders need to increase their ambitions.《- Li Shuo, climate expert at Greenpeace China
》中国领导人需要增强野心。  《绿色和平中国气候专家李硕》
#China #Chinese #ClimateChange #Madrid #greenpeace @greenpeace_de

"Face ++" is Megvii's product platform, an important customer is the Ministry of Public Security.
“ Face ++”是Megvii的产品平台,重要的客户是公安部。
#China #Chinese #Megvii #PublicSecurity #surveillance #ArtificialIntelliegnce #AI #technology

The Chinese AI company Megvii is a "unicorn" start-up. The company had a market valuation of over $ 1 billion even before its IPO.
中国AI公司Megvii是一家“独角兽”初创企业。 甚至在首次公开募股之前,该公司的市值就超过了10亿美元。
#China #Chinese #ArtificialIntelligence #AI #Megvii

The defense company CETC is developing most of the Chinese espionage and surveillance software.
国防公司CETC正在开发大多数中国间谍和监视软件。
#China #Chinese #espionage #surveillance #software #CETC

Xi Jinping builds new Confucian temples. Confucius is again a school subject.
习近平建立了新的孔庙。 孔子再次是学校的科目。
#China #Chinese #society #Confucius #confucianism #XiJinping

Qingcheng Prison near Beijing for political prisoners is overcrowded.
北京附近的政治犯青城监狱人满为患。
#China #Chinese #society #Qingcheng #prison #politicalprisoner #Beijing

The Chinese Communist Party has 90 million members, more than Germany has inhabitants.
中国共产党有9000万会员,超过德国的居民。
#China #Chinese #society #CPC #Communism #Communist_Chinese #Germany

Alibaba founder Jack Ma, along with more than 100 other billionaires, is a member of the Chinese Communist Party.
阿里巴巴创始人马云与其他100多位亿万富翁是中国共产党的成员。
#China #Chinese #society #CPC #Communism #Communist_Chinese #Alibaba #JackMa #billionaires

In five years, China's Communists will be in power longer than those of the Soviet Union.
五年后,中国共产党执政的时间将超过苏联。
#China #Chinese #society #Communism #CPC #Communist_Chinese

稀土-2018年,全球开采了约170,000吨稀土氧化物。 超过98%来自以下国家:
#China #Chinese #rareearths #USA #Brazil #Burundi #Russia #India #Myanmar #Thailand #Australia https://t.co/7UvSkhcWPF

Rare earths - In 2018, around 170,000 tonnes of rare earth oxides were mined worldwide. More than 98 percent came from these countries:
#China #Chinese #rareearths #USA #Brazil #Burundi #Russia #India #Myanmar #Thailand #Australia https://t.co/h0rxQt2C4g

Tsinghua University and Beijing University are among the top 25 of the QS World University Ranking.
清华大学和北京大学在QS世界大学排名中排名前25位。
#China #Chinese #university #Beijing #Tsinghua

The Chinese Patent Office registered 1.38 million patent applications in 2017. In 2007, there were still about 245,000.
2017年,中国专利局注册了138万件专利申请。2007年,仍然有约245,000件。
#China #Chinese #technology #patents #economy

2017年,中国在研发方面的支出约为2800亿美元。 这相当于国内生产总值的2.12%。
#China #Chinese #economy #technology #research #development

In 2017, around $ 280 billion was spent on research and development in the People's Republic of China. This corresponds to 2.12 percent of the gross domestic product.
#China #Chinese #economy #technology #resarch #development

为了提高国有企业的效率,中国依靠国有企业的合并,例如中国铁路股份公司或中国核公司。
#China #Chinese #economy #technology #railroad #nuclear

In order to make SOEs more efficient, China relies on the merger of state-owned companies, such as China Railroad Stock Corporation or China Nuclear Corporation.
#China #Chinese #economy #technology #soe #railroad #nuclear

China wants to become a technological superpower by 2049.
中国希望到2049年成为技术超级大国。
#China #Chinese #society #economy #technology #Superpower

中国美的集团(Midea Group)拥有多数股权的奥格斯堡机器人制造商库卡(Kuka)由于中美之间的贸易战,2019年第二季度的利润与去年同期相比下降了50%  。
#China #Augsburg #kuka

The Augsburg-based robot builder Kuka, which is majority owned by the Chinese Midea Group, recorded a 50 percent drop in profits in the second quarter of 2019 compared to the same quarter of the previous year due to the trade war between the US and China.
#China #Augsburg #kuka

华为聘用了80,000多名工程师和软件开发人员,每年为华为的研发投入约130亿欧元。
#China #Chinese #economy #Huawei #researchers

Huawei employs more than 80,000 engineers and software developers, accounting for around 13 billion euros annually for Huawei's research and development.
#China #Chinese #economy #Huawei #researchers

Chinese creditors hold US Treasury bonds and other debt worth probably $ 1.15 trillion.
中国债权人持有的美国国债和其他债务价值约为1.15万亿美元。
#China #Chinese #economy #credit #USA #Debt

Seven out of ten major e-vehicle battery manufacturers are from China.
十个主要的电动汽车电池制造商中有七个来自中国。
#China #Chinese #economy #eMobility #emobility2019 #emob

China's current account surpluses to the US today exceed $ 420 billion.
今天,中国对美国的经常账户盈余已超过4200亿美元。
#China #Chinese #USA #trade #economy

中国国有航运公司中远集团的投资使比雷埃夫斯成为2019年地中海最赚钱的港口。
#China #Chinese #Cosco #Mediterranean #Greece #Piraeus #beltandroad #BRI

The investments of the state-owned Chinese shipping company Cosco made it possible for Piraeus to become the most profitable port in the Mediterranean in 2019.
#China #Chinese #Cosco #Mediterranean #Piraeus #Greece #beltandroad #BRI

``一带一路''倡议遵循中国的规定。 因此,到2018年初,有89%的订单流向了中国公司。
#China #Chinese #economy #society #beltandroad #BRI

The Belt and Road Initiative follows Chinese rules. Thus, by early 2018, 89 percent of the orders went to Chinese companies.
#China #Chinese #economy #society #beltandroad #BRI

MERICS is an institute founded in 2013 that focuses on contemporary and practice-oriented China research based in Berlin.
https://t.co/dtVzheD80J
#China #Chinese #society #economy #merics @merics_eu

At present, Chinese investment in the Belt and Road Initiative is estimated at $ 340 billion.
目前,中国对“一带一路”倡议的投资估计为3400亿美元。
#China #Chinese #economy #beltandroad #BRI #GobalNews

Xi Jinping: "We will bring real value to the world and to all our peoples."
习近平:“我们将为世界和我们各国人民带来真正的价值。”
#China #Chinese #XiJinping #GlobalNews #society #economy

截至2019年4月,已有126个国家和29个国际组织与中国签署了合作协议。
#China #Chinese #society #economy #GlobalNews

By the end of April 2019, 126 countries and 29 international organizations had signed cooperation agreements with China.
#China #Chinese #society #economy #GlobalNews

Italy has decided to allow Chinese billion-dollar investments.
意大利已决定允许中国投资数十亿美元。
#China #Chinese #economy #investment #Italy

China still has a per capita income at the level of Bulgaria today.
中国的人均收入仍然达到今天的保加利亚水平。
#China #Chinese #economy #Bulgaria

The "American Dream" becomes Chinese.
“美国梦”成为中国人。
#China #Chinese #society #economy #americandreams

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Montag, 2. Dezember 2019

Chinese Society Studies - Tweets from November 2019 - 中国社会研究-2019年11月以来的推文

上海等城市是巨大的枢纽。 它们增加了流动性,空间和能量。 不能在领土边界停留的复杂基础设施是必须的。
#China #Chinese #Shanghai #GlobalCities #infrastructure https://t.co/bdv95gQ2Xl

Cities like Shanghai are huge hubs. They increase mobility, space and energy. Sophisticated infrastructures that do not stop at territorial borders are a must.
#China #Chinese #Shanghai #GobalCities #infrastructure https://t.co/NAtVpkyohi

你想学中文吗? 或者只是了解更多关于中国文化的信息? 汉堡孔子学院为您提供各种加深对中国的了解的机会。
https://t.co/5Fea1ROlng
#China #Chinese #society #culture #confucius #Hamburg #Shanghai

You want to learn Chinese? Or just learn more about Chinese culture? The Confucius Institute Hamburg offers you a variety of opportunities to deepen your knowledge of China.
https://t.co/5Fea1ROlng
#China #Chinese #society #Culture #confucius #Hamburg #Shanghai

传统的中国宗教(佛教,道教,民间宗教)与非中国基督教之间存在着明显的鸿沟,由于北京担心与中国的外交关系和迅速发展,基督教面临着限制。
#China #Chinese #religion #Buddhism #Daoism #Christian

There is a clear divide between the traditionally Chinese religions (Buddhism, Daoism, folk religion) and the non-Chinese religion of Christianity, which faces restrictions because Beijing fears its foreign ties and rapid growth.
#China #religion #Buddhism #Daoism #Christian

在上海和中国,教育系统是竞争与腐败的中心,贿赂教师和教区长以使孩子们进入正确的学校和班级,并使他们得到优惠待遇。
#China #Chinese #Shanghai #education #Corruption

The education system is a centre for competition and corruption in Shanghai and China, with bribes going to teachers and pricipals to get children into the right schools and classes and to have them receive preferential treatment.
#China #Chinese #Shanghai #education #Corruption

As 》planetary powers,《China and India have taken to expanding their activities well beyond their borders in the last two decades.
作为“行星大国”,《中国和印度在过去的二十年中已采取行动,将活动范围扩大到其边界以外》。
#China #Chinese #India

2000年至2017年间主要西方媒体样本的《中国》和《北极》,《日本》和《北极》,《亚洲》和《北极》关键词的搜索结果。
#China #Chinese #Japan #Asia #Arctic https://t.co/Z5PUl8ih1B

Results for 》China《 and 》Arctic《, 》Japan《 and 》Arctic《 and 》Asia《 and 》Arctic《 keywords for a sample of major Western media between 2000 and 2017.
#China #Chinese #Arctic #Japan #Asia https://t.co/zVkudRvOK1


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