Dienstag, 24. Dezember 2013

Christian Bartlau: Die Krawalle in Hamburg und die Rolle der Polizei - Was alles nicht gesagt wird

Zur Wahrheit gehört, dass die Polizei nicht so massiv vorgehen musste. Sie sollte die Demonstration begleiten und die Sicherheit für alle gewährleisten. Einzelne Gewalttäter hätte sie gezielt aus dem Protestzug entfernen können, oft genug belässt sie es dabei. Nicht so am Sonnabend in Hamburg. Innerhalb weniger Minuten eskalierte die Situation völlig. Kleine Gruppen aus zehn bis zwanzig Polizisten rannten teilweise bis einhundert Meter in die Demonstration hinein, wobei sie selbst vom Schwarzen Block eingekesselt wurden. Wer auch immer diese Aktionen angeordnet hat: Sie waren taktisch dumm, wirkungslos und für die Beamten lebensgefährlich. Erschrockene Demonstranten retteten sich in Geschäfte und beobachteten durch die Ladenfenster, wie einzelne aus dem Schwarzen Block mit Verkehrsschildern auf Polizisten losgingen. Zum besseren Verständnis der Exzesse sei angemerkt, dass es nun einmal - und diese schlichte Wahrheit traut sich so gut wie kein Politiker anzusprechen, weil er sich dann die Gewerkschaften der Polizei zum Feind macht - auch unter den Beamten Menschen gibt, die bewusst Gewalt suchen. Hooligans in Uniform, wenn man so will. Jeder, der öfter als einmal im Jahr auf eine Demonstration geht, weiß das. Es gibt Einsatzhundertschaften, die berüchtigt sind für ihren dünnen Geduldsfaden. Das ist kein Generalverdacht gegen die Polizei, sondern eine nüchterne Feststellung, die zur Wahrheit dazu gehört.

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Montag, 23. Dezember 2013

Benno Stieber: Je kleiner, desto schwächer - Der Fall des freien Journalisten Hubert Denk zeigt: In Deutschland gerät die Pressefreiheit unter Druck

Den juristischen Druck wohlhabender Kläger müssen investigativ arbeitende Journalisten wohl aushalten. Wenn es aber nicht einmal mehr eines handwerklichen Fehlers bedarf, damit ein Journalist in seiner Existenz bedroht wird, wird die Presse behindert. Auch durch die Ermittlungen staatlicher Stellen. Eigentlich ist die Rechtslage eindeutig: Im Spiegel-Urteil, und 50 Jahre später im Cicero-Urteil hat das Bundesverfassungsgericht das Zeugnisverweigerungsrecht der Journalisten gestärkt und klargestellt, dass Akten, Büros und Wohnungen von Journalisten nur durchsucht werden dürfen, wenn sie einer Straftat verdächtigt werden. Ebenso wenig dürfen Ermittlungen dazu dienen, Journalisten einzuschüchtern. Im Fall Denk ermitteln die Behörden deshalb trickreich wegen Anstiftung zur Verletzung des Dienstgeheimnisses.

(Aus: DIE ZEIT, 19. Dezember 2013, Nr. 52, S. 13)

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Steffen Roski: "Büchner BLUEs" - Sabine Dissel: Literarische Lesung und Kunst in der Ottensener "Bedürfnisanstalt"

"Leonce und Lena" - Komödie und Spätwerk Büchners - stand am vergangenen Samstag (21. Dezember 2013) auf dem Programm der Büchner-Reihe mit der Literaturwissenschaftlerin Sabine Dissel und bildete zugleich den literarischen Endpunkt derselben.

Ehrlich gesagt bin ich mit etwas gemischten Gefühlen in die "Bedürfnisanstalt" nach Altona-Ottensen gekommen. Im Kontext einer Unterrichtsvorbereitung hatte ich vor Jahren das Stück gelesen und es schnell wieder weggelegt. Die Handlung ist denn auch rasch wiedergegeben: Ein Prinz (aus dem Königreich Popo) soll eine Prinzessin (aus dem Königreich Pipi) laut königlischem Dekret heiraten, ist allerdings unwillig und flieht mit seinem getreuen Vasallen gen Süden. Spiegelbildlich begibt sich auch die ebenfalls heiratsunwillige Prinzessin auf Wanderschaft. Man begegnet sich, verliebt sich ineinander und nach einigen Kalamitäten kommt es schließlich dann doch noch zur Hochzeit.



Noch etwas muss ich freimütig einräumen: Als ich das Stück gelesen hatte, versäumte ich es, die einschlägige Sekundärliteratur zu wälzen. Zu wenig interessant fand ich den Text damals. Sabine Dissel hat mir jedoch die Gelegenheit gegeben, das einst Versäumte nachzuholen und mich eines Besseren belehren zu lassen. Tatsächlich bildet "Leonce und Lena" gleichsam den Schlussstein im Büchnerschen Oeuvre. Alles, was der jung verstorbene Autor zuvor verfasst hat - handele es sich um den "Landboten" oder der den "Lenz" -, findet sich in der Komödie gleichsam autoreflexiv wiedergespiegelt. Dissel vertrat sogar die These, dass die legendäre rebellisch-politische Schrift "Der Hessische Landbote" von Büchner in "Leonce und Lena" in subtiler Weise dramatisiert worden sei. Neben Anspielungen und ironischen Brechungen des eigenen Werks sind in der Komödie eine Vielzahl von Zitaten und Verweisen auf literarische und philosophische Schriftten und Werke aus den unterschiedlichsten Epochen und Zeiten vom Autor kunstvoll amalgamiert worden. Dies von der Büchner-Kennerin souverän serviert bekommen zu haben, lohnte allein schon den Besuch der Veranstaltung. Dass das Stück dann noch in einer sehr schönen Fassung aus dem Jahre 1949 zu Gehör gekommen ist, rundete den Abend in der "Bedürfnisanstalt" gelungen ab.

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Dienstag, 17. Dezember 2013

CATERINA LOBENSTEIN: ALTERNATIVE FÜR DEUTSCHLAND - Wie autoritär ist die AfD? - Die AfD ist die One-Man-Show ihres Chefs Bernd Lucke. Das ist gefährlich. Denn dadurch bleibt verborgen, mit welchen extremen Positionen an der Basis hantiert wird.

Die AfD hat gute Chancen, im kommenden Jahr ins Europaparlament einzuziehen. Sie könnte in Dutzende Kreistage gewählt werden. Und sie könnte in Sachsen, Thüringen und Brandenburg in den Landtag kommen. In allen drei Ländern erhielt sie bei der Bundestagswahl mehr als sechs Prozent der Stimmen. Aber wer wird dann bestimmen, wofür die AfD steht? Marktliberale wie Hans-Olaf Henkel, der Spitzenkandidat für die Europawahlen werden könnte? Ultrakonservative Adelige um die Berliner AfD-Politikerin Beatrix von Storch, die auf Abtreibung und Homosexuelle schimpfen? Islamfeindliche Populisten, die gegen den Bau von Moscheen hetzen? Selbst ernannte "Leistungseliten", die offen darüber nachdenken, Hartz-IV-Empfängern das Wahlrecht zu entziehen? Sie alle haben in den vergangenen Monaten in der AfD ihren Platz gefunden. Sie wollen mitreden, wenn um Posten, Listenplätze und Inhalte gestritten wird. Doch was die offizielle Linie der AfD ist, entscheidet momentan vor allem einer: Bernd Lucke selbst. Im Alleingang veröffentlicht er Thesenpapiere (über den Islam), Benimmkataloge (für Parteigenossen) und Gesinnungsfragebögen (für neue Mitglieder). Die Parteimitglieder dürfen seinen Vorschlägen per E-Mail zustimmen oder sie ablehnen. Mitgestalten dürfen sie nicht. "Schlimmer als in der SED", nennt das ein ostdeutscher Landeschef. Gerhard Nadolny, AfD-Mitglied aus Nordrhein-Westfalen, der im August aus der Partei ausgetreten war, bezeichnet Bernd Lucke als einen "autoritären AfD-Führer".

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Thomas Fischer: Völkisches Recht - Der Mord-Paragraph ist eine Erfindung der Nazis. Wie konnte er sich so lange halten? Plädoyer für eine überfällige Rechtsreform

Jede vorsätzliche Tötung eines Menschen ist ein empörendes Geschehen. Jeder Verbrecher ist, die meiste Zeit seines Lebens, nicht Räuber, sondern Sohn, nicht Plünderer, sondern Kollege, nicht Mörder, sondern Nachbar. Dies und vieles andere ist bei der Strafzumessung zu berücksichtigen. Wenn aber die schwankende Grenze zum Begriff des "Mörders" überschritten wird, ziehen sich die Lebensgeschichte und die Persönlichkeit des Beschuldigten an den Fäden des Freislerschen Tätertyps zusammen auf einen Punkt. Dann entscheidet die Bewertung eines einzigen Augenblicks über alles: heimtückisch oder habgierig oder niedrig? Nichts anderes zählt mehr. Obgleich doch alle wissen, wie leicht es ist, heimtückisch zu sein oder rachsüchtig oder habgierig.
"Mörder ist, wer ..." ist eine menschenunwürdige Formel. Sie reduziert den Richter auf die Funktion eines Automaten, der eine starre Rechtsfolge auszuwerfen hat nach Eingabe von Merkmalsdaten, an deren Kraft er selbst kaum glaubt. Sie reduziert den Beschuldigten auf einen einzigen Punkt. Sie reduziert die Errungenschaften der Moderne - Diskursivität, Rationalität, Verantwortung - auf ein paar formale Erkenntnisse. Dies tut sie nicht, wie der Unkundige annimmt, auf gesichertem Grund, sondern auf der Basis moralisierender Bewertungen, unklarer Abgrenzungen und ungerechter Schematisierungen. 
(Aus: DIE ZEIT, 12. Dezember 2013, Nr. 51, S. 8)

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Montag, 16. Dezember 2013

Thomas Barth: Beginn der politischen Demenz bei der Tageszeitung "junge welt"?


M.Zander referiert nahezu unreflektiert Ergebnisse einer Studie der Bertelsmann Stiftung (BtmSt), die sich im linken Gewand präsentiert und mangelnde Wahlbeteiligung von Arbeitslosen und Verelendeten diagnostiziert (ihr Lösungsvorschlag "Wahlpflicht" ist wohl kaum ernst gemeint). Bis auf ein paar Nebenbemerkungen und zwei kauminformierte, lauwarm-kritische  Schlußsätze bleibt die jW bemerkenswert folgsam im Referieren der Ergebnisse. Der Leser erfährt ganz zum Schluss nur lapidar, dass Bertelsmann doch "für die Privatisierung öffentlichen Eigentums und die Schleifung sozialer Sicherheiten, also für die Verschärfung der gesellschaftlichen Gegensätze" gearbeitet hat. Wenn dies alles ist, was bei linken Publizisten noch von den Anti-Btm-Protesten erinnert wird, grenzt es an politische Demenz.
Die maßgebliche Federführung der BtmSt für Bildungsprivatisierung, -abbau und verflachung etc., und insbesondere für Harzt IV erwähnt Zander ebensowenig wie die mediale Macht des Konzerns: RTL als Leitmedium der verelendeten und dortselbst ausgestellten und verhöhnten "Unterschichten". Wer einen Vormittag RTL guckt, wudnert sich nicht, dass die dort Sozialisierten inzwischen schon der 2.Generation völlig entpolitisiert sind.

Kritik an


wäre sicher nicht verfehlt.

jW, 14.12.2013 / Inland / Seite 5
Exklusive Demokratie
Bertelsmann-Stiftung diagnostiziert »soziale Spaltung der Wählerschaft« bei der Bundestagswahl im September. Autoren schlagen unter anderem Plicht zur Teilnahme vor. Von Michael Zander
Je prekärer die lokalen Lebensverhältnisse, desto weniger Menschen gehen wählen. Dies ist das Ergebnis einer am Donnerstag veröffentlichten Studie der Bertelsmann-Stiftung zur Bundestagswahl 2013. Die Autoren Armin Schäfer, Robert Vehrkamp und Jérémie Felix Gagné untersuchten Daten aus 1644 Stadtteilen und ländlichen Stimmbezirken. Die Wahlbeteiligung, so ihr Befund, fällt dort gering aus, wo die Erwerbslosenquote hoch ist und Menschen über wenig Kaufkraft sowie relativ niedrige Bildungsabschlüsse verfügen.
In »Nichtwählerhochburgen« wie Köln-Chorweiler, Leipzig-Volkmarsdorf oder Bremen-Tenever liegt der Erwerbslosenanteil bei rund 20 Prozent, umgekehrt sind in Quartieren mit 90 Prozent Wahlbeteiligung – etwa Köln-Hahnwald oder Hamburg-Nienstedten – weniger als drei Prozent der Stimmberechtigten ohne Arbeit. Dieser Trend zeigt sich bundesweit in allen Untersuchungsgebieten. Der Zusammenhang zwischen Kaufkraft und Wahlverhalten läßt sich sogar im Vergleich zwischen relativ wohlhabenden und reichen Vierteln nachweisen. Das Bildungsniveau spielt eine Rolle, fällt aber gegenüber anderen Faktoren weniger ins Gewicht. Die Variable »Geschlecht« wurde nicht berücksichtigt.
Insgesamt lag 2013 die Wahlbeteiligung bei nur 71,5 Prozent, dies ist der zweitniedrigste Wert seit Gründung der Bundesrepublik. Rund 17 Millionen Bürger gingen nicht zur Wahl. »Hinter der zunehmenden Ungleichheit der Wahlbeteiligung verbirgt sich eine soziale Spaltung der Wählerschaft«, heißt es in der Studie. »Die Demokratie wird zu einer immer exklusiveren Veranstaltung für Menschen aus den mittleren und oberen Sozialmilieus, während die sozial prekären Milieus deutlich unterrepräsentiert bleiben.«
Die Zahlen sagen allerdings nichts über die subjektiven Gründe für die Wahlenthaltung. In der Bertelsmann-Publikation Einwurf (1/2013) schreiben Vehrkamp und sein Koautor Dominik Hierlemann, ein »Wertewandel« habe dazu geführt, daß auf soziale Ungleichheit nicht mit Protest, sondern mit Apathie reagiert werde. Dabei verlieren sie kein Wort über die Rolle der jeweils regierenden Parteien, die ihre Politik als »alternativlos« darstellen und so Wahlberechtigte systematisch entmutigen. In Umfragen der Friedrich-Ebert- und der Konrad-Adenauer-Stiftung während der letzten Jahre gaben viele Befragte als Motiv für Enthaltung an, durch ein Votum keinen nennenswerten Einfluß auf die Politik nehmen zu können.
Schäfer, Vehrkamp und Gagné möchten mit ihrer Studie eine Diskussion über Gegenmaßnahmen anregen. Sie erwägen eine »gesetzliche Wahlpflicht«, eine »veränderte Berichterstattung über Politik« durch die Medien, »direkte Demokratie und Bürgerbeteiligung« sowie eine stärkere Rolle der Schulen bei der »Demokratieerziehung«. Auf die eigentlich naheliegende Idee, daß eine politische Kraft notwendig sei, die soziale Ungleichheit beseitigen oder wenigstens verringern könnte, kommen sie nicht. Das ist insofern konsequent, als die einflußreiche Stiftung selbst sich in den vergangenen Jahrzehnten für die Privatisierung öffentlichen Eigentums und die Schleifung sozialer Sicherheiten, also für die Verschärfung der gesellschaftlichen Gegensätze stark gemacht hat.



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Paul Gillespie: Much regional variation in performance of European populist right parties - Opinion: Consolidation without further integration could mean a period of stagnation, some economists argue

This systemic integration problem concerning the euro zone is matched by one concerning political and social integration. There is plenty of evidence to show the crisis has affected national electoral politics and some to show it links up national and European political levels. But voters do not have a clear choice at either level about alternative policies to handle the crisis. This failure diminishes overall levels of accountability and hence of trust and legitimacy. Researchers at a recent conference organised by the European Union Democracy Observatory in the European University Institute in Florence heard how economic voting has punished incumbent governments held responsible for the crisis and rewarded opposition parties.

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Freitag, 13. Dezember 2013

Patrick Gensing: Die konformistische Rebellion - Bei der Bundestagswahl kratzt die AfD an der Fünf-Prozent-Hürde. In Berlin-Hellersdorf sahnt die NPD mit Hetze gegen Flüchtlinge mehr als zehn Prozent ab. Thilo Sarrazin ist salonfähig – und während Politik und Medien vor neuen »Flüchtlingswellen« warnen, füllen Frei.Wild mit bierseligem Identitätsrock die großen Hallen. Alles nur isolierte Phänomene – oder Zeichen eines oft beschworenen Rechtsrucks der Gesellschaft?

Durch die großen Hallen Deutschlands hallen ähnliche Parolen: „Nichts als Richter, nichts als Henker – Keine Gnade und im Zweifel nicht für dich – Heut gibt es den Stempel, keinen Stern mehr“, grölen Tausende Frei.Wild-Fans bei den Konzerten. Die Band behauptet, sie seien überhaupt nicht rechts, eigentlich unpolitisch. Ihre Texte erzählen eine andere Geschichte: Ein dumpfes Wir-Gefühl wird transportiert, Frei.Wild bieten nicht nur einfache Erklärung für komplexe Probleme, sondern schweißt die Fans zu einer Gemeinschaft zusammen – „Feinde deiner Feinde“ haben sie ihre jüngste CD getauft. Bei den Gigs recken wütende junge Männer trotzig ihre Fäuste in die Luft und schwören, nie aufzugeben. Schuld an der eigenen Misere sind auch hier linke Gutmenschen, etablierte Politiker sowie „die“ Medien. Von denen fühlt sich auch die Band schlecht behandelt – und rief daher eine eigene Webseite ins Leben: „Die Macht der Medien“. Hier werden Presseberichte in gut und schlecht eingeteilt – so wie der ganze Frei.Wild-Kosmos von einem klaren Freund-Feind-Denken geprägt ist. Übrigens haben auch AfD-Anhänger eine eigene Webseite aufgesetzt, um gegen die „mediale Hetze“ vorzugehen. Sogar eine Art Internet-Pranger für Journalisten gibt es hier; die Parteispitze distanzierte sich zwar, doch auf der eigenen Facebook-Seite bewirbt man die Seite bis heute.

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Stephan Wehowsky: Gastkommentar zu NSA und Big Data - Das neue Paradigma verstehen

Im Zusammenhang des Aufrufs zur Verteidigung der Demokratie hat der Schriftsteller T. C. Boyle eine Formulierung gefunden, die der heutigen Situation relativ nahekommt: «Während wir schliefen, haben die Maschinen die Welt übernommen, genau wie es die alten Science-Fiction-Filme voraussagten.» Statt «Maschinen» müsste man besser sagen: «Informationstechnologien» oder noch genauer: «das Informationsparadigma». Erst dann wird nämlich klar, warum unsere überkommenen Vorstellungen von Privatsphäre und der Politik, die zumindest in freiheitlichen Ländern diesen individuellen Raum zu schützen habe, unserer Zeit nicht mehr gerecht werden. Denn das Informationsparadigma löst die Privatheit ebenso auf wie das Individuum und die Regeln der herkömmlichen Politik. Dieses Paradigma hat eine ähnliche gesellschaftliche Wucht wie einstmals die Einführung der Geldwirtschaft. Denn es verändert unsere herkömmlichen Wahrnehmungen dadurch, dass die neue Währung der Information bisherige Konventionen ebenso sprengt wie das Geld, das die Grenzen zwischen Ständen relativiert und zuletzt aufgehoben hat.

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Donnerstag, 12. Dezember 2013

Hoo Nam Seelmann: Diktat westlicher Schönheit - Die Traurigkeit der Mandelaugen - Die Mandelaugen gelten als ein Merkmal der mongolischen Rasse. Um die Augen vor der Kälte zu schützen, machte die Evolution die oberen Augenlider dicker und schwerer. Was einst Schönheitsideal war, wird heute zunehmend als Makel empfunden. Wie in Südkorea legen sich immer mehr Menschen unters Skalpell.


Die Mandelaugen gelten als ein Merkmal der mongolischen Rasse. Um die empfindlichen Augen vor der Kälte zu schützen, wurden, so die Evolutionstheorie, die oberen Augenlider dicker und schwerer. Die Augen lassen sich darum nicht ganz öffnen. Menschen, die Mandelaugen haben, besitzen auch flache Gesichtszüge und eine niedrige Nasenwurzel. Dass die Augen der Europäer gross erscheinen, hat unter anderem mit der Beschaffenheit der oberen Augenlider zu tun. Diese sind dünn und lassen sich beim Aufschlagen weit nach hinten aufklappen. Man sieht mehr von den Augen. Die gesamte Anatomie des Gesichts ermöglicht dies: Die Nasenwurzel liegt hoch, die Stirn ist vorgewölbt, und die Augenhöhlen sitzen tief. Ein weiterer wichtiger Faktor ist, dass die Augenlider an ihren unteren Enden Falten besitzen.


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András Schiff: Hungarians must face their Nazi past, not venerate it - A new statue of Admiral Horthy – Hungary's war-time ruler and Hitler's ally – symbolises a refusal to face up to the country's darkest history


Antal Rogán – a spokesman for the governing Fidesz party – is worried about Hungary's negative reputation abroad. He has every reason to be troubled, because the country is responsible for some of the worst news within the European Union. Let's face it, there are no Hitler statues in Germany, and in Austria they are constitutionally forbidden. The same is true of Mussolini in Italy, Pétain in France, Ion Antonescu in Romania or Josef Tiso in Slovakia. None of them is being commemorated and extolled.


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Chris Johns: What lessons can be learned from economic recovery? - Europe obsesses about who will pay for future bank bailouts while failing to deal with consequences of the last


Europe, as is painfully familiar, pursued an alternative policy mix. Aggressive fiscal austerity in many countries was accompanied by reluctant and relatively feeble monetary stimulus. One consequence of which, which has not attracted enough comment or analysis, is that the euro has been too strong. Japan lost two decades (not just one) pursuing a policy mix that led, until very recently, to an over-valued currency. Another difference between the US and the UK on the one hand and the euro area and Japan on the other is the speed which banking systems have been cleaned up.


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Werner J. Marti: Drogenpolitik - Kehrtwende in Lateinamerika


Angesichts dieser Tragödie erstaunt es nicht, dass in letzter Zeit in Lateinamerika und selbst in den USA zunehmend Stimmen nach einer Änderung der bisherigen Anti-Drogen-Strategie rufen. Denn es ist gerade die Prohibition, die – wie seinerzeit beim Alkoholverbot in den USA – die Mafia entstehen liess und so stark und gefährlich machte. Es wirkt geradezu zynisch, wenn heute vielerorts in Europa und in den USA der Drogenkonsum de facto geduldet wird, aber gleichzeitig von den Lateinamerikanern erwartet wird, dass sie weiterhin die hohen menschlichen Kosten der Bekämpfung des Anbaus und des Handels tragen.


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Claudia Aebersold Szalay: Kosten der Regulierung - Deutsche Banken fürchten sich vor gemeinsamen Töpfen


Grundsätzlich wollen die Banken, die bei der Präsentation der Studie zwar zugegen waren, aber nicht der Auftraggeber der Untersuchung sind, die verschiedenen Regulierungsvorstösse – Kosten hin oder her – gar nicht infrage stellen und auch nicht über sie jammern. Sie hatten am Mittwoch im Gegenteil sogar Grund zur Freude. Denn nicht Mifid und CRR sind es, die die deutschen Banken fürchten, sondern das, was sie selbst «Europäisierung der Töpfe» nennen, also dass deutsche Institute künftig für Bankenpleiten in Griechenland oder Irland aufkommen könnten. Der in Brüssel in der Nacht auf Mittwoch gefundene Kompromiss eines gemeinsames Rettungstopfs mit vorerst nationalen Kammern ist genau nach dem Gusto der deutschen Kreditwirtschaft – für einmal ist diese denn auch mit Finanzminister Schäuble zufrieden, der sich in diesem Punkt erfolgreich für die deutschen (Banken-)Interessen eingesetzt hat.


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boese-geschaefte.com: Abgezockt vom Saubermann – Betrug durch Bertelsmann - Diesen Blog habe ich gestartet, weil meine Großeltern übel von Bertelsmann und seinen Handlangern über den Tisch gezogen wurden. Über die Jahre haben sie tausende Euro als angebliche Wertanlage in wertlosen Papiermüll in Form angeblich wertvoller Bücher investiert. Ich habe inzwischen viele Informationen zusammengetragen und auch Kontakte zu Anwälten und anderen Geschädigten. Ich veröffentliche das hier in der Hoffnung, dass wir diesen Betrügern das Handwerk legen können.

Eintrag von Michaela (3. Juli 2013):


Hallo an alle, bei uns war es am Dienstag auch mal wieder so weit, ein Vertriebsleiter von Bertelsmann rief an um uns zu informieren das noch einige CDs und Begleitbände zu den CDs fehlen würde, die wir im Februar diesen Jahres zu den Büchern der Lexikothek gekauft haben, die er uns nun mit unserem Zahlungsplan liefern wolle. Ich sagte von Anfangan, das ich kein Interesse an einem weiteren Verkaufsgespräch hätte ( es wäre dann schon das vierte) und er sicherte mir zu, das es sich lediglich um eine Lieferung handeln würde. Ich stimmte dem zu. Als er dann kam stellte sich heraus das es sich doch um ein Verkaufsgespräch handelte. (war ja eigentlich schon klar) Aber nun kommt der Hammer. Er kam mit dem 2. Teil der Lexikothek auf CD,die uns laut Gespräch im Februar komplett,ich habe mehrmals nachgefragt, verkauft wurde,um uns diese nun zu verkaufen. Da uns das gleiche auch mit den Büchern passiert ist war ich bei den CD´s schon vorsichtiger, aber laut Gespräch handelt es sich hier um eine Pyramide, wo eins auf dem anderen aufbaut und eins ohne das andere keinen Sinn macht. Heute weiß ich auch, das das Blödsinn ist aber ich war halt gutgläubig. Nun zurück zu Dienstag. Er schob erst alles auf den Verkäufer im Februar so nach dem Motto falsche Beratung usw. gab aber im Laufe des Gespräches zu , das hier eine klare Verkaufsstrategie zu Grunde liegt, erst die Hälfte des Produktes zu verkaufen und dann nach ein paar Monaten mit dem zweiten Teil zu kommen. Laut Aussage des Vertriebsleiters springen auch 90% der Leute darauf an. Wir haben nichts mehr gekauft und werden uns nun auch fachliche Hilfe suchen,um zu klären ob hier nicht Betrug oder ähnliches vorliegt.Mein Fazit ist nun bei der Firma Bertelsmann ( soweit ich das steuern kann bei diesem riesigen Unternehmen) nichts mehr zu kaufen. Meine nun mehr als 17 Jahre bestehende Clubmitgliedschaft ist auch gekündigt. Ich weiß das die nicht auf mich angewiesen sind aber ich kann alle nur warnen Hände weg von Bertelsmann. Gute Nachschlagewerke, ist die Lexikothek meiner Meinung nach auf jeden Fall, gibt es anderswo auch zu dem Preis und das ohne unfaire Mittel!!!!!

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nachdenkseiten.de: Quo vadis Bildung? - Seit Jahr und Tag werden uns die „Bildungsrepublik Deutschland“ und „Vorrang für Bildung“ versprochen. Geschehen ist in all der Zeit nicht wirklich viel. Wird sich dies nun ändern – mit und dank der Großen Koalition? Jens Wernicke sprach mit Ulrich Thöne, ehemaliger Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).


"Schwarz -Rot wird mit nahezu 80% den Bundestag majorisieren. Ein kräftiges Argument könnte die Notwendigkeit sein, starke Mehrheiten für einen Aufbruch schaffen zu müssen – so wie in Finnland in den 70er. Aber nicht einmal das mittlerweile von fast allen als falsch angesehene Kooperationsverbot, das heißt die finanzielle Beteiligungsmöglichkeit des Bundes an Bildungsausgaben der Länder, soll korrigiert werden. Dafür droht im Länderfinanzausgleich eine weitere Entsolidarisierung. Gleichzeitig wird die Chance leichtfertig vertan, aus der Verpflichtung zur inklusiven Bildung einen Schritt zur Verbesserung der Bildungseinrichtungen zu machen und den Kinder und Jugendlichen sowie den beteiligten Pädagoginnen und Pädagogen drohen weitere unzumutbare Verschlechterungen."


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Jürg Dedial: Piskorski - Die Verjagten Verfrachtet durch ganz Europa - Das Thema von Flucht und Vertreibung wird im deutschsprachigen Raum zumeist mit einer deutschlastigen Optik behandelt. Ein umfangreiches Werk des polnischen Historikers Jan M. Piskorski korrigiert diese oft einseitige Betrachtungsweise. - Rezension zum Buch: Jan M. Piskorski, Die Verjagten. Flucht und Vertreibung im Europa des 20. Jahrhunderts, Siedler-Verlag, Berlin 2013. 432 S.

Der Text widmet sich ausführlich den Massenvertreibungen von Serben im Ersten Weltkrieg, von Armeniern und Griechen, den furchtbaren Verfolgungen und Deportationen unter Stalin und dann der Vertreibung von «nichtarischen» Volksgruppen durch die Nazis zu Beginn des Zweiten Weltkriegs. Im Einklang mit der nationalsozialistischen Rassenlehre sollte hier den «heim ins Reich» geholten Volksdeutschen neuer Lebensraum verschafft werden, noch ehe die Hitler-Barbarei im Wahnsinn des Holocausts gipfelte. Dass das prekäre Glück der Neuzuzüger auf Kosten anderer nicht einmal drei Jahre dauerte, ist die bittere und brutale Ironie der Geschichte, die immer mehr von Rache und Vergeltung geprägt wurde. Die letzte grosse Woge von Flucht und Vertreibung setzte schliesslich mit dem Vorrücken der Roten Armee und der Konsolidierung der Sowjetmacht in Osteuropa ein – eine gigantische Woge menschlichen Leids, die sich jetzt nach Westen wälzte und deren Wunden bis heute nicht vollständig verheilt sind.

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Thomas Speckmann: Mazower - Die Welt regieren - Die Regierbarkeit der Welt - Die Idee der Weltregierung ist überholt. Dennoch wird heute globale Grundsatzpolitik gemacht wie nie zuvor. Der Historiker Mark Mazower zeigt Vorstellungen und Ausprägungen globaler Ordnung in Vergangenheit und Gegenwart auf. - Rezension zum Buch: Mark Mazower, Die Welt regieren. Eine Idee und ihre Geschichte von 1815 bis heute, Verlag C. H. Beck, München 2013. 464 S.

Um dem Kontinent nach Napoleons endgültiger Niederlage eine neue Ordnung zu geben, wurde 1815 das erste Modell einer internationalen Regierung gestaltet: das Konklave der Grossmächte am Wiener Kongress. Als Reaktion auf diesen entstand wiederum der Internationalismus des 19. Jahrhunderts. Dessen Vertreter gingen davon aus, dass er zusammen mit dem Nationalismus als dem einflussreichsten politischen Glaubenssatz der damaligen Zeit die Welt zu einem besseren Ort machen werde. Dabei erinnert vieles von dem, was Mazower schildert, an die heutige Zeit: Kaufleute und Journalisten forderten freien Handel und weitergehende Industrialisierung. Wissenschafter verbreiteten technisches Wissen und verwirklichten Grossprojekte, welche die Menschheit einen sollten. Juristen drängten Staaten dazu, auf Kriege zu verzichten und ihre Konflikte durch einen Weltgerichtshof beizulegen. Und bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts hielten Geheimpolizisten Europas internationale Kongresse ab, um den Terrorismus besser bekämpfen zu können.

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