Freitag, 30. Januar 2015

David Signer: Judenhass, wieder und wieder. Siebzig Jahre nach Auschwitz sind die Antisemiten nicht verschwunden. Begründungen für ihr diffuses Unbehagen finden sie immer.

"Der Antisemitismus nimmt nicht nur in Frankreich, sondern weltweit wieder zu. Warum besteht er auch siebzig Jahre nach Auschwitz fort? Zur Ursache des Judenhasses gibt es unzählige Theorien. Zum Beispiel: Man habe den Juden die 'Erfindung' des Monotheismus übelgenommen, der uns mit seiner Strenge überfordert. Aber auch dass 'die Juden' Jesus umgebracht hätten, wird seit Jahrhunderten beklagt. Manche verachteten die Juden wegen ihrer Armut und Traditionalität, andere beneideten sie wegen ihres Reichtums, ihrer Intelligenz und Modernität. Manche hegten Aversionen gegen sie, weil sie staatenlos waren, andere gerade wegen des Staates Israel. Manche misstrauten ihnen, weil sie sich nicht anpassten, andere, weil sie sich assimilierten. Die Rechten sahen Marx in ihnen, die Linken Rothschild. Verschwörungstheorien zum jüdischen Einfluss im 'internationalen Kapital', in der amerikanischen Politik, in den Medien und in Hollywood sind ein Evergreen. Sogar Auschwitz bringt manche gegen die Juden auf. Denn: Müssen wir Armen wegen des Holocaust nicht permanent Gewissensbisse haben? Auch Lob kann leicht in Ressentiment umschlagen, wenn etwa einer raunt, es sei doch seltsam, wie viele Juden es unter den Nobelpreisträgern gebe."

Quelle: http://www.nzz.ch/meinung/antisemitismus-wieder-und-wieder-1.18471224

Donnerstag, 29. Januar 2015

Sarah Birke: How ISIS Rules

"The leaders have constructed a hierarchical, disciplined organization. According to Abu Hamza, a Syrian defector from the group's intelligence services whom I talked to in southern Turkey this fall, at the top is some group of twenty men, who have made a division between
ISIS's military and civilian arms. Specific leaders are responsible for ISIS's military and security forces; there are civilian ministries run by ministers, although they appear not to have physical central locations. Each Syrian province that ISIS controls, Abu Hamza told me, has an emir with military and civilian deputies; they oversee organizing the local administration. The group has set up new courts, local police forces, and an extensive economic administration, while taking over the existing education, health, telecom, and electricity systems (with some utilities still run by the Syrian government)."

Quelle: http://www.nybooks.com/articles/archives/2015/feb/05/how-isis-rules/?utm_medium=email&utm_campaign=NYR%20Citizens%20United%20Alice%20Munro&utm_content=NYR%20Citizens%20United%20Alice%20Munro+CID_1f0756ea5f61852ca8ce50d26bc6e898&utm_source=Email%20marketing%20software&utm_term=How%20ISIS%20Rules

Ranj Alaaldin: Isis has finally defeated in Kobani - but what happens next? There's so much to learn from the victory of a small but determined group of Kurds

"Syria's Kurds have succeeded because of their organisation, proper control structure, and professionalised fighting force. This is important, because they managed to repel Isis with far fewer resources than their Arab counterparts fighting Isis and Assad elsewhere in the country, as well as their Kurdish counterparts in Iraqui Kurdistan."

Quelle: http://www.independent.co.uk/voices/comment/isis-has-finally-been-defeated-in-kobani--but-what-happens-next-10006048.html

Stefan Betschon: "Spy vs. Spy" gegen alle

"Qwerty wurde durch einen Artikel im 'Spiegel' Mitte Januar bekannt gemacht. Der Hinweis auf diese offensichtlich im Rahmen der 'Five Eyes' entwickelte Malware stammt aus Dokumenten, die Edward Snowden dem 'Spiegel' zugänglich gemacht hat. 'Die Geheimdienste wollen die Herrschaft im Intetnet und beteiten einen digitalen Krieg vor', schrieb das deutsche Nachrichtenmagazin. Laut Snowden haben die 'Five Eyes' einen Warriorpride genannten Baukasten für die Konstruktion von Schadsoftware entwickelt. Qwerty ist ein Warriorpride-Baustein, der dazu dient, auf einem infizierten Computer Tastatureingaben abzufangen. So lassen sich auch Passwörter stehlen."

Quelle: Neue Zürcher Zeitung, 29. Januar 2015 (Nr. 23, 236. Jg.), S. 34

Marc Zitzmann: Verantwortungslose in der Verantwortung. Frankteich diskutiert über das unlösbare Dilemma, vor dem satirische Zeichner stehen

"Das Dilemma scheint unlösbar. Einerseits hat 'Charlie Hebdo' das Recht, Mohammed und die Exponenten anderer Religionen zu verspotten - sowohl juristisch (ein entsprechender Prozess wurde 2007 gewonnen) als auch politisch. Wer trotz Tidesdrohungen sein Recht auf Ausdrucksfreiheit ausübt, verdient als Streiter für die Demokratie Lob und Beistand. Andererseits kann jede Ausübung dieses Rechts Menschen im In- und Ausland das Leben kosten. Das ist gewiss nicht das Ziel der Satiriker, aber eine inzwischen vorhersehbare Folge ihres Tuns. Jede Veröffentlichung von 'Mohammed-Karikaturen' hat blutige Konsequenzen."

Quelle: http://www.nzz.ch/feuilleton/verantwortungslose-muessen-verantwortung-schultern-1.18470907

Jürg Bischoff: Was plant der "Kalif" nach Kobane? Kurzer Krieg zwischen den Kurden und dem Regime in Hasaka bietet den Jihadisten einen Ansatzpunkt

"Für den IS wäre diese Lage ein gefundenes Fressen. Die Taktik, lokale arabische Stämme in den Kampf einzubinden, hatte im vergangenen Jahr viel zum Erfolg seiner Feldzüge gegen die Kurden im Nordirak beigetragen. Bricht der Pakt zwischen dem Regime und den Kurden zusammen und laufen die Araber in Hasaka zu der Terrormiliz über, verliert Damaskus eine seiner letzten Positionen im Nordosten des Landes. Die Jihadisten hingegen gewännen mit Hasaka eine strategische Stellung an der Hauptverbindung zwischen ihren syrischen und irakischen 'Hauptstädten', Rakka und Mosul, sowie eine ideale Ausgangsposition für einen Feldzug gegen das grösste kurdische Siedlungsgebiet im Nordosten Syriens."

Quelle: Neue Zürcher Zeitung, 29. Januar 2015 (Nr. 23, 236. Jg.), S. 4

Andres Wysling: Berlusconi hat gut lachen. Eine Reform pro Jahr in Italien

"Die Wahlreform gelingt mit gütiger Unterstützung des früheren Regierungschefs Berlusconi. Der verurteilte Betrüger ist der wichtigste Regierungspartner Renzis, er steht in regelmässigem Austausch mit diesem. Aus dem Sozialdienst heraus, den er statt einer Gefängnisstrafe ableisten muss, bestimmt der Sträfling weiterhin massgeblich die Geschicke Italiens. Einen halben Tag pro Woche kümmert er sich in einem Pflegeheim um demente Patienten, die restliche Zeit kann er in Rom und Mailand die Fäden ziehen. Man kann nur staunen über seine Zähigkeit und seine Fähigkeit zum Multitasking - und man muss sich wundern, dass so etwas überhaupt möglich ist."

Quelle: http://www.nzz.ch/meinung/kommentare/berlusconi-grinst-1.18470081

Mittwoch, 28. Januar 2015

Neue Zürcher Zeitung (kam.): Ein Mann mit vielen Gesichtern. Der Wahlsieger Alexis Tsipras

"Kritiker charakterisieren Tsipras als wendigen Populisten, dem es, getrieben vom Machtwillen, an Prinzipienfestigkeit mangle. Zu Beginn seiner Karriere schwebte ihm noch die Verstaatlichung der Produktionsmittel vor. Auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise drohte er damit, die Vereinbarungen mit den Kreditgebern in Stücke zu reissen. In den vergangenen Wochen mässigte Tsipras seine Rhetorik. Er sicherte Brüssel und Berlin zu, keine unilateralen Entscheide in der Schuldenfrage zu treffen. Auf dem innenpolitischen Parkett streckte Tsipras nach links und rechts die Hand aus. Der jüngste Ministsrpräsident in Griechenlands jüngerer Geschichte scheint zu ahnen, dass er unweigerlich einen Teil seiner Anhänger enttäuschen wird. Am Ende des Wahlkampfs räumte er plötzlich ein, es werde nicht einfach werden. Der zweifache Vater, der nicht verheiratet ist, bezeichnet sich selbst als kompromissbereiten Realisten. In den bevorstehenden Verhandlungen mit der Troika aus EU-Kommission, Währungsfonds und Europäischer Zentralbank werden diese Eigenschaften gefordert sein."

Quelle: http://www.nzz.ch/international/europa/ein-mann-mit-vielen-gesichtern-1.18469145

Dienstag, 27. Januar 2015

David McWilliams: Oiling the EU's economic engine

"If debts - both national and personal - aren't dealt with, people will have too much debt and won't be prepared to borrow and the banks will have too much bad debt and they won't be willing to lend.

Some form of debt relief would make quantitative easing (QE) much more likely to be successful. This exactly what Syriza wants in Greece and it is an entirely logical move. This is not an extreme position but is straight out of the most orthodox economic textbook."

Quelle: http://www.davidmcwilliams.ie/2015/01/26/oiling-the-eus-economic-engine

Frank Nordhausen: Historischer Sieg der Kurden

"Tatsächlich haben die syrischen Kurden in Kobane nicht nur für sich, sondern stellvertretend auch für den Westen gekämpft und einen hohen Blutzoll dafür gezahlt. Es ist nicht nur recht und billig, dass sie nun endlich die Hilfe bekommen, die sie verdienen. Der Wiederaufbau Kobanes kostet viele Millionen. Die Kurden brauchen zudem Lebensmittel, Medikamente, und ja, auch Waffen, um sich gegen zu erwartende weitere IS-Angriffe zu wehren. Sie müssen mit an den Verhandlungstisch, wenn über die Zukunft Syriens gesprochen wird."

Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/meinung/kommentar-zu-kobane-historischer-sieg-der-kurden,10808020,29668680.html

Montag, 26. Januar 2015

Reinhard Göweil: Haltet den Dieb! Ob Tsipras eine absolute Mehrheit knapp hat oder nicht, spielt keine Rolle. Seine Partei wird den griechischen Regierungschef stellen.

"Denn der Wahlsieg Tsipras - mit seiner durchaus gestaltbaren Formulierungen nach einem Schuldenschnitt - ist nicht nur der Aufschrei eines gequälten Landes. Es ist eine Zäsur für Europa. Italiens sozialdemokratischer Regierungschef Renzi sagt ebenfalls, dass die Sparpolitik ein Ende haben müsse. Und die europäische Sozialdemokratie wird sich das Wahlergebnis in Griechenland genau anschauen. Gianni Pitella, Fraktionschef der Sozialdemokraten im Europa-Parlament hat als erste Reaktion zwei Worte gesagt: Stop Austerity."

Quelle: http://www.wienerzeitung.at/meinungen/leitartikel/730329_Haltet-den-Dieb.html

Michael Brenner: Hoffnungen und Enttäuschungen. Frankreich, seine Juden und der Antisemitismus.

"Die Unterschiede lassen sich knapp so formulieren: In Deutschland wollte man die Juden erst zu guten Staatsbürgern erziehen und ihnen dann, sozusagen als Belohnung, die gleichen Rechte verleihen, die die anderen Deutschen bereits hatten. In Frankreich dagegen erhielten die Juden die staatsbürgerlichen Rechte als Ergebnis der Revolution mit ihrem Schlachtruf 'liberté, égalité, fraternité', mussten sich in den Augen der Mehrheit dieser Rechte aber immer wieder als würdig erweisen. So rief Napoleon 1806 und 1807 zwei Versammlungen mit Repräsentanten der jüdischen Bürger ein und legte ihnen einen Fragenkatalog vor, mit dessen Beantwortung sie zu bezeugen hatten, dass sie sich nur im Glauben von ihren christlichen Mitbürgern unterschieden. 1808 folgte dann der von jüdischer Seite als 'décret infâme' verdammte Erlass, der die Juden mit Gewalt aus ihren alten Berufen herausbringen und in neue hinrinzwängen wollte."

Quelle: http://www.nzz.ch/feuilleton/hoffnungen-und-enttaeuschungen-1.18468528

Carlo Strenger: Optimismus ist im Nahen Osten schwer zu verkaufen

"Jenseits der komplizierten Koalitionsarithmetik, die letztlich entscheiden wird, wer Israels nächste Regierung bilden wird, spielt sich ein Kampf der Weltanschauungen ab. Netanyahu ist als Person äusserst misstrauisch, was zu seinem enormen politischen Erfolg beigetragen hat: Er ist wohl eines der besten Beispiele für die Effektivität des Slogans 'Nur die Paranoiden überleben', welchen Andy Grove, der legendäre Intel-Geschäftsführer, geprägt hat. Für Netanyahu ist Misstrauen aber nicht nur eine politische Taktik, sondern eine Weltanschauung: Seit vielen Jahren versucht er die Welt davon zu überzeugen, dass der Islam eine dunkle Macht ist, welche die Welt ins Chaos zu stürzen versucht. Er ist zutiefst davon überzeugt, dass die Palästinenser Israels Existenz nie akzeptiert haben und dass ein Rückzug auf die Grenzen von 1967 für Israel Selbstmord bedeutet. Netanyahus manipulative Taktiken haben ihn in westlichen Regierungskreisen höchst unbeliebt gemacht und zu Israels Isolierung sehr beigetragen. Eine weitere rechtsnationale Regierungskadenz unter Netanyahu wird Israels Isolierung vertiefen und möglicherweise die Hoffnung auf eine Zweistaatenlösung des Israel-Palästina-Konflikts endgültig begraben."

Quelle: Neue Zürcher Zeitung, 26. Januar 2015 (Nr. 20, 236. Jg.), S. 18

Marcel Fratzscher: Ein notwendiger Schritt zu einem gemeinsamen Ziel

"Investitionen sind der Schlüssel für mehr Beschäftigung, ein Absinken der Arbeitslosigkeit, und mehr Wachstum und Stabilität. Die schwache Kreditvergabe und der Einbruch der Einbruch der Nachfrage haben dazu geführt, dass die EZB ihrem Mandat der Preisstabilität nicht mehr gerecht wird. Die EZB hat ein einziges Mandat, und das heisst Preisstabilität. Die EZB hat daher keine andere Wahl, als zu handeln. Sie kann die Hände nicht in den Schoss legen und hoffen, dass jemand anders ihren Job erledigt und für einen stabilen Euro sorgt."

Quelle: Neue Zürcher Zeitung, 26. Januar 2015 (Nr. 20, 236. Jg.), S. 17

Stefan Kooths: Ein geldpolitisches Experiment mit ungewissem Ausgang

"In weiten Teilen des Euro-Raums ist die Wirtschaftslage unbefriedigend, aber die Ursache liegt nicht in einer zu geringen Liquiditätsversorgung. Zentralbankgeld ist (über)reichlich vorhanden.Grund für die nur zähe Erholung sind hartnäckige Überschuldungspositionen als Folge der übermässigen Kreditexpansion im Vorfeld der Finanzkrise. Hieran ändert die abermalige Liquiditätsflut nichts. Das neue EZB-Programm wird die Kreditvergabe kaum stimulieren, sondern neue Vermögenspreisblasen provozieren. Die EZB erklärt, dies sei nicht beabsichtigt. Entscheidend sind aber ökonomische Wirkungen, nicht die Absichten."

Quelle: Neue Zürcher Zeitung, 26. Januar 2015 (Nr. 20, 236. Jg.), S. 17

Samstag, 24. Januar 2015

Uwe Justus Wenzel: Der Schimmer des Marmors. Ein Raumschiff, eine Göttin, eine Zauberin und das Erdzeutalter namens "Anthropozän".

"Angenommen, der Rückkehrer wäre längere Zeit unterwegs gewesen: Nach der glücklichen Landung und der Befreiung aus seiner Einsamkeit würde er bemerken, dass unterdessen eine wachsende Zahl seiner Gattungsgenossen den latenten Selbstekel, den sie mit ihm geteilt haben mochten, in eine manifeste Selbstermunterung verwandelt haben. Das erwachende Umweltbewusstsein von einst hat sich zu einem veritablen Erdbewusstsein geweitet. Der 'Unrat', an den Blumenberg erinnerte, wird, so gut es geht, wegzuräumen versucht. Das 'Untier' wird (lässt man die sich fortsetzende Gewaltgeschichte beiseite) anscheinend wieder zum Menschen. Was den Rückkehrer noch mehr verblüfft: Dieser neue Mensch hat ein neues Erdzeitalter eingeläutet und ihm seinen eigenen (zwar alten) Namen gegeben - 'Anthropozän'. Es wäre dies die erdgeschichtliche Epoche, die die neueste ist (griechisch: 'kainos') und die vom Mrnschen ('anthropos') ihr Gepräge erhält."

Quelle: http://www.nzz.ch/feuilleton/der-schimmer-des-marmors-1.18467777

Robert Jungwirth: "Geräuschloser Kampf im Herzen der Gesellschaft." Houston Stewart Chamberlain, Richard Wagner und das Rassendenken

"Chamberlain folgt in seinen rassistischen Texten den antisemitischen Argumentationsmustern Wagners. Auch Wagner behauptet, Juden seien nicht schöpferisch, seien materialistisch und nur an der Vermehrung des Geldes interessiert. Um ihr Ziel - die Weltherrschaft - zu erreichen, unterwanderten sie nach und nach die germanischen Völker und infizierten deren 'Rasseblut' wie eine Krankheit. Der amerikanische Musikwissenschafter David Clay Large hat darauf hingewiesen, dass Chamberlain vor der Beschäftigung mit Wagner weder Rassist noch Antisemit gewesen sei. Das ist umso bemerkenswerter, als es noch immer zahlreiche Wagner-Exegeten gibt, die Wagner vor allem als 'Missbrauchsopfer' der Nationalsozialisten sehen. Dabei trug Wagners antisemitisches Gedankengut in vielerlei Hinsicht zur rassistischen Geisteshaltung der Nazis bei. Ein wichtiges Bindeglied dabei war Houston Stewart Chamberlain, der 1909 in zweiter Ehe Eva Wagner heiratete, die zweite Tochter Richard Wagners, und seitdem in Bayreuth im Kreis der Wagner-Familie lebte."

Quelle: http://www.nzz.ch/feuilleton/houston-stewart-chamberlain-und-richard-wagner-1.18467536

Daniel Steinvorth: Fatwa gegen Schneemänner

"Islamqa.info ist eine bekannte salafistische Website. Man findet dort eine Fatwa-Datenbank, die tausende von religiösen Gutachten speichert - freilich nach der ultrakonservativen Lehre des wahhabitischen Islams. Ihr Betreiber ist der Prediger Mahammed Salih al-Munajid; ein Mann, zu dessen Ansichten zählt, dass Mickey Mouse eine 'satanische Figur' und der Tsunami von 2004 eine Strafe Gottes für die Partys der Touristen gewesen sei. Es sind Leute wie Munajid, die aufgeklärte Muslime verzweifeln lassen. Muslime hätten andere Sorgen, als sich von absurden Fatwas ärgern zu lassen, klagt eine Bloggerin. Es nerve sie, dass entsprechende Meldungen von westlichen Medien aufgebauscht würden."

Quelle: http://www.nzz.ch/international/aufgefallen/fatwa-gegen-schneemaenner-1.18466921

Freitag, 23. Januar 2015

Zita Affentranger: Kiew droht alles zu verlieren. Analyse. Die ukrainische Führung glaubt noch immer an eine militärische Lösung in den Gebieten Donezk und Luhansk, obwohl die prorussischen Rebellen wieder vorrücken. Das hat verheerende Folgen.

"Doch für die Ukraine sind die Konsequenzen noch weit katatrophaler als für Russland. Präsident Poroschenko hat grosse Pläne mit seinem Land: Innert zwei Jahren will er unabhängig werden von russischen Energielieferungen, in fünf Jahren Mitglied der EU sein. Das mag an sich schon unrealistisch klingen; klar ist, dass das Land überhaupt keine Zukunft hat, wenn der Krieg weitergeht. Die Ukraine läuft Gefahr, ihre demokratische Entwicklung zu opfern für diesen Kampf. Die letzten wirtschaftlichen Ressourcen werden verschlungen vom Militär, und die westlichen Kreditgeber könnten sich plötzlich in der unangenehmen Situation wiederfinden, einen Krieg zu finanzieren. Kiew droht nicht nur Territorium zu verlieren, sondern auch die Herzen der Ostukrainer, auf deren Buckel die Schlacht geschlagen wird."

Quelle: http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/Kiew-droht-alles-zu-verlieren/story/22181449

Donnerstag, 22. Januar 2015

Stefan Betschon: Goodbye, Google Glass

"Auch die Besitzer der Google-Datenbrille haben unterschiedlich auf die Ankündigung eines 'Übergangs' reagiert. Von den vielen Kommentaren auf Google+ lautet einer: 'Excellent news!! We're thrilled to see what's next for Glass!', ein anderer: 'Never, has so much, been promised, to so many, with so little delivered, for so much. GIVE ME MY MONEY BACK!'"

Quelle: Neue Zürcher Zeitung, 22. Januar 2015 (Nr. 17, 236. Jg.), S. 38