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Dienstag, 7. August 2012

Die Linke. Bayern: „Hochschule im Kapitalismus“ - Der Kongress des SDS in Bayern am 12. Mai 2012 im EineWeltHaus in München

Torsten Bultmann kann viele von Nicole Gohlkes Äußerungen bestätigen. „Im zeitlichen Rahmen der 68er-Bewegung entstand eine historisch einmalige Konstellation, in einem größeren Umfang nicht-mainstreamförmige, d.h. kritische Wissenschaft an den Hochschulen auch institutionell zu verankern. Diese Verankerung speiste sich zum einen aus der grundsätzlichen Hochschulkritik der politischen Bewegung von Studierenden und Assistenten. Sie wurde zugleich durch den Ausbau der Hochschulen erheblich begünstigt: Deren Kapazitäten - einschließlich der Studierendenzahlen - verdoppelten sich etwa von Mitte der 60er-bis Mitte der 70er-Jahre: durch Ausbau traditioneller Einrichtungen und Neugründungen „auf der grünen Wiese“ (z.B. Oldenburg, Bremen, Kassel). Dadurch entstand ein entsprechender (Zusatz-)Personalbedarf, der allein durch den wissenschaftlichen Nachwuchs der traditionellen Ordinarien nicht gedeckt werden konnte.“, so Thorsten Bultmann. Eine politische Wende – nicht nur in finanzieller Hinsicht stellt dann der sog. „Öffnungsbeschluss“ (1977) dar, in dessen Folge zunächst die Hochschulfinanzierung auf dem Niveau von 1975 eingefroren wurde. Seitdem dominiert Mängelbewirtschaftung, Kürzungs- und Sparpolitik. Knappe Mittel befördern immer die Konzentration auf das Übliche, den wissenschaftliche Mainstream zu Lasten von Kritik, Innovation und Querdenkertum. Gleichzeitig förderten diese Bedingungen den Übergang zu „wettbewerblichen“ Steuerungsmodellen, von denen Nicole gesprochen hat. Als dann nach der Jahrtausendwende der Professorenberufungswelle von Anfang der 70er-Jahre eine entsprechende Pensionierungswelle folgte, nutzten die neuen „starken“ Hochschulleitungen dies aus, um kritische Wissenschaft zu entsorgen, indem die Berufungsgebiete und Forschungsschwerpunkte der 68er-Professuren gestrichen oder „umgewidmet“ wurden.

Mein Blog befasst sich in einem umfassenden Sinn mit dem Verhältnis von Wissen, Wissenschaft und Gesellschaft. Ein besonderes Augenmerk richte ich dabei auf die Aktivitäten des Medien- und Dienstleistungskonzern Bertelsmann und der Bertelsmann Stiftung.